2. SONNTAG NACH EPIPHANIAS (Der Freudenmeister)
Gibt es Gebete, die Gott nicht erhört? Vielleicht hast du dir schon mal diese Frage gestellt, als du betetest, aber keine Veränderung in deinem Leben zu sehen war, und das wochenlang, tagelang, jahrelang. Gibt es Gebete, die Gott nicht erhört? Du hast Angst und Not um dich oder um andere und trägst sie Gott im Gebet vor – und es ändert sich nichts. Du fragst dich: Wo ist Gott denn? Hat er mich verlassen, vergessen, mich mit meiner Not sitzen lassen? Wenn er doch da ist, wenn er doch meine Not sieht, und wenn er doch davon weiß, warum ignoriert er mich? Ist er gar ein Gott, der sich zu Leiden freut?
Gibt es Gebete, die Gott nicht erhört? Jeremia wird diese Frage eindeutig beantwortet. Es herrscht anhaltende Dürre. Jämmerlich siecht das Land dahin in der sengenden Sonne, Städte verschmachten in der flimmernden Hitze, den Leuten klebt die Zunge am Gaumen. Nicht mal die Reichen, die sonst Überfluss genießen, haben Wasser. Ihre Diener kehren unverrichteter Dinge und mit leeren Eimern vom Brunnen zurück. Nicht „water shedding“, sondern „shutdown“. In Israel ging es damals wie in der Nordkaroo heute. Die Erde lechzt nach Wasser, es regnet nicht, und die Farmer stehen machtlos daneben und haben keine Antworten. Und der Prophet Jeremia sieht das lange Leiden der Leute und des Landes und es jammert ihn und er wirft sich vor Gott im Gebet nieder: Warum tust du das, Gott? Keiner hat Antworten! Alle leiden Mangel! Hörst du denn unsere Gebete nicht? Was tust du? Du tust so wie ein Bodybuilder mit Schwächeanfall; wie einer, der durch die Karoo fährt und die Trockenheit sieht, aber im Auto sitzt, Fenster zu, Türen zu, Klimaanlage läuft, Cola in der Hand und die Augen auf den Horizont richtet, auf Durchfahrt eingestellt, auf Vergessen bedacht! Und dann kommt sogar ein Sündenbekenntnis: [7.9b] Und immer noch ändert sich nichts.
Gibt es Gebete, die Gott nicht erhört? Gott der Herr beantwortet diese Frage hier mit einem Ja. Ja, es gibt Gebete, die er nicht erhört. Er gebietet Jeremia sogar, mit dem Beten aufzuhören: [11f] Das muss man sich einmal vorstellen: Als Prophet will er vermitteln, für das Volk vor Gott im Gebet eintreten. Aber Gott sagt eiskalt: Nein. Ich erhöre ihr Gebet nicht. Hör du auch damit auf.
Liebe Gemeinde, heute dürfen wir Einführung feiern. Dies ist für uns heute ein Freudentag. Wir wollen feiern und fröhlich sein. Und da kommt uns dieser Predigttext so richtig in die Quere. Den hab ich mir nicht ausgesucht. Dies ist der vorgeschriebene Text für heute. Ich muss zugeben, meine erste Reaktion war: Sollen wir nicht lieber einen Ausweichtext nehmen? Denn so erleben wir Gott heute fast als die große Spaßbremse, die uns alle Freude nehmen will. Aber – es hat sein Gutes, sich auch diesem harten Gotteswort für heute zu stellen und sich ihm zu öffnen. Es ist wahr: Gott sagt hier deutlich, er erhört das Gebet der Leute nicht, gebietet Jeremia, mit dem Beten aufzuhören. Der springende Punkt aber ist: Warum macht er das – und wozu?
Warum? Das Verhältnis zwischen dem Volk Israel damals und Gott dem Herrn war einzigartig. Sie waren sein Volk, er ihr Gott. Er hat ihnen allen Segen des Himmels versprochen, wenn sie auf seinen Wegen wandeln und seine Gebote halten. Gleichzeitig hat er ihnen aber auch als Nation schweres Unheil vorausgesagt, wenn sie nicht Buße tun und ihm ungehorsam bleiben würden. Einschlägig heißt es in 3.Mo 26: Wenn ihr mir aber auch dann nicht gehorcht, so will ich euch noch weiter strafen, siebenfältig, um eurer Sünden willen, dass ich euren Stolz und eure Halsstarrigkeit breche, und will euren Himmel wie Eisen und eure Erde wie Erz machen. Und eure Mühe und Arbeit soll verloren sein, dass euer Land sein Gewächs nicht gebe und die Bäume im Lande ihre Früchte nicht bringen. Die schrecklichen Dürren und der Wassermangel im Land kamen also als direkte Folge der Unbußfertigkeit, der halsstarrigen Empörung gegen Gott. Nicht, dass diese Menschen im modernen Sinne „Umweltsünder“ waren, also zu viel Abgase in die Luft geblasen haben. Vielmehr kommt diese Umweltkatastrophe über die Zeitgenossen Jeremias, weil sie Gott nicht mehr wirklich ernst nehmen. Ja, im Tempel wurden die Gottesdienste rituell korrekt gefeiert. Manche Menschen trugen sogar Anhänger mit den aaronitischen Segen um den Hals. Aber viele trugen auch Anhänger mit den Bildern der heidnischen Götter. Das Problem war nicht die völlige Gottlosigkeit, sondern das Hin- und Herschwanken zwischen waren und falschen Glauben: Sie laufen gern hin und her, sagt Gott. Darum denkt [er] nun an ihre Missetat und will ihre Sünden heimsuchen. Nicht unbedingt völlige Gottlosigkeit, sondern die Bereitschaft zum falschen Kompromiss, zur Vermischung vom Wahren und Unwahren führte zum Gericht der Dürre. Gott hat gewarnt, einmal, zweimal, 100mal. Aber irgendwann zwingen die Menschen Gott, sein Wort zu halten und seine Drohung wahrzumachen! Er handelt nicht willkürlich, sondern sie zwingen ihn. Das ist das Schreckliche: Gottes Geduld hat Grenzen. Lassen wir uns warnen! Wer darauf besteht, als Rebell zu leben und seinen eigenen Weg zu bestimmen, wiederholt Gottes Warnungen zu ignorieren, den überlässt er irgendwann seinem Willen – und dessen Folgen. Wer Gottes Gnade in den Wind schlägt, wer nicht von seiner Halsstarrigkeit lassen will, dem wird Gott sie ihm brechen, der muss mit Folgen in diesem Leben und letztlich mit Gottes Gericht rechnen. Aber es ist meistens nicht so krass. Stehen wir nicht alle in der gleichen Gefahr? Als solches gottlos sind wir nicht, aber allzu gerne wird versucht, manches zu verbinden, was sich ausschließt. Du kannst den lebendigen Gott Himmels und der Erde nicht an der Nase herumführen. Das kann keiner. Nun ist Jeremia und wohl manch gläubiger Mensch bußfertig und betet für Land und Volk, aber hier ist es zu spät, Gott muss auftreten, wenn er denn sein Wort halten will.
Wozu macht er das aber? Bedenkt: Auch Gottes zeitliche Strafe ist Gnade. Noch hat er den Sünder nicht zerstört. Strafe ist sein letzter Weckruf. Denn er spricht: So wahr ich lebe…: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel? (Hes 33) Dazu handelt Gott so. Jedes Leid, ob selbst- oder fremdverursacht, ist ein Ruf zur Buße. Nun müssen wir uns klar sein: Südafrika ist nicht das Volk Israel, und wenn hier Dürre herrscht, können wir das nicht auf eine oder die andere „nationale“ Sünde zurückführen – oder gar davon ausgehen, wenn das „Land“ irgendwie Buße tut, dann hört die Dürre auf. Nein, der Herr selbst warnt uns in seinem Wort, dass die Sünde der Menschen auch die ganze Schöpfung nachteilig beeinflusst und dass die Naturkräfte immer mehr ins Wanken kommen werden. Das steht fest, das sehen wir auch heute. Dürren und Tornados in unserem Land sind Warnungen an alle Südafrikaner, dass Gott zu seinem Wort steht, sein Gericht allen Unbußfertigen androht und wahr machen wird. Gleichzeitig verheißt er im Noahbund, dass solange die Erde steht, nicht aufhören werden Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter. Die Erderwärmung spricht nicht das letzte Wort. Jeder linde Regen ist ein Bild der Gnade Gottes: Noch ist es Gnadenzeit, noch ruft er zu Umkehr und Glauben an Jesus auf. Er will, dass alle Menschen gerettet und auf Ewigkeit in der neuen Erde bei ihm wohnen werden. Auch du!
Gibt es Gebete, die Gott nicht erhört? Diese Frage wird beantwortet, wenn wir auf den größten Propheten, den leidenden Gottesknecht blicken. Dreimal betet er im Garten Gethsemane: Nimm diesen Kelch von mir! Und dreimal sagt der Vater nein. Der gleiche Gott, der solch herrliche Verheißungen an das Gebet gebunden hat, lehrt uns auch zu beten: Dein Wille geschehe. Das macht Jesus uns vor. Gott der Vater erhört das Gebet „nimm diesen Kelch von mir“ nicht, weil es uns und der Welt nicht zum Heil gereicht hätte. Jesus muss sterben für das Leben der Welt – und für dich. Das lässt er sich kosten, um dich zu gewinnen! Lieber trägt er selbst die Folgen der Sünde, als dass Du verlorengehst! So viel bist du ihm wert. Auch bei Jeremia geht es um das Heil der Welt. Weitere Gnade hätte einem unbußfertigen Volk nicht zum Heil gereicht. Das Unheil musste kommen, damit zumindest einige zur Buße kommen und gerettet werden konnten. So ist es auch bei dir. Gott der Herr hat es in allererster Hinsicht auf dein ewiges Heil abgesehen. Wenn es dir gutgeht, ist das ein Geschenk Gottes und ein Bild unverdienter Gnade; wenn es dir oder deinen Lieben dreckig geht, so vertraue darauf, dass Gott es gut meint, zur Buße ruft und deine Sache herrlich hinausführen will. Gerade weil er sein Wort hält, darfst du seiner Gnade vertrauen.
Was Logan heute so herrlich zugesagt wurde, das gilt auch dir: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Also achte dann auch darauf, dass du nicht vom Glauben abfällst, sondern dich in Buße und Vergebung übst, durch regelmäßiges Beten und Abendmahlsgang an deinen Heiland festklammerst. Er wird dich nicht zuschanden werden lassen, ganz egal, wie es jetzt in der Karoo oder auf deiner Farm oder in deinem Leben aussehen mag. Und dies darfst Du ganz bestimmt wissen: Durch den großen Mittler Jesus Christus erhört er dein Gebet ganz bestimmt, das hat er versprochen: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. (Joh 15)
Das Thema heute ist „Der Freudenmeister“ – und trotz unseres heutigen Textes, ja gerade deswegen dürfen wir entdecken, was wahre Freude ist und wo wir sie finden. In Jesus, dem Freudenmeister. Wir haben einen Gott, der hält, was er verspricht. Unbedingt. Und er will, dass du letztlich ewige Freude hast. Er ist der Freudenmeister! Gott der Herr gilt ganz zu Unrecht in der Welt und oftmals selbst in der Kirche als Spaßbremse. Liebe Gemeinde, Gott hat doch die Freude und das Lachen erfunden! Du hast einen Heiland, der bei seiner ersten Amtshandlung das Feiern und die Freude erst möglich macht, indem er Wein verschafft. Sein erstes Wunder macht eine Party möglich! Dieser dein Heiland feiert selbst so oft und ausgiebig, dass seine Feinde ihn Fresser und Weinsäufer beschimpfen! Nicht, dass er jemals zu viel trank, aber Feiern kann Jesus ganz wunderbar. Solch einen Heiland hast Du. Und wenn er dir den Himmel als große Hochzeitsfeier beschreibt, welch Freude erwartet dich dann nicht? Jetzt ist sie schon da! Sei getrost, in ihm ist Freude in allem Leide. Bekanntlich gibt es gerade in Dürrezeiten den besten Wein. Amen.
Soli Deo Gloria Pastor Dr. Karl Böhmer
2. SONNTAG NACH EPIPHANIAS (Der Freudenmeister)
Wochenspruch
Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Johannes 1, 17
Epistel
Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug. [Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.” Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.” Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.]
Römer 12, 9 – 16 [17 – 21]
Evangelium
Gottes Sohn ist kommen 73 In dir ist Freude 334 Evangelium Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten,- ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Johannes 2, 1 – 11