Tag der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis) – 2020

Predigt zu Tag der Heiligen Dreifaltigkeit Trinitatis, den 7. Juni 2020 | Christusgemeinde Kirchdorf 

  1. Mose 6,22-27 I.i.

22Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24Der HERR segne dich und behüte dich; 25der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Menschen brauchen andere Menschen. Menschen brauchen Kontakt zu Menschen, so sind wir geschaffen. Schon Babys sind darauf angewiesen, dass sie im Gesicht der Eltern, im Hautkontakt, in der Umarmung lesen können: „Alles ist gut. Ich habe dich lieb. Du bist wunderbar.“ Kinder, die das nicht erfahren, leiden ihr Leben lang an den Folgen. Denn es ist ein Grundbedürfnis, Gemeinschaft mit anderen zu erfahren und zu erleben, dass andere mich annehmen, mich lieben und mich wertschätzen. Umso ernster sollten wir es nehmen, dass Menschen sich zurzeit immer einsamer fühlen. Und das Internet und FaceTime und Facebook und WhatsApp und all diese Dinge erfüllen das Bedürfnis nach echter Gemeinschaft nicht wirklich, können es sogar schlimmer machen. Die Kontaktbeschränkungen unserer Tage verschärfen dieses Problem. Viele von uns sehen ganz selten andere Menschen – und wenn, dann auch nur auf Abstand und hinter Masken. Wie schön wäre es doch, wieder einmal in die Arme genommen zu werden, mit vielen anderen zusammen zu feiern und gemeinschaftlich – Mensch neben Mensch – hier am Altar zu knien!

Wenn in der Bibel von Segen und Fluch die Rede ist, dann geht es auch immer um eine Beziehung. Denn so wie der Mensch den anderen Menschen braucht, um zu leben und zu überleben, so haben Menschen es auch nötig, dass Gott sich ihnen zuwendet. Wir brauchen das, wir sind als Geschöpfe so vorprogrammiert, auf Gott gerichtet – und darum ist ein Leben ohne Gott so leer. Wer ohne Gott ist, dem fehlt etwas ganz Wesentliches. Der ist einsam, der fühlt das Gleiche, das wir empfinden, wenn wir andere Menschen vermissen. Dem Leben fehlt seine Mitte. Menschen können ohne Gott nicht leben. Und darum, so macht es die Bibel deutlich, erfahren alle Menschen, solange sie leben, ob sie es wissen oder nicht, immer wieder Gottes Segen. Ohne Gottes Fürsorge und Nähe wäre Leben gar nicht möglich. Und so erfahren alle Menschen – ob sie es glauben oder nicht – Tag für Tag Gottes Segen: wenn sie aufstehen, essen, trinken, Sonne oder Regen erfahren, ein freundliches Wort hören und sich geliebt wissen. Gott durchbricht die Einsamkeit und Gott-Losigkeit der Menschen, indem er ihnen all das schenkt.

Aber letztlich und erstlich brauchen wir Menschen nicht nur Gottes Gaben, wir brauchen ihn, Gott selbst. Das alles nennt die Bibel Segen. Segen hat also damit zu tun, wie Gott zu mir steht. Und das gilt auch für den aaronitischen Segen in unserem Predigttext, den wir am Ende jedes Gottesdienstes empfangen. Segen, das ist kein magischer Trick, keine Zauberformel von Glück und Erfolg und Gesundheit usw., sondern wenn Gott segnet, dann heißt das, Gott tritt in unsere Mitte, geht mit uns, ist uns ganz nah, er belebt unser Leben und begleitet uns auf unserem Weg. Aber dies soll kein einseitiges Verhältnis, sondern ein Miteinander sein, Gott mit uns und wir mit ihm. Und wie sieht das aus? Im Griechischen und Hebräischen ist das Wort für „Loben“ und „Segnen“ dasselbe. Wo Gott Menschen segnet, entsteht ein Verhältnis. Und wo Menschen Gott für das loben, was er Tag für Tag an Gutem tut, da kommt die richtige Antwort, da entsteht ein Verhältnis. Das alte Wort „benedeien“ in unserer Liturgie sagt genau das: „wir loben dich, wir benedeien dich, wir sagen dir Dank…“ Gott segnet uns, wir loben ihn, und dieses Miteinander geht mit uns in den Alltag, da ist Verhältnis, da werden Einsamkeit und Verlassenheit überwunden.

Am Segen können wir das wunderbar sehen. Als Gott der Herr sein Volk aus Ägypten führt, verspricht er: An jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen. Der Segen in unserm Text ist die Erfüllung. Von vornherein also wird Gottes Segen mit seiner Gegenwart verbunden. Ohne Gott gibt es keinen Segen. Heutzutage spricht man in SA z.B. nicht mehr von „sugardaddy“, sondern von „blesser“ – wer aber so Segen ohne Gott sucht, der erntet Fluch. Wenn Gott der Herr nun den Priestern sagt, im Gottesdienst sein Volk zu segnen, dann erklärt er selbst das so: … ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. Der Pastor also legt Gottes dreifachen Namen auf Gottes Volk; wo sein Name ist, da ist Gott, und mit dem Namen und der Gegenwart Gottes kommt der Segen. So ist es doch, ein gemeinsamer Name schafft Verbundenheit: Daher die alte Sitte, dass bei der Trauung die Braut den Namen des Mannes annimmt, da ist Verbundenheit. So heißt das alte Kings Park jetzt „Jonsson Kings Park“, das Stadion wird nach dem Sponsor benannt in der Hoffnung, dass die Sharks Fans in Dankbarkeit und Verbundenheit nun alle auch schön brav und bieder Jonssons Workwear tragen. Warum heißen wir Christen? Wir tragen einen gemeinsamen Namen – nämlich den von Jesus Christus und wissen uns gerade so auch untereinander verbunden.

Das also passiert beim Segnen: Gott verbindet sich mit den Menschen, die er segnet bzw. segnen lässt. Zwischen ihn und die Gesegneten passt kein Blatt Papier mehr. Und deswegen ist es auch so schön, wenn beim Segnen die Hände aufgelegt werden. Da wird deutlich: So nah wie die Hand ist Gott dir – und noch näher. Gott geht mit. Niemals bist du allein, wenn du gesegnet bist. Wenn der Pastor dich segnet, dann passiert was mit dir. Die Worte des Segens tun was, erreichen was, verändern was; sowie in der Trauung sich das Leben zweier Menschen ändert wenn der Pastor sagt: So spreche ich euch nun ehelich zusammen – vor den Worten waren sie unverheiratet, jetzt gibt es eine Ehe – so auch beim Segen, hier passiert was, Gott tut etwas. Erstens kommt mit dem Segen Gottes Schutz – der Herr behüte dich, heißt es, und das tut Gott, er behütet dich, er ist bei dir, weil deine Sünden vergeben sind, weil dein Leib sein Tempel ist, er wohnt in dir und behütet dich.

Zweitens lässt er „sein Angesicht über dir leuchten“. Wir wissen es: Ob Menschen sich allein fühlen oder nicht hat nichts damit zu tun, wie viele Menschen um sie herum sind. Ich kann im Spar stehen und mich doch furchtbar allein fühlen, weil niemand mich ansieht und keiner für mich da ist. Wenn meine Familie mich nicht versteht, dann werde ich mich einsam fühlen. Echte Gemeinschaft entsteht eben da, wo Menschen einander freundlich begegnen, wo die Gesichter strahlen und ich an der Reaktion der anderen entdecken kann: Die mögen mich, die schätzen mich, die haben mich gern. Und genau das sagt Gott uns hier im Segen zu: Ich strahle euch an. Mit aller Freude und Lebensfülle. Wir sind bei Gott „angesehene Leute“! Der Herr „hebe sein Angesicht auf dich“. Gott widmet dir seine Aufmerksamkeit. Ich sehe euch, ihr dürft mir begegnen. Ihr braucht euch nicht zu schämen, nicht ängstlich um die Ecke schauen, wie ich’s wohl mit euch meine, sondern ich strahle euch mit meinem Angesicht an.

Drittens schenkt Gott uns seinen Frieden. Wahren Frieden kann nur Christus schenken. Wo zwischen uns Menschen und Gott Zank und Streit, Ablehnung und Hass war oder ist, da kommt Jesus Christus. „Denn er ist unser Friede, der… den Zaun [zwischen  Gott und uns] abgebrochen hat…, nämlich die Feindschaft.“ Durch das Opfer seines Leibes am Kreuz tötet Jesus die Feindschaft zwischen Gott und uns, er ist unser Friede, Gott kommt uns ganz nah. In Christus ist Gott zum Segen in Person geworden. Kranke werden heil. Hungrige bekommen Essen. Ausgestoßene finden zurück in die Gemeinschaft. Gottes Vergebung fließt in dich und durch dich in dein Leben; wo du sie austeilst, da werden Verhältnisse wieder heil und gesund. Gute Verhältnisse kann es nur dort geben, wo das, was zwischen Menschen steht, weggeräumt wird. Wo Streit geschlichtet wird, wo Kaputtes heil wird, wo kranke Verhältnisse wieder gesund werden. Das hebräische Wort „Schalom“, das hier steht, bedeutet genau das. Nicht nur, dass Zank und Streit ein Ende haben, sondern dass das Zerbrochene wieder heil wird, dass Menschen, die sich abgeschrieben hatten, sich umarmen, dass die wieder aufeinander zugehen, die sich immer aus dem Weg gegangen sind. Gottes Segen ist total wichtig, stiftet Frieden, damit wir auch in Frieden mit anderen leben.

Den Segen hole ich im Gottesdienst ab. Wichtig bei dem allen ist, dass wir als Kirche nicht gutheißen und ich als Pastor nicht segnen darf, was von Gott verboten wird. Bei einer Trauung darf und soll ich dem Paar Gottes Segen spenden, weil die Ehe dem Willen Gottes entspricht. Aber ich darf z.B. keine homosexuelle Partnerschaft segnen, weil sie Gottes Wort und Willen widerspricht. Die Kirche hat auch z.B. kein Recht, Gottes Namen zu ändern, Christen im Namen der „Gott Mutter“ o.ä. zu segnen – das wäre ein Verstoß gegen das 2. Gebot und ein Missbrauch des Segens. Ein Segen darf nicht im Widerspruch zu Gottes Wort stehen. Dafür gibt es mehrere gute und richtige Weisen, zu segnen. Ein Pastor darf beim Hausbesuch oder im Krankenhaus oder Kinder am Altar die Hände auflegen und sie segnen. Es ist gut, den alten Brauch zu pflegen, den Pastor zu bitten, beim Einzug in ein neues Haus den Haussegen zu sprechen. Wir sehen in der Schrift, wie Menschen im Alltag sich Gottes Segen zusprechen – sie grüßen sich „Friede sei mit dir“, da wird Gottes Friede zugesprochen. Das ist gut und richtig. Auch ihr dürft euch gegenseitig so grüßen oder einfach sagen: „Gott segne dich“. Wunderbar. Und Eltern dürfen ihre Kinder segnen. Das sehen wir wiederholt in der Bibel. Ich weiß es noch, am Tage, als ich das Elternhaus verließ, nahm mein Vater mich beiseite und segnete mich. Das bedeutet mir bis heute sehr viel.

Wenn Segen nun aber mit Gottes Gegenwart verbunden ist, und Gott überall ist, warum gibt es den Segen in jedem Gottesdienst, immer wieder? Ist Gott denn manchmal nicht bei uns gegenwärtig? Da denke ich an die Geschichte, da sagt eine Frau zu ihrem Mann: „Früher hast du mir gesagt, ich habe dich lieb, warum sagst du mir das nie mehr?“ Darauf antwortet der Mann: „Ich hab es dir bei unserer Hochzeit gesagt, das gilt; ich melde mich, wenn sich was ändert.“ Nein, das ist keine gute Voraussetzung für eine glückliche und gesunde Ehe. Die Ehe lebt davon, dass man sich immer wieder zeigt, dass man sich liebhat, mit Wort und Tat. Denn die Ehe ist ein Verhältnis. So ist es auch zwischen Gott dem Herrn und uns. Auch da leben wir einem Verhältnis. Und da brauchen wir Menschen es immer wieder, dass Gott uns segnet, uns begegnet, uns ausdrücklich seine gnädige Gegenwart und Gaben zusagt. Darum hat er das auch so angeordnet, dass der Segen schon seit Jahrtausenden zum Gottesdienst gehört.

Wir Christen haben als Menschen auch oft das Problem, dass wir den Segen nicht wahrnehmen können. Weil Gott uns so reichlich mit seinem Segen beschenkt, ist er für uns so normal geworden, dass wir ihn kaum noch beachten. Auch ein Kind wird seinen Eltern später nicht danken und sagen: Das war so wunderbar, dass ihr mich von früh an immer angestrahlt habt, wenn ihr mich gesehen habt. Das hat meiner psychischen Gesundheit gutgetan! Nein, das ist selbstverständlich – so scheint es – und wird eigentlich erst dann erkennbar, wenn es fehlt.

So ist es auch mit Gottes Segen. Deswegen lohnt es sich, diesen Segen wieder sichtbar, greifbar zumachen. Da können wir uns beim Segen z.B. das Zeichen des Kreuzes – wie bei der Taufe – auf der Stirn oder Brust nachzeichnen. Sonst kann man einfach die Hand auf den Oberkörper legen oder sich verneigen, wie die Kinder das im 2. Gottesdienst tun. Und wenn ihr euch zu Hause einsam fühlt, dann wiederholt diese Geste. Und ihr dürft wissen: So nah wie euch diese Berührung ist, so nah ist euch Gott. Das gilt durch seinen Segen. Dankt Gott für seinen Segen im Gebet, stellt fest, lasst eure Augen öffnen für Gottes Segen in eurem Leben.

Segnen auf der einen Seite und Loben und Danken auf der anderen gehören biblisch unmittelbar zusammen. Wo Gott segnet, entstehen Beziehung, Gemeinschaft, Leben und Lebensfreude. Dafür loben wir ihn und lieben andere. Gott segne Euch! Gott sei Lob und Dank! Amen.

Soli Deo Gloria

Pastor Dr. Karl Böhmer


Tag der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis)

Wochenspruch
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner
Ehre voll. Jesaja 6, 3

Introitus – Nr. 41 (Psalm 145, 1 u 3)

Epistel

O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn „wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?” Oder „wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste?” Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Römer 11, 33 – 36

Hauptlied
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist 217
Gelobet sei der Herr 228

Evangelium

Es war ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm:Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, 1 – 15