16. Sonntag nach Trinitatis 2024 (Der starke Trost)
Faszinierend, was in Biografien von berühmten Menschen so alles ans Licht kommt! Ein Beispiel: Albert Einstein ging in München auf die Schule. Einer seiner Lehrer sagte ihm: Albert, aus dir wird einmal überhaupt nichts. Als Albert 15 Jahre alt war, musste sein Vater Hermann Einstein den Bankrott erklären und nach Italien ziehen, um bei einem Verwandten zu arbeiten. Albert musste im Schülerheim zurückbleiben. Aber weil er so einsam war, und weil er solche Angst davor hatte, mit 16 Jahren ins Militär eingezogen werden, brach er seine Schulausbildung ab, rannte davon und erschien seinen überraschten Eltern in Italien vor der Haustür. Es ist ein Wunder, dass Albert Einstein überhaupt zum Universitätsstudium zugelassen wurde. Solche Geschichte zeigen die Menschlichkeit selbst der berühmtesten Figuren auf – dass sie eben auch ein Alltagsleben führen, das gar nicht so anders ist als unser eigenes.
Ähnlich ist es, wenn wir in 2. Kö Geschichten aus dem Leben von dem berühmten Gottesmann Elisa hören. Es herrscht Krieg, der König von Israel ist ein Götzendiener, und das ganze Land steht im Argen. Unter solchen Umständen muss Elisa Gottes Wort predigen, es steht schlimm; und trotzdem findet Elisa Freunde und Unterstützer, wohin er auch geht. Ähnlich wie Pastor Köhne früher zwischen Panbult und Newcastle pendelte, so pendelt auch Elisa zwischen dem Berg Karmel an der Küste und der Gegend von Jericho, wo das Theologische Seminar stand. Schon damals war das so, dass Pastoren eine gute Ausbildung brauchten. Heute steht manch einer auf und lässt sich Pastor nennen und meint: Ich habe keine Ausbildung und ich brauche auch keine, sondern ich habe die Berufung des Herzens – ihr Lieben, ohne ein gründliches Studium der Heiligen Schrift und der Seelsorge soll kein Mann sich ans Predigtamt wagen, und ohne Berufung schon gar nicht – immer wieder hören wir in der Schrift, welch Schaden angerichtet wird von Predigern, die dazu nicht berufen oder entsandt wurden. Es ist wahrscheinlich, dass Elisa Dozent war, Professor am Seminar, und dann auch berufener Wanderprediger des Herrn. Unterwegs übernachtet er meistens in der Stadt Schunem, wahrscheinlich in einem billigen Hotel, bis eine „große“ Dame von Schunem das merkt und den berühmten Propheten zu ihr und ihrem Mann ins Haus zum Essen einlädt. Eine „große“ Dame war sie, so heißt es – nicht groß im Sinne der Damen, die das letzte Lied an der Oper singen, sondern reich und angesehen, eine große, also wichtige Frau. Eine gottesfürchtige, tiefgläubige Frau, wie sie Spr 31 beschreiben wird: edler als die köstlichsten Perlen, ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen, versorgt ihre Familie und Bedürftige, führt vorbildlich den Haushalt, Kraft und Würde sind ihr Gewand und sie lacht des kommenden Tages, ihr Mann lobt sie.
Ihren Namen kennen wir nicht. Nur ihren Fleiß, ihre Treue und Gastfreundschaft – und den Ort, wo sie wohnt. Sie ist die Schunemiterin. Weil sie sieht, dass Elisa ein Mann Gottes ist und immer Unterkunft braucht, überzeugt sie ihren Mann, ein Zimmer anzubauen, in dem Elisa immer wohnen kann, wenn er durchkommt, mit Bett, Tisch, Stuhl und Leuchter – da kann er schlafen, sich ausruhen, lesen und studieren und sich vorbereiten. Und am Tisch mitessen und den guten Wein trinken, Shiraz wahrscheinlich, Auslese vom Jahr 853 v. Chr. Die menschliche Seite eines großen Predigers. Und da schläft einmal der Elisa, und mit ihm im Zimmer auch sein Assistent Gehasi. Elisa wacht auf und ist zutiefst dankbar für die Gastfreundschaft dieser lieben Leute und schickt Gehasi hin, um seinen Dank auszusprechen und sie zu fragen, was er ihr Gutes tun kann für den Liebesdienst. Braucht ihr Mann einen Posten beim König oder beim Militär? Nein danke, lacht sie, wir haben alles, was wir brauchen. Ihr Lieben, es sind ja oft nicht nur die Armen, sondern gerade die Wohlhabenden, die unzufrieden sind mit dem Leben, denen das Leben mehr als gut + trotzdem nicht gut genug ist. Aber die Schunemiterin ist zufrieden. Sie hat gelernt, mit Paulus zu sprechen: Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht. Oder: Die Frömmigkeit aber ist ein großer Gewinn für den, der sich genügen lässt.
Die Schunemiterin braucht nichts von Elisa. Das bedeutet nun nicht, dass sie alles hat! Kinder sind ein Geschenk von Gott. Aber sie hat keins bekommen. Trotzdem ist sie zufrieden und lebt im Dienst ihrer Mitmenschen. Elisa beschließt, vor dem Thron des größten Königs für sie zu sprechen: „Obwohl dein Mann alt ist,“ sagt er, „nächstes Jahr um diese Zeit hast du einen Sohn.“ Sie reagiert nun nicht ungläubig wie Zacharias eines Tages, sondern sie hebt ihren Finger wie zur Scheinermahnung: Mach mir nun bloß nichts vor!, sagt sie. Aber so kommt es, sie bringt einen Sohn in die Welt.
Doch dann passiert es, mitten im Alltag bricht die Tragödie herein. Als der Sohn alt genug ist, Papa draußen auf der Farm zu begleiten, da bekommt er plötzlich Sonnenstich, und der Papa schickt ihn mit Kopfschmerzen zu Mama nach Hause, und die Schunemiterin nimmt ihren Jungen auf den Schoß – aber er stirbt ihr noch am gleichen Mittag unter den Händen. Ihr Lieben, damals war es wichtig, Tote noch am gleichen Tag zu beerdigen, wenn es ging, um Verwesung in der Hitze vorzubeugen. Doch die treue Schunemiterin tut nicht, wie man sonst tut. Sie nimmt ihren toten Sohn und steigt die Treppe in Elisas Schlafzimmer und legt ihn aufs Bett und schließt ab. Sie ruft ihren Mann und sagt: Weißt du, ich will Elisa aufsuchen. Und er sagt: wieso? Heute ist doch kein Gottesdienst. Lass mich, sagt sie, ich weiß schon, was ich tu. Und reitet nach Karmel, das ist von hier bis PMB, in der gleichen Hitze auf einem Esel.
Sie ist überzeugt: Beim Gottesmann findet sie Hilfe. Als der Assistent Gehasi sie empfängt, lässt sie sich nicht abspeisen, besteht darauf, Elisa zu sehen, und als er zu ihr kommt, fällt sie nieder und umarmt seine Beine. Ein Bild der Hilflosigkeit? Nein, ein Bild des Vertrauens. Elisa wundert sich. Diesmal hat Gott ihm nichts gesagt. Elisa konnte nicht immer sehen, was in der Zukunft lag, sondern nur das, was Gott ihm zeigte. Verwundert fragt Elisa sie: Was ist denn los? Ja, sagt sie zu ihm, hab ich dir nicht gesagt: Mach mir nichts vor?! Hab ich dich gefragt um einen Sohn? Hier werden nicht nur die Eltern, sondern Elisa auf die Probe gestellt. Nun schickt er Gehasi mit seinem Stab hin, um den Jungen zum Leben aufzuerwecken. Vielleicht denkt Elisa: Ich habe zu viel zu tun, mein Assistent schafft das. Aber Gehasi schafft das nicht. Elisa selbst muss hin.
Warum hat die Schunemiterin dies getan, statt ihren Sohn zu beerdigen? Weil sie glaubt. Weil sie glaubt, dass der Herr zu seiner Verheißung stehen wird. Sie glaubt, wie ihr Stammvater Abraham geglaubt hat, als er seinen Sohn Isaak auf den Berg zum Opfer führte, dass Gott Tote auferwecken kann. Deswegen hatte sie ihren Jungen auf Elisas Bett gelegt. Und so steht uns diese Schunemiterin als leuchtendes Glaubensvorbild vor Augen. Wenn es im Heb heißt, durch den Glauben haben Frauen ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen (11,35), dann ist das ein NT-licher Hinweis auf diese treue Frau und andere wie sie. Wie Jakob spricht sie zum Mann Gottes: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Und so wird Elisa doch bewegt, selbst hinzugehen, sich nicht auf Menschen zu verlassen, sondern allein auf Gott den Herrn. Und macht sich auf.
Elisa tritt in sein Zimmer. Der tote Junge liegt auf seinem Bett. Elisa macht die Tür hinter sich zu. Nun bringt Menschenhilfe nichts mehr. Es muss ein anderer helfen. Elisa betet: Lass seine Seele wieder in den Leib kehren, Herr! Und erst dann legt er sich auf das Kind auf das Bett und wärmt den toten Leib mit seiner eigenen Körperwärme. Elisa macht sich dadurch unrein, eine ganze Woche wird er nicht unter Menschen kommen dürfen. Aber dies ist ein heiliges Werk, Elisa gibt sich alle Mühe, steigt ab, geht im Haus umher, betet fleißig weiter, legt sich wieder auf den Jungen – und der Tote atmet ein und niest siebenmal und tut seine Augen auf. Durch den Glauben hat die Schunemiterin ihren toten Sohn durch Auferstehung wiederbekommen. Und es herrscht Freude über Gottes Hilfe. Siehe, die Macht des Gebets! Siehe, die Macht des Glaubens! Siehe, die Macht Gottes, der tötet und wieder lebendig macht, wie es ihm gefällt.
Ihr Lieben, uns ist dieses Ereignis gegeben, nicht als Muster für das, was wir tun sollen, wenn wir um unsere lieben Verstorbenen trauen, als wenn wir durch den Glauben unsere Pastoren dazu bewegen sollen, es Elisa nachzumachen, um unsere Toten aufzuerwecken. Denn uns allen hat der Herr nicht auf diese gleiche Weise oder mit der gleichen Verheißung Kinder gegeben. Sondern uns ist dieses Ereignis berichtet, damit wir lernen, mit wem wir es bis heute als Kinder Gottes zu tun haben; und welche Macht er hat; und was er mit unseren lieben Verstorbenen, die in dem Herrn starben, tun wird, und mit uns auch, so wir getauft sind und im Glauben leben und sterben. Denn obwohl wir nicht immer Gottesmännern Gastfreundschaft zeigen können, so haben wir doch den rechten und größeren Gottesmann, der gern und gnädig bei uns einkehrt.
Der Herr Jesus hat selbst auch eine allzu menschliche Seite wie die berühmtesten Figuren heute, hat sich nicht gescheut, ein Alltagsleben zu führen, hat gegessen und wurde müde, hat geschlafen und sich gefreut und gelacht und geweint und getrauert wie jeder Mensch auch. Und dennoch ist und bleibt er der Knecht Gottes, der wahre Gottesmann aller Zeiten, der selbst Menschen zum Leben auferweckt hat – die Tochter des Jairus, den Jüngling zu Nain, seinen Freund Lazarus – und dazu musste er nicht erst beten oder lange warten, wie Elisa, sondern sprach selbst das Machtwort der Liebe und des Lebens, und auch die Toten müssen hören und gehorchen. Er, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. Und so können wir Böses und Gutes aus seiner Hand empfangen und trotzdem im Glauben zufrieden bleiben, herzlich zu ihm beten. Denn er ist nicht nur der große Prediger und Menschenfreund, sondern der Herr über den Tod und unser starker Trost; er ist in unserm Alltag zu Hause, bewegt uns von Ärger zur Zufriedenheit, von Hilflosigkeit zum Vertrauen, vom Tode zum Leben. Amen.
Wochenspruch
Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.
2. Timotheus 1, 10b
Introitus – Nr. 57 (Psalm 16, 10 – 11; Psalm 30, 2)
Epistel
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
2. Timotheus 1, 7 – 10
Hauptlied
O Tod, wo ist dein Stachel nun 188
Was mein Gott will, das gscheh allzeit 335
Evangelium
Es lag einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta. Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank. Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank. Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen. Betanien aber war nahe bei Jerusalem, etwa eine halbe Stunde entfernt. Und viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, sie zu trösten wegen ihres Bruders. Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. [Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umher steht, sage ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen! Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.]
Johannes 11, 1 – 3 u 17 – 27 [41 – 45]
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Ps 145,15
Wochenpsalm: Ps 104
Eingangspsalm: Ps 145,15
Epistel: 2. Kor 9,6-15
Evangelium: Lk 12,(13-14) 15-21
Predigttext: Jes 58,7-12
Wochenlied: 324 und 502
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Lk 12,(13-14) 15-21
II: 2. Kor 9,6-15
III: Jes 58,7-12
IV: 1. Tim 4,4-5
V: Mt 6,19-23
VI: Hebr 13,15-16