20. Sonntag nach Trinitatis (Unter Gottes guter Ordnung) – 2020

Predigt zum 20. Sonntag n. Trinitatis (Unter Gottes guter Ordnung), den 25. Oktober 2020

Christusgemeinde Kirchdorf


Markus 2,23-28                                                                                                                                                                 I.i.

Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?

Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Das menschliche Herz ist eine Fabrik. Eine Religionsfabrik, die eifrig eine Religion nach der anderen produziert. Wir Menschen denken uns die verschiedensten Weisen aus, Gott Honig um den Bart zu schmieren, damit er nach unserer Pfeife tanzt, suchen immer neue Wege, unsere Sünden selber gutzumachen, statt dass wir die Sünde zugeben und Vergebung bekommen. Die religiösesten Menschen sind oft diejenigen, die nie in die Kirche gehen. Sie glauben alle möglichen Dinge ohne einen einzigen Beweis, lesen treu ihr tägliches Horoskop, klopfen auf Holz, vermeiden die Zahl 13 und schwarze Katzen. So sind wir Menschen. Wir nehmen wunderbare, heilsame Geschenke von Gott und machen sie zu Religionen. Dinge wie Geld und Liebe und Nahrung. Wir machen aus dem Essen eine Religion und opfern den Essenshohepriestern, die uns sagen, was wir wann essen sollen, um glücklich und gesund zu sein. Natürlich alles zu einem Preis. Wenn wir die Gebote der Diät übertreten, fühlen wir uns schuldig bei diesem Stück Schokoladenkuchen oder jenem Teller Fettucine mit Alfredo-Sauce. Die Diätgötter sind nicht zufrieden! Wir müssen für unsere Sünden büßen, morgen doppelt so lange trainieren. Alles Religion.

Es gibt dann auch Religionspolizisten, die fleißig darauf achten, dass jeder alles richtig macht. Zur Zeit Jesu waren es die Pharisäer. Religiöse Buchführer, die aus den 5 Büchern Mose 613 biblische Regeln machten. 613 Ge- und Verbote. Sie hielten sie haargenau ein und passten auf, dass andere sie auch einhielten. Sie behielten vor allem den Herrn Jesus und seine Jünger im Auge, denn er schien nicht sonderlich daran interessiert zu sein, diese 613 einzuhalten. Schon im 2. Markuskapitel hatte er sich in ihren Augen dreimal religiös versündigt. 1: Schlechte Gesellschaft. Er isst mit Zöllnern und allen möglichen dubiosen Sündern. 2: Jesus fastet nicht, und seine Jünger auch nicht. Im Gesetz gab’s nur einen Fastentag, zur Not auch mehr. Die Pharisäer fasteten zweimal pro Woche, jeden Dienstag und Donnerstag. Als der Herr Jesus damit konfrontiert wird, dass er und seine Jünger nicht fasten, während doch alle anderen fasteten, sagt er: Wenn der Bräutigam bei den Gästen ist, wird gefeiert! Fasten kommt später! 3: Im heutigen Evangelium spazieren der Herr Jesus und seine Jünger an einem Sabbat durch ein Getreidefeld. Am Sonnabend, dem siebten Tag, dem Tag, an dem man keine Arbeit tun durfte. Die Pharisäer zählten 32 verschiedene Arten von Arbeit, die man am Sabbat nicht tun durfte. Dazu gehörten Ernten und Dreschen von Getreide. Da kommen nun Jesu Jünger durch das Feld daher, pflücken Getreide und essen. So, das war’s. Blaulichteinsatz für die Religionspolizei, und sie ist gerne bereit, den Heiland wegen dieser drei Vergehen zu verhaften. Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen.

Das Schlimmste, was man zu Jesu Zeiten sein konnte, nebst Ehebrecher und Mörder, war ein Sabbatbrecher. Die Strafe für den Sabbatbruch war der Tod. Das Gebot, wie Gott es Mose auf dem Berg Sinai gab, war deutlich: Du sollst den Feiertag, den Sabbat heiligen. Sechs Tage arbeitest du, aber am Sabbat arbeitest du nicht. Du ruhst dich aus. Das ist es, was Sabbat ist, Schabbat bedeutet – ausruhen. Du, deine Kinder, deine Knechte, sogar deine Tiere. Jeder bekommt den Tag frei. Dafür gab es 2 Gründe. Einmal darum, wöchentlich an die Befreiung aus Ägypten zu denken. „Du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm.“ Sklaven arbeiteten sieben Tage die Woche; Gottes befreites Volk arbeitete sechs Tage und ruhte einen aus. Und dann ging es um die Schöpfung. Gott schuf das ganze Universum in sechs Tagen, und am siebten Tag ruhte er, um sich an dem zu erfreuen, was er geschaffen hatte. Wenn Gott sich einen Tag frei nehmen kann, kannst du das auch, es sei denn, du versuchst, Gott zu übertreffen oder anstelle von Gott Gott zu sein. Am Freitagabend nach dem Sonnenuntergang genießt man ein leckeres Abendessen, ein Glas guten Wein, stoßt an auf den Gott der Schöpfung, der alles gut gemacht hat, geht schlafen und am Sonnabendmorgen in die Synagoge, um Gottes Wort zu hören und mit der Gemeinde zu beten. Der Sabbat war ein Tag zum Beten und Spielen, aber nicht zum Arbeiten.

Das war ein göttliches Gebot. Nicht verhandelbar. Die Strafe für den Sabbatbruch war, dass die ganze Gemeinde dich mit Steinen totwarf. So ernst nahm Gott den Schabbat, die Ruhe. Der Rest der Welt konnte sich rund um die Uhr abrackern, wenn er unbedingt wollte, aber Gottes Volk sollte der Welt zeigen, wie freie Menschen leben und sich einen Tag Ruhe in Gott gönnen. Der Sabbat war Gottes Geschenk. Der Sabbat war für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat. Er war eine kleine Vorspeise, ein Vorgeschmack auf die Ruhe, die in Jesus kommt. Er erinnerte die Israeliten daran, dass sie durch Gottes Güte und nicht durch den Umsatz ihrer Arbeit gerettet wurden, dass Arbeit auch ein Geschenk Gottes ist und dass unerledigte Geschäfte einen Tag warten können. Nichts war so wichtig, dass es dem Wort Gottes und dem Gebet in die Quere kam. Und es erinnerte sie daran, dass sie frei waren. Frei zu arbeiten und frei, nicht zu arbeiten. Frei, zu beten. Frei zu spielen.

Arbeiten, Anbeten, Spielen. Die bringt die Menschheit heute durcheinander, nicht wahr? Wir arbeiten an unserm Spielen, beten die Arbeit an und spielen beim Anbeten. Kein Wunder, dass wir immer beschäftigt sind, immer unruhig. Wir lassen uns keine Zeit zum Beten, zum Hören auf Gottes Wort und zum Gottesdienst. Wir haben das Ziel im Leben aus den Augen verloren. Darum ging es beim Fasten und beim Sabbat. Zielbewusst vor Gott zu leben. Man sagte nicht: „Ich habe keine Zeit.“ Man ließ sich Zeit. Man ließ Raum dafür. Wir – wir geben das Geschäft der Geschäftigkeit auch an unsere Kinder weiter. Zu beschäftigt für die Kirche, um sich zu versammeln, um still zu sein, um mit dem, was wir tun, aufzuhören. Das ist keine Freiheit. Wenn man nicht „nein“ sagen kann zum Arbeiten oder zum Spielen, ist man nicht frei. Man ist ein Sklave dessen, zu dem man ja sagen muss. Ihr Lieben, wir brauchen unsere Ruhe. Gott weiß das. Acht Stunden Schlaf pro Nacht tun Wunder. Etwas Tageslicht in diesen vollgepackten Zeitplan zu stecken, würde uns mehr nützen als das ständige Schaffen. Ausruhen in Gottes Wort, ausruhen am Tisch des Herrn, ausruhen im Gebet. Es gibt keinen Ersatz. Pillen werden nicht helfen. Diäten werden nicht ausreichen. Auch Bewegung nicht. Auch nicht die Religion. Es gibt keinen Ersatz für Schabbat. Ist es nicht die Ironie, dass unser alte Adam aus der Ruhe eine Arbeit, eine Last macht? Gott sagt: „Ich befehle dir, einen Tag frei zu nehmen“, und wir sagen: „Echt jetzt? Muss ich das?“ Was ist das für eine perverse Logik? Gott der Herr sagt: „Keine Arbeit“, und wir sagen: „Was meinst du denn genau mit ‚Arbeit‘?“

Der Herr Jesus dreht den Spieß um. Er erinnert die Pharisäer an einen Fall in der Geschichte Israels, als David auf dem Schlachtfeld war und er und seine Soldaten hungrig waren und sie zu Ahimelech, dem Priester, kamen und baten, das geweihte Brot aus der Stiftshütte zu essen. Der Buchstabe des Gesetzes besagt nun, dass nur die Priester dieses Brot essen dürfen. Aber die religiösen Regeln wurden gebeugt und es wurden Ausnahmen gemacht, weil die Regeln für den Menschen gemacht wurden, nicht der Mensch für die Regeln. Religiöse Regeln können uns nicht retten. Das konnten sie nie. Gott wusste das. Er machte sich sogar die Mühe, es zu beweisen. Er machte eine Nation aus ägyptischen Sklaven. Er gab ihnen ein Land und ein Gesetz. Und er sagte ihnen: „Haltet das Gesetz ein und ihr könnt das Land behalten.“ So einfach ist das. Und dann? Sie verloren das Land. Man kann nicht natürlich geborenen Sündern ein Gesetz geben und von ihnen erwarten, dass sie es halten. Man kann mit Strafen drohen und Belohnungen versprechen, aber am Ende werden sie es in eine Religion verwandeln und es brechen.

Der Sabbat konnte nicht retten. Er war nicht zum Retten gedacht. Er sollte ein Bild unserer Errettung sein. Ein Geschenk der Ruhe in einer Welt, die nicht weiß, wie man ausruht. Doch selbst das Gebot der Ruhe, nicht zu arbeiten, das am leichtesten einzuhalten sein sollte, kann nicht eingehalten werden. Stattdessen wurde es zu einer Messlatte und einem Privatklub der Religiösen. Ein weiterer Grund, Jesus zu hassen. Er ist ein „Sabbatbrecher“. Aber die Wahrheit sieht doch anders aus. Jesus hielt den Sabbat ein. Er brach die Traditionen der Menschen, er brach diese von Menschen gemachten religiösen Regeln und Vorschriften, die wir so gerne durchbuchstabieren. Aber Jesus hielt den Sabbat reiner und vollständiger ein als jeder Jude, der jemals im Land lebte. Und er tat es für uns alle, für die ganze Welt. Er ist der Herr des Sabbats, und doch hielt er den Sabbat in reiner Vollkommenheit ein, so wie er jedes Gebot, jeden Punkt des Gesetzes einhielt.

Jesus sagt: „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig, müde und beladen seid, und ich will euch erquicken“, euch Ruhe schenken. Die wahre, ewige Ruhe – Schabbat im vollsten Sinne des Wortes – finden wir in Jesus Christus. Der Kirchenvater Augustin sagte einmal: „Zu dir hin, o Gott, hast du uns erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ Der Sabbat erreichte seine Erfüllung an einem Freitagnachmittag vor fast 2000 Jahren, als der Herr des Sabbats von Josef von Arimathäa und Nikodemus von seinem Kreuz abgenommen wurde, und sie seinen Körper in Kleider und Gewürze hüllten, ihn in das Grab zur Ruhe legten und die Öffnung verschlossen. Am siebten Tag ruhte Gott, nachdem er das Werk der Schöpfung vollendet hatte. Und am siebten Tag ruhte der Gottessohn, der Menschensohn, der Herr des Sabbats, im Grab, nachdem er das Werk der Erlösung der Welt vollbracht hatte. „Es ist vollbracht.“ Ruhe in Frieden. In Jesus hast du Schabbat, ruhe in Frieden. Ruhe von dem Druck des Gesetzes, Ruhe von deinen Sünden, Ruhe von all der Last deiner Geschäftigkeit. Er ist der Herr des Sabbats, und er ist deine Ruhe. Amen.

SOLI DEO GLORIA

Pastor Dr. Karl Böhmer


20. Sonntag nach Trinitatis (Unter Gottes guter Ordnung)

Wochenspruch

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6, 8

Introitus – Nr. 61 (Psalm 119, 89 – 90a; Psalm 148, 12 – 13)

Hauptlied

Wohl denen, die da wandeln 42

Epistel

Wir bitten und ermahnen euch in dem Herrn Jesus, da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut, – dass ihr darin immer vollkommener werdet. Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.

1. Thessalonicher 4, 1 – 8

Evangelium

Pharisäer traten zu Jesus und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. [Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach. Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe. Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.]

Markus 10, 2 – 9 [10 – 16]


liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: Mi 6,8

Wochenpsalm: Ps 119b

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: 1. Thess 4,1-8

Evangelium: Mk 10,2-9 (10-16)

Predigttext: 1. Mose 8,18-22

Wochenlied: 295


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).


I(Evangelium): Mk 10,2-9 (10-16)

II: 1. Thess 4,1-8

III: 1. Mose 8,18-22

IV: 1. Kor 7,29-31

V: Mk 2,23-28

VI: 2. Kor 3,3-9