Jubilate (Die neue Schöpfung) – 2022

Entsinnt ihr euch noch? Das Fiebern, das Bangen, die Vorfreude, die Spannung: Das Finale im RWC 2019, England gegen Südafrika.

Gleich zu Anfang vom RWC hatte Südafrika gegen Neuseeland verloren, die Chancen standen schlecht, kaum einer glaubte, dass die Springboks diese Niederlage verkraften könnten, und dann erreichen die Boks den zweiten Platz in ihrem Pool, schaffen es unerwartet doch ins Finale, und dann das Spiel gegen England… ein zähes Ringen, die England-Fans singen, ein Penalty nach dem andern, die Punkte steigen jeweils mit dreien, Pollard gegen Farrell, England kämpft verbissen, als plötzlich in der 66. Minute Lukhanyo Am den Durchbruch schafft und den Ball an Makazole Mapimpi abgibt und – Try! Eine Try im RWC Finale, gibt es das? Und dann – unglaublich – Cheslin Kolbe rennt in der 74. Minute den englischen Verteidigern davon und schafft noch eine Try! Und Südafrika – feiert, Jubel, Jubel auf den Straßen, alle tragen grün, überall Jubel und Feier und Lachen und Freude.

Aber von all dem Jubel und der Freude ist nichts mehr geblieben als eine Erinnerung, die die Zeit fast wieder verdrängt hat. Heute sind wir auch zum Jubeln in die Kirche gekommen: „Jubilate“ – „Jubelt!“, so heißt dieser Sonntag. Und nun der Unterschied! Während der Gewinn einer RWC eher selten vorkommt, kommt der Sonntag Jubilate jedes Jahr – und das, was er uns bejubeln lässt, das vergeht nicht wie der Nebel vor der Sonne und verschwindet nach ein paar Wochen und Monaten wieder, sondern bleibt und hat Bestand von einem Jahr bis zum nächsten – ja, bis ans Ende der Welt. Klar, wir jubeln hier in der Kirche anders als im Rugbystadion. Das hat damit zu tun, dass es bei unserem Jubel um mehr geht als bloß um spontane, schnell vergängliche Gefühle. Wenn wir die Lesungen des heutigen Sonntags hören, zeigt uns die Schrift, wie viel Grund wir zum Jubel haben, dann könnte es eben doch sein, dass wir auch heute aus der Kirche herausgehen in einer Stimmung, die sich von der in der Nacht nach dem Mapimpi’s und Kolbe’s Tries vielleicht doch gar nicht so sehr unterscheidet.

Aus der Schöpfungsgeschichte hören wir heute. Und es wird deutlich, wieviel Grund wir zum Jubeln haben.

Jubel Nr. 1: Gott der Herr, Herrscher des Universums, hat diese Welt gewollt. Die Welt, in der wir leben, ist nicht zufällig da. Sie entstand nicht als allerunwahrscheinlichstes Zufallsphänomen. Gott lässt sich nicht überraschen. Er hat berechnend seinen Willen in die Tat umgesetzt. Er braucht nicht erst Fehler zu machen, um dann aus Fehlern zu lernen. Gott der Herr macht keine halbe Arbeit. Nein, was Gott tut, das ist wohlgetan. Die Tatsache, dass es euch gibt, ist ebenfalls kein Zufall, kein Versehen, kein Fehler, sondern durchdacht, Gott hat dich gewollt, darum bist du hier. In der Welt, in der wir leben, haben wir es auch nicht mit unbändigen und wildgewordenen Mächten einer Chaosexistenz zu tun, nicht mit sinn- und seelenlosen „Naturmächten“, Lasten, Kräften, Gesetzen, mit denen wir nun irgendwie selbst fertigwerden müssen. Sondern das Leben ist ein Geschenk, etwas Gewolltes, etwas, das durch Gottes machtvolles Reden willentlich bewirkt wurde. Und deswegen verdanken wir ihm unser Dasein in dieser Welt. Die Schöpfung der Welt zeugt von einem mächtigen Gott, der alle Widerstände bricht, um seinen Willen durchzusetzen. Du bist noch nie einem zufällig lebenden Menschen begegnet. Hinter der Welt und in der Welt steht Gottes gütiges, liebreiches Wollen. Unsere ganze Existenz ist ein Wunder Gottes. In jeder Zelle jedes Wesens ist sein Wille als genetischer Code aufgeschrieben. Es bedarf schon eines sehr festen Glaubens, um zu behaupten, dass dahinter kein Bauplan eines Schöpfers steht.

Daran hat der Sündenfall nichts geändert. Ja, der Mensch war ungehorsam. Er hat Zerstörung in die Welt gebracht. Als Folge seiner Sünde. Es gibt wegen der Taten der Menschen Tod in dieser Welt, Krankheit, Elend, Leid, Schmerz, Trauer, Sorge, Angst und Not. Aber seht, Gott der Herr hatte nach dem Umgehorsam Adams und Evas die Gelegenheit, seine Entscheidung zurückzunehmen, die Welt wieder zu zerstören. Die Geschichte der Sintflut macht das deutlich. Aber der Herr hat es nicht getan. Er hat beschlossen, die Welt zu retten. Und das bedeutet, dass es aus Gottes Sicht besser ist, dass es diese Welt gibt, als dass es sie nicht gäbe. Es bedeutet, dass der Herr diese Welt nicht dem Chaos überlassen hat, sondern dass er seinen guten, gnädigen Willen immer noch durchsetzen wird. Wenn du keinen Sinn mehr in deinem Leben erkennst, so wisse: Auch dich hat Gott gewollt. Die Mächte des Bösen und alle scheinbare Sinnlosigkeit hat er überwunden und wird er überwinden.

Jubel Nr. 2: Gott der Herr, Herrscher des Universums, hat diese Welt geordnet. Die Zeitordnung in dieser Welt ist kein Zufall. Die Tage der Welt und deines Lebens gehen nicht einfach nur sinnlos und ziellos ins Land. So auch die Zeit und die Zeitordnung der Welt. Wo kommt z.B. die 7-Tage-Woche her? Ja, so rätselt man, das haben sich die alten Mesopotamier wohl von den Sternen abgeguckt. Aber das ist keine Antwort. Denn wenn man die Zeitordnung der Sterne beobachtet, dann kommt man auf einen Monatszyklus von genau 29.53 Tagen. Wie ergibt sich aus einem Monat von 29.53 Tagen ein Wochenrhythmus von 7? Die Tatsache ist, dass Menschen immer wieder versucht haben, die Woche neu zu erfinden. Die alten Ägypter versuchten es mit einer 10-Tage-Woche. Während der französischen Revolution versuchte man in Frankreich das gleiche. In der Sowjetunion versuchte man es erst mit einer 5-Tage-Woche, und dann mit einer 6-Tage-Woche. Immer wieder scheiterten diese Versuche. Jedes große Reich der Welt kam früher oder später auf die 7-Tage-Woche und blieb dabei. Das spiegelt wieder, was der Herr in seinem Wort über den Lebensrhythmus der Welt und über unser Leben sagt. Gott der Herr hat die Woche eingerichtet und damit auch den Ruhetag. In seiner Fürsorge für uns will Gott nicht, dass wir uns durch ständiges Arbeiten kaputtmachen, sondern er weiß genau, wie wichtig es ist, dass wir Gelegenheit bekommen, durchzuatmen und in ihm zu ruhen. Lasst uns diese Ruhe von keinem Leistungsdruck kaputtmachen. Gottes Segen ruht auf der 7-Tage Woche. Da wollen wir nicht zulassen, dass uns jemand diesen Segen raubt.

Jubel Nr. 3: Gott der Herr hat beschlossen und begonnen, diese Welt neu zu machen. Diesen Neuanfang hat er mit Jesus Christus gemacht. Jesus ist der, der aus dem Tod auferstanden ist und für immer lebt. Für ihn gilt keine Krankheit, mehr, kein Altwerden, Elend, Leid, Schmerz, Trauer, Sorge, Angst, Not oder Tod, sondern ewige Herrlichkeit und Glanz und Freude und Jubel und Sieg und Leben, ewiges Leben. Mit Jesus Christus hat deswegen auch eine neue Zeitordnung begonnen. Der Sonntag ist sozusagen der 8. Tag der Woche, der Tag der neuen Schöpfung, der noch über die Ruhe am Ende der alten Schöpfung hinausführt. Und das ist gute Nachricht! Denn am Ostermorgen ist nicht bloß ein einzelner Mensch aus dem Tod auferstanden, sondern mit seiner Auferstehung hat die neue Schöpfung begonnen, die nicht mehr der Vergänglichkeit unterworfen ist. Darum hat das Thema Schöpfung in der Osterzeit seinen guten und besonderen Platz, eben weil mit Ostern die neue Schöpfung begonnen hat. Darum sind wir mit unseren Gottesdiensten als Christen einen Tag weiter, blicken schon weiter nach vorne, bedenken, dass diese Schöpfung, die wir jetzt erleben, nicht alles ist. Seit unserer Taufe sind auch wir neue Schöpfung, haben schon an dieser neuen Welt Anteil, die Christus mit seiner Auferstehung eröffnet hat. Ja, unser Körper und nicht weniger unsere Seele sind noch Teil dieser alten, vergehenden Welt; sie sind weiter auf Ruhe angewiesen. Aber zugleich erhalten unser Körper und unsere Seele sonntags im Gottesdienst immer schon Anteil an der neuen Welt Gottes, am Heilmittel des ewigen Lebens.

Und genau darum ist dieser Gottesdienst eine einzige große Siegesfeier: Das beginnt allein schon damit, dass ihr hier heute Morgen überhaupt aufgetaucht seid. Das habt ihr nicht aus euch selber getan, das habt ihr getan, weil ihr in der Kraft eures Herrn euren inneren Faulpelz überwunden habt, euch auf den Weg gemacht habt, um hier mit dem Herrn der neuen Schöpfung Jesus Christus zusammen zu sein. Da musste der Teufel auch heute Morgen wieder zähneknirschend wie England 2019 seine Niederlage eingestehen, als ihr durch diese Kirchentür eingetreten seid. Und nun muss der Teufel ohnmächtig zugucken, wie Christus euch jetzt gleich wieder im Heiligen Mahl mit dem Heilmittel gegen den ewigen Tod, mit seinem Leib und Blut, versorgt, er muss ohnmächtig zusehen, wie Gott dadurch alles von euch nimmt, was euch einmal für immer von ihm trennen könnte. Wenn wir hier Gottesdienst feiern, dann sind wir schon umgeben von dem Jubel, der nie mehr enden wird, von dem Jubel aller Heiligen und Vollendeten vor dem Thron Gottes, die nun endgültig nichts mehr von Gott wegziehen und trennen kann. Sing darum nun gleich fröhlich mit, wenn wir das Abendmahl feiern, jubele und feiere deinen Herrn, den Sieger im wichtigsten Kampf deines Lebens, jubele und feiere seinen Sieg und lass diese Freude auch weiter dein Leben bestimmen. Lass dich nicht mehr unterkriegen von dem, was dich von dieser Siegesfeier abhalten könnte, bleibe an Christus, deinem Herrn! Denn genau das ist doch die Bestimmung deines Lebens, der Sinn deines Lebens, das Ziel deines Lebens, dazu hat er dich erschaffen und erwählt und errettet und erlöst, dass du dich für immer freuen darfst, dass du für immer feiern und jubeln darfst in der neuen Schöpfung mit Christus, deinem Herrn, wo es Gelegenheiten geben wird und Tiefe und Weite und Augenblicke und Anblicke und unendliche Möglichkeiten und Staunen, Staunen, Dinge, von denen nicht einmal ein Elon Musk träumen kann. Und standen die Chancen auch noch so schlecht, dein Jesus siegt, ihm liegt zu Füßen, was dir das Leben rauben kann, singe es immer wieder fröhlich als ein Christ, denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat! Amen!


JUBILATE

(Die neue Schöpfung)

Wochenspruch

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2. Korinther 5, 17

Epistel

Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1. Johannes 5, 1 – 4

Hauptlied

Mit Freuden zart zu dieser Fahrt 187
Nun jauchzt dem Herren, alle Welt 1

Evangelium

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Johannes 15, 1 – 8

Als Sonntage der Osterzeit werden in unterschiedlicher Zählung der christlichen Konfessionen die Sonntage zwischen Ostern und Pfingsten bezeichnet.