4. Sonntag im Advent (Die nahende Freude)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn, Jesus Christus. Amen.
Text: Jesaja 52, 7 – 10
7Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König! 8Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. 9Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 10Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Lasst uns beten: Lieber Herr, himmlischer Vater, durch alle Zeiten hindurch hast du uns die gute Botschaft von der Erlösung und dem Heil aller Menschen verkündigen lassen. Wir danken dir für deine große Gnade und Liebe, und wir bitten dich, komm, Herr und segne auch jetzt wieder dein Wort an unsren Herzen. Amen.
Im Namen unseres Erlösers, Jesus Christus, liebe Gemeinde
Wieder geht die Adventszeit zu Ende. Wir sind in den letzten Wochen öfter an die Vorbereitung auf das Kommen des Herrn erinnert worden. Wenn wir aber ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass sich bis jetzt leider noch nichts geändert hat. Und wahrscheinlich ist da sowieso noch nicht viel an innerer Vorbereitung bei uns geschehen. Hat das vielleicht damit zu tun, dass wir es gar nicht mehr glauben, dass Jesus wirklich kommen wird? Oder wollen wir es sogar gar nicht, dass er jetzt schon kommen soll? Sind wir vielleicht wie kleine Kinder, die nicht wollen, dass die Mutter sie beim Spielen stört, wenn sie zu Bett gebracht werden sollen.
Oft neigen wir ja auch dazu, die Wirklichkeit, dass wir einmal vor dem allmächtigen Herrn stehen werden, aus unserem Denken zu verdrängen. Der Gedanke an den Jüngsten Tag mit all dem scheinbar Unmöglichen das dann passieren soll, kommt uns oft so unrealistisch vor, dass viele Menschen ihn ganz ignorieren. Die Wirklichkeit lehrt uns aber, dass wir wahrscheinlich nicht erst auf den Jüngsten Tag werden warten müssen. Jeden Tag sterben viele Menschen an den verschiedensten Ursachen, und keiner von uns hier ist immun gegen den Tod. Deshalb besteht die Wahrscheinlichkeit, dass wir dem Herrn, eher als erwartet, schon begegnen könnten. Deshalb ist es mit der Vorbereitung auf diese Begegnung doch wichtiger als wir es ahnen.
Liebe Gemeinde, wir wollen deshalb also noch einmal an das Thema in unserem Text, und auch von der ganzen Adventszeit, denken. Da sehen wir, wie die Ankunft unseres Herrn darin wiederholt angekündigt wurde. Lasst uns nur einmal daran denken, welche Aktivitäten da bei uns laufen würden, wenn wir wüssten, dass sich ein sehr wichtiger Gast für den Gottesdienst am Christabend, hier bei uns, angemeldet hat. Wir würden bestimmt alles aufs Beste vorbereiten. Wir würden Reklame machen und unsere Freunde und Verwandten alle dazu einladen. Unser Sängerchor, die Bläser und die Organisten würden ihre Sachen gründlich üben, und wir würden alle unsere Glieder und viele Gäste hier erwarten. Zum gewissen Maß würde das sicher davon kommen, dass die Leute diese wichtige Person sehen wollen. Die Tatsache, dass solch eine Veranstaltung zur angesagten Zeit dann auch wirklich stattfinden würde, würde bestimmt auch dazu beitragen, dass die Leute auch wirklich kommen würden. Dagegen trägt die Unsicherheit darüber, wann der Jüngste Tag kommen wird, bestimmt dazu bei, dass viele Menschen gar nicht mehr wirklich damit rechnen. Und deshalb kommen wahrscheinlich so viele Menschen auch gar nicht mehr zu den Gottesdiensten.
Heute hören wir nun noch einmal ein Wort aus der Bibel, dass uns die Ankunft unseres Herrn als den König aller Könige und Herrn aller Herren ankündigt. Ja, Gott ist es selber, der uns sagen lässt, dass er zu uns kommen wird! Aber wie trifft dich das? Findest du diese Ankündigung genau so aufregend und spannend, wie wenn hier am Dienstagabend wirklich eine berühmte Person bei uns sein würde? Sind wir nicht alle viel zu leicht auf Sensation und viel dramatisches Geschehen aus, statt dass wir uns mit dem oftmals recht bescheidenen Wort Gottes und mit den Sakramenten zufrieden geben?
Die Leute von Juda, die diese Botschaft zuerst gehört haben, saßen in der Gefangenschaft, weit entfernt von ihrer geliebten Stadt, Jerusalem, und dem Tempel. Diese Leute waren wirklich darauf aus, um aus der Gefangenschaft zurück zu kehren. Für sie war der Tempel in Jerusalem der eine Ort auf Erden, wo Gott für sie zu finden war. Die Trennung von dem Tempel war deshalb für sie die größte Strafe der babylonischen Gefangenschaft, weil das für sie die Trennung von Gott bedeutete. Gegen diesen Hintergrund muss man die vielen Ausbrüche der Freude, die wir immer wieder im Zusammenhang mit der Heimkehr aus der Gefangenschaft lesen können, bedenken.
Liebe Gemeinde, in den Tagen von denen in diesem Text berichtet wird, gab es als einzigste Verbindung zwischen den Städten und Dörfern, Boten, die zu Fuß von einem Ort zum anderen liefen, um die Nachrichten weiter zu sagen. Wenn es sich um gute Nachricht handelte, rannten sie meistens, und wurden so von den Wächtern auf den Wachttürmen und Mauern der Städte, schon von weitem erkannt. Dann wurde den Einwohnern der Stadt durch lautes Rufen angekündigt, dass Boten, mit scheinbar guter Nachricht, unterwegs waren. Man kam zusammen um zu hören, worum es sich denn handelte. Die Boten waren meistens auch sehr gute Marathonläufer. Aber, der Verweis auf ihre Füße in unserem Text hat nichts mit der Schönheit ihrer Füße zu tun. Es handelte sich nur darum, dass ihre Füße sie so schnell von einem Ort zum anderen bringen konnten, damit die Menschen durch die guten Botschaften erfreut werden konnten. In unserem Text stehen diese Boten für die Propheten, die dem Volk Gottes die Botschaft des Herrn bringen mussten.
So wie die guten Botschaften, die von den Boten in eine Stadt gebracht wurden, ist die Botschaft von der Befreiung aus der Gefangenschaft, die der Prophet Jesaja dem Volk gebracht hat, mit viel Freude begrüßt worden. Für sie war das Buch des Propheten Jesaja das, was das Buch der Offenbarung heute für uns sein will, nämlich: Eine dramatische Vision der Zukunft des Volkes Gottes. Die Voraussicht, dass sie nach Jerusalem, wenn auch immer noch hier auf der Erde, zurückkehren würden, hat die Leute damals mit höchster Freude erfüllt. Die Tatsache, dass sie diese Heimkehr auch wirklich erleben durften, zeigt uns allen auch, dass Gott zu seinen Versprechen hält. Durch diese Berichte werden wir auch ermutigt, um Gott wirklich zu vertauen, dass er zu uns kommen wird, weil er es uns versprochen hat!
Ihr Lieben, diese Ankündigung, die wir jedes Jahr zu Advent hören, darf aber nicht als ein einmaliges Geschehen verstanden werden. Wenn so eine wichtige Person wirklich einmal zu uns hier in Wartburg kommen würde, wie es am Anfang geschildert wurde, würde dieser Besuch bald vorbei sein. Diese Person würde sich wieder auf den Weg machen, und wir würden alleine hier zurückbleiben. Dann hätten wir bald nur noch einige schwindende Erinnerungen und vielleicht ein paar Fotos davon. Die Botschaft von dem Advent des Herrn sagt uns aber, dass Gott bei uns bleiben will, alle Tage, bis an der Welt Ende, und auch noch darüber hinaus! Wir dürfen Gott deshalb nie nur als einen Besucher sehen, der uns nach ein paar Stunden wieder allein lässt. Nein, er ist und bleibt bei uns in seinem Wort und in den Sakramenten!
Wir empfinden es aber sehr leicht als Schwäche, wenn dieses Kommen Gottes zu uns, so unauffällig geschieht. Man merkt davon oft nur wenig oder auch gar nichts. Dann sollen wir uns auf sein Wort und auf sein Versprechen verlassen. Genau wie die Juden aus der Gefangenschaft zurück gekehrt sind, und genau wie Jesus ungefähr 500 Jahre später geboren ist, wird er auch sein Versprechen halten, dass er jetzt schon hier bei uns ist! Der große, ewige Gott ist nicht weit von uns entfernt! Er kennt uns alle und er sorgt für uns! Er sieht und kennt alle unsere Not, unsere Sorgen und die Enttäuschungen in unserem Leben. Er sieht unsere Trauer und unsere Tränen. Und er ist da, uns zu trösten! Er ist nur ein Gebet weit entfernt! Er wartet sogar darauf, unsere Gebete zu hören, und sie nach seinem heiligen Willen zu erfüllen so, wie es zu unserem Besten ist! Er will, dass wir wirklich in enger Gemeinschaft mit ihm leben, damit wir seinen Segen und seinen Frieden, wie er ihn uns an jedem Sonntag zusprechen lässt, auch wirklich die ganze Woche lang erfahren können.
Liebe Gemeinde, bei seinem zweiten Kommen, am Jüngsten Tag, wird er auch nicht nur für eine kurze und begrenzte Zeit kommen, wie ein Gast, der uns dann wieder verlässt. Nein, die Gemeinschaft mit ihm, die schon jetzt und hier auf dieser Erde angefangen hat, wird an dem Tag bestätigt werden. Dann wird daraus eine ewige Gemeinschaft werden! Das wird dann aber auch der Tag sein, an dem alle, die je auf dieser Erde gelebt haben, ihn sehen werden, wie wir im letzten Vers von unserem Text lesen, nämlich: „Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes!“ Dann werden auch alle, die die Botschaft von ihrem Heil in ihm, abgelehnt haben, ihren Fehler erkennen. Sie werden dann aber leider nicht mehr die Gelegenheit zur Umkehr haben, sondern sie werden für immer mit den Folgen ihrer falschen Entscheidung, leben müssen!
Inzwischen ist es der Auftrag der Kirche, um die Menschen in der Welt über diese Tatsachen zu informieren, und sie auf die Folgen aufmerksam zu machen. Das können wir durch ein direktes Gespräch, durch Schriftstücke und nicht zuletzt im Gebet für den Einzelnen tun. Wir können uns dann auch darauf verlassen, dass der Heilige Geist sein Werk an ihnen tun wird, solange es ihm erlaubt wird.
Mögen wir deshalb in unserem Glauben an den Herrn, Jesus Christus, der für uns als wahrer Mensch geboren wurde, damit er für unsere Sünden sterben konnte, gestärkt werden. Mögen wir diese Botschaft von unserer Erlösung mit Freuden annehmen und in dieser Freude leben. Und möge uns auch der Mut und die Gelegenheiten geschenkt werden, damit wir diese Botschaft auch denen sagen können, die sie noch nicht gehört haben. Amen.
Wir beten: Treuer Heiland, Jesus Christus, wir danken dir, dass du für uns in diese Welt gekommen bist, um uns zu erlösen. Wir bitten dich, lass uns diese Botschaft auch immer wieder mit großer Freude annehmen. Und gib, dass wir sie auch weitersagen, damit viele sie hören können. Komm lieber Herr, und bleib bei uns bis das wir am Jüngsten Tag auf ewig mit dir vereint werden. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.
4. Sonntag im Advent (Die nahende Freude)
Wochenspruch
Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!
Philipper 4, 4 – 5
Introitus – Nr. 4 (Psalm 102, 17 u 14)
Epistel
Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Philipper 4, 4 – 7
Hauptlied
Nun jauchzet, all ihr Frommen 80
Evangelium
Maria machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit. Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
Lukas 1, 39 – 56