Du hast gute Laune. Du schaltest das Hi-Fi an und legst deine Lieblingsmusik auf.
Plötzlich fährt dir ein Schreck in die Knochen und du wirst blitzartig zum Zappelakrobaten – da hat die letzte Person die Lautstärke viel zu laut aufgedreht und deine Ohrtrommeln beschweren sich über den Schwall und du musst auf der Stelle leise machen, denn es ist einfach zu viel und zu laut, deine Ohren schallen und können es nicht ertragen. … Du stehst draußen im Sonnenschein, als dir plötzlich aus dem Nichts ein Düsenflugzeug über den Kopf saust, und dein Blick geht unfreiwillig nach oben und du siehst aus Versehen direkt in die sengende Sonne – und du schließt die Augen und schüttelst den Kopf, denn es ist einfach zu viel und zu grell und das Bild der Sonne auf der Retina überlagert deine Sicht und du kannst nichts mehr sehen.
Das erleben Gottes Kinder zweimal, als das Gesetz Gottes, die 10 Gebote, gegeben werden. Als Gott selbst die 10 Gebote spricht, heißt es: „Und alles Volk wurde Zeuge von dem Donner und dem Blitz und dem Ton der Posaune und dem Rauchen des Berges. Als sie aber solches sahen, flohen sie und blieben in der Ferne stehen und sprachen zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen hören; aber lass Gott nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben.“ (2. Mo 20) Denn es ist einfach zu viel und zu laut und ihre Ohren schallen und sie können es nicht ertragen… Und wieder: Mose steigt vom Berg Sinai herab mit den Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und weiß nicht, dass er anders aussieht als vorher. [30f.] Die Haut von Moses Gesicht glänzt und leuchtet so hell, dass die Menschen die Angst packt, es ist einfach zu viel und zu grell und sie können’s nicht ertragen, müssen sich umdrehen. Gottes Erscheinung überwältigt die Sinne des Menschen, Mose muss vermitteln, damit das Volk Gottes Wort ertragen kann. Als Mose bittet, Gottes Herrlichkeit zu sehen, geht Gott an ihm vorüber, aber er hält seine Hand über Mose bis er vorübergegangen ist, und Mose darf Gott nur hinterher sehen, denn es ist einfach zu viel und der Mensch erträgt es nicht. Und als Mose von dieser Begegnung zurückkommt, leuchtet sein eigenes Gesicht so grell, dass ihm keiner nahekommen kann.
Wenn das alles schon zutrifft auf Gottes Stimme und Gottes Begleiterscheinungen, sogar auf einen Menschen, der diese Dinge gesehen hat, wie muss es sein, Gott selbst in seiner vollen Herrlichkeit zu sehen? Gott der Herr sagt: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ (2. Mo 33,20) Für den Rest seines Lebens muss Mose sein eigenes Gesicht verdecken, weil die Menschen schon den Abglanz, die Wiederspiegelung von Gottes abgeschwächter Herrlichkeit nicht ertragen können. Nur wenn Mose vor die Bundeslade tritt und ehrfurchtsvoll mit Gott redet, nur dann legt er die Decke ab. Nach dem Gespräch legt er sie aber wieder auf, um mit Gottes Volk zu reden, ohne dass sie sich die Augen zuhalten und davonlaufen, weil sie nicht einmal den Mittler Gottes ansehen und das Glänzen seiner Haut ertragen können, denn es ist einfach zu viel.
Was für ein Prophet ist das, der Gottes Herrlichkeit hinter einer Decke verbirgt? Ja, was für ein Gott ist das eigentlich, der sogar den Abglanz seiner Herrlichkeit verdecken lässt? Das muss man sich klarmachen: Gott der Herr ist seinem Volk nie wieder so wie auf dem Berg Sinai begegnet. Als Mose die Gesetzestafeln mitbringt und sie in die neue Bundeslade legt und diese in den neuen Zelt-Tempel, in die Stiftshütte stellt, zieht Gott der Herr mit. Vorher redete Gott mit Mose auf dem Berg in seiner Herrlichkeit, sodass alle es hören konnten. Nun redet er nur noch in der Stiftshütte hinter dem Vorhang, und nur Mose darf ihn hören. Vorher zeigte sich Gott Mose auf dem Berg in seiner Herrlichkeit, sodass alle es an dem Dampf und dem Rauch und dem Beben und den Blitzen und dem Donnern merkten. Nun erscheint der Herr nur noch im Allerheiligsten, hinter einem Vorhang, den nur Mose betreten darf. Und selbst dann verbirgt Mose Gottes Herrlichkeit auf seiner Haut hinter einer Decke. Da hat Gott der Herr sich verborgen, sich versteckt. Ab jetzt hört Gottes Volk sein Wort nur noch durch Mose, Gottes Herrlichkeit aber sieht es überhaupt nicht mehr. Gott der Herr hat sich verborgen. Nun schweigt er oft und lange, wenn Menschen ihn suchen, und er wirkt unscheinbar und auf verborgene Weise.
Gott hinter der Decke… Wie oft würden wir nicht gern die Decke wegreißen? Wie oft sind wir nicht krampfhaft auf der Suche nach einer bestimmten Antwort von Gott, beten wiederholt und lange und erhalten nicht die Fügung, nach der wir schmachten, wie oft wünschen wir nicht, dass Gott endlich sichtbar eingreift und die Dinge besser regelt? Wir empfinden Gottes Handeln als entschieden zu wenig. Scheinbar bleibt alles beim Alten, wir erleben Schwäche und Mangel und Not und wir leiden. Und wir suchen Gott und finden ihn nicht. Das ist uns entschieden zu wenig! Wir sehnen uns nach einem Gott, der krachend in die Geschehnisse der Menschen eingreift, der für Recht und Ordnung sorgt. Wir sehnen uns nach Sicherheit, aber die Polizei bessert sich nicht, wir sehnen uns nach Genesung oder Erleichterung der Umstände und empfangen sie nicht, wir sehnen uns nach Gerechtigkeit, nachdem die Zondo Commission wieder mal aufgedeckt hat, was alles an Korruption in unserm Land läuft, aber es kommt nicht zur Schuldigsprechung im Gericht. Es ist uns einfach zu wenig! Wo ist Gott? Verborgen; er versteckt sich, seine Herrlichkeit sehen wir nicht, und zu unseren Anliegen meldet er sich nicht, sondern er schweigt. Er entzieht sich unserer Vernunft und lässt sich nicht messen nach unseren Vorstellungen. Gott bleibt uns ein Enigma. Er sagt z.B.: „Ich bin der Herr und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut.“ (Jes 45,6b-7), sodass der Prophet Jesaja staunend ausruft: „Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland.“ (Jes 45,15)
So ist es. Gott versteckt sich. Wenn wir Gott nicht finden können, dann deshalb, weil er so nicht gefunden werden will und sich buchstäblich vor den Suchenden versteckt. Der wahre Gott ist lebendig, persönlich und furchterregend, weil er außerhalb unserer Kontrolle und Einschätzung ist und sich unserem Denken und unseren Sinnen regelrecht enzieht. Damit zeigt er, dass er eben Gott ist, und wir nicht. Gott tut aber auch etwas mit uns, indem er sich versteckt. Warum versteckt man sich überhaupt? Natürlich versteckt man sich zunächst, um nicht entdeckt zu werden. Wenn Kinder z.B. Verstecken spielen, dann verstecken sie sich, um an einem Ort nicht gefunden zu werden, aber um später, wenn es sicher ist, zu rufen „Hier bin ich!“ und sich zu zeigen. Das Spiel hätte keinen Sinn, wenn es das Ziel wäre, für immer unentdeckt zu bleiben. Gottes Verstecken ist nicht viel anders, auch wenn das kein Spiel ist, sondern heiliger Ernst, wo es um Leben und Tod geht. Gott versteckt sich, um dort nicht gefunden zu werden, wo man ihn vermutet, und er offenbart sich dort, wo er nicht gesucht wird. Ganz paradox ist das. Aber stellen wir mal die Frage: wer hat sich denn zuerst versteckt? Dann lautet die Antwort: Der Mensch, und zwar schon im Paradies, als Adam und Eva sich vor Gott versteckten, weil sie sich über ihre Sünde schämten. So ist es: Sünde hat den Menschen von Gott und seiner Herrlichkeit getrennt, und solange es die Sünde gibt, trennt sie Gott auch von uns. Für den Sünder bedeutet Gottes Herrlichkeit und Heiligkeit den ewigen Tod und die ewige Verdammnis. Gott verbirgt sich vor uns, um uns zu schützen, wie ja auch deutlich wird aus seinem Handeln am Berg Sinai.
Gleichzeitig verbirgt Gott sich vor uns, damit wir ihn zu seinen Bedingungen suchen sollen. Das Leben des Christen ist nicht ein Leben der Herrlichkeit oder der Macht, als wenn es unser Recht ist, dass es uns immer gutgeht und wir immer gesund bleiben und unsere Lieben nie sterben und unser Land perfekt stabil sein muss. Nein, gerade diese Dinge treiben und drängen uns dazu, dass wir Gott suchen. Das ist das Wesen des Glaubens, dass er Gott sucht. Das lehrt uns auch der liebe Herr Jesus und verspricht: Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (Mt 7,8)
So gibt er auch die Verheißung, dass er sich finden lassen will. Nicht dort, wo wir meinen, nicht in Konferenzen der Macht noch Parlamentsgebäuden, nicht im Schauspiel der Herrlichkeit oder in unbedingter Heilung oder Reichtum oder Wohlergehen in diesem Leben, aber sehr wohl in den Schwachen, da ist Gott mächtig, da ist er zu finden. Sehr wohl in den Geringsten seiner Brüder und Schwestern, denn was wir ihnen tun, das tun wir Gott selbst. Sehr wohl im Leiden, das ist seine Schule. Sehr wohl in der Züchtigung, denn das ist seine Liebe. Sehr wohl in Niedrigkeit und Schmach, denn da nehmen wir Teil an der Gemeinschaft Jesu Leiden. Sehr wohl bei den geistlich Armen, sehr wohl bei denen, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, sie aber in diesem Leben nicht erlangen. Sehr wohl bei denen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Sehr wohl im Kreuz, weil es Gott gefällt, durch die Schwäche und Armseligkeit des Kreuzes und des gekreuzigten Heilands zu retten, der aber ist die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes und die Gerechtigkeit Gottes und die Heiligung Gottes und die Erlösung Gottes und die Liebe Gottes. Wegen ihm ist der Vorhang zerrissen, in Christus gibt Gott sich zu finden. In den Wassertropfen der Taufe verbunden mit Gottes unscheinbarem Wort. Im kleinen Brot und Wein im heiligen Abendmahl, verborgen, da ist er, Immanuel, Gott mit uns, Gott für uns. In der Gemeinde der Sünder, in der mickrigen Predigt von armseligen Predigern. Weder zu viel, noch zu wenig, sondern gerade recht. Nicht etwa im gottgewordenen Fleisch, sondern erst im fleischgewordenen Gott zeigt er sich seinen Kindern wieder in seiner Herrlichkeit auf einem hohen Berg. Staunend sehen die Jünger, wie in dem unscheinbaren Jesus, bei dem keine Gestalt war, die uns gefallen hätte (Jes 53), plötzlich jede einzelne Zelle des Körpers mit der Herrlichkeit Gottes zu leuchten beginnt und die Jünger tieferschrocken anbetend zu Boden fallen. Bei der Verklärung des zweiten Mose, der unendlich größer ist als Mose, redet endlich wieder die Stimme Gottes: Dies ist mein lieber Sohn… den sollt ihr hören! Ein Hinweis, eine Vorschau: Im gekreuzigten Christus ist Gott zu finden. So hören wir dann auf ihn und suchen ihn und finden ihn und glauben an ihn. Und wir sehnen uns nach Gottes Herrlichkeit, die wir schauen werden mit eigenen Ohren und sehen mit eigenen Augen, die an uns offenbart werden soll, wenn er kommt. Amen.
Lehrpredigt
Heb 12,28f. Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt; denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.
Ein großer Gewinn unserer Zeit ist der wiedergewonnene Sinn für Ganzheitlichkeit. „Holistic“ nennt man das auf Englisch. Man will nicht nur körperlich, seelisch oder geistlich gesund sein, sondern rundherum gesund, ganzheitlich also. Das ist auch gut so. Gesundheitsstudien haben lange schon darauf hingewiesen, wie eng Leib und Seele miteinander verwoben sind. Deswegen ist es schon sehr merkwürdig, dass wir unseren Glauben so oft nur in den geistig-geistlichen Raum abschieben. Dass wir uns selbst sagen, ich kann doch auch auf dem Bett liegen und beten, und uns dann gar nicht wundern, dass wir dabei einschlafen. Nein, Körper, Seele und Geist sind wechselseitig miteinander verbunden. Wenn unsere Eltern und Großeltern abends vor dem Beten auf die Knie gegangen sind, dann war das nicht nur eine fromme Sitte, sondern durchaus praktisch und sinnvoll. Es ist schwierig, beim Knien einzuschlafen; man bleibt wach. Das eine fördert das andere, der Mensch ist dabei ganzheitlich bezogen.
Da stellt sich doch gleich die Frage, wie wir uns in der Kirche und im Gottesdienst verhalten sollen – körperlich, sprachlich, gottesdienstlich. Viele Kirchen und Christen setzen heute ausschließlich auf Informalität. Es muss unbedingt locker zugehen, heißt es. Unterschiede zwischen Formalität und Informalität, Ritual und Formenlosigkeit schiebt man dann schnell auf die Kultur ab. Ja, heißt es, es ist eben ihre Kultur, oder dies ist eben unsere Kultur, oder, ganz platt ausgedrückt, „wir ‚sontan‘ einfach anders“. Es lässt sich einerseits nicht vermeiden, dass die Kultur sich auch auf das Verhalten in Kirche und Gottesdienst auswirkt. Andererseits aber geht es um die Frage: Was passiert da eigentlich im Gottesdienst? Die Tatsache ist: Wir kommen in die Kirche, um Gott zu begegnen. Und es lässt sich nicht leugnen, dass wir Sünder sind – und dass Gott vollkommen ist, mächtig und erhaben, heilig, verborgen. Allein deswegen ist der Gottesdienst kein alltägliches Geschehnis wie das Treffen von Pietie und Joey auf dem Spielplatz. Warum will man denn heute unbedingt das Gegenteil? Das ist ein Widerspruch! Außerdem lehrt Gott, dass wir ihn fürchten sollen: des HERRN Auge sieht auf alle, die ihn fürchten (Ps 33,18); Wohl dem, der den HERRN fürchtet (Ps 128,1); Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis (Spr 1,7) Wenn das erste Gebot heißt, dass wir Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen sollen, dann stellen wir fest, dass die Informalität unserer Zeit sich das Lieben und Vertrauen gern zu eigen macht, aber die Gottesfurcht bleibt dabei außer acht. [Text] Warum sollen wir Gott denn fürchten? Weil die unmittelbare Gegenwart des heiligen Gottes für den sündigen Menschen Tod und Verdammnis bedeutet. Das sahen wir schon bei der Bundeslade. Das sahen wir bei Mose. Wir sehen es bei Jesaja im Tempel und ansatzweise sogar bei Petrus, als er Jesus anfleht: Herr, gehe von mir hinaus! Ich bin ein sündiger Mensch. (Lk 5,8) Wenn Gott ein verzehrendes Feuer ist, wenn vor ihm nur der besteht, der selbst heilig ist oder heiliggesprochen wurde, dann ist es nicht angebracht, dass ich mit Gott dem Herrn umgehe wie mit Pietie auf dem Spielplatz oder mit einem göttlichen Takealot.com. Gott ist kein Marshmallow. Er ist ein verzehrendes Feuer, der uns gebietet, ihm mit Scheu und Furcht zu dienen.
Das bedeutet eben, dass wir uns in Kirche und Gottesdienst dementsprechend verhalten. Nicht nur im Reden oder Denken, sondern mit unseren Körpern eben auch. Das betrifft das Verhalten des Pastors und das der Gemeinde. Wir sollen uns entschieden dagegen wehren, aus formellen Gottesdiensten einen Witz zu machen und ihn unbedingt so alltäglich wie möglich zu gestalten. Was hier geschieht, ist nichts Alltägliches. Hier handeln wir in der Gegenwart des Heiligen, dem Ehrfurcht gebührt. Hier bricht mit dem Ewigen die Ewigkeit in unseren Lebensraum. Gerade dazu wurde diese Kirche eingeweiht. Es ist deswegen unangebracht, in der Kirche zu schwatzen oder zu rennen, geschweige denn zu schlafen. Hier gilt Ehrfurcht. Schon wenn ich die Kirche zum Gottesdienst betrete, lenke ich meine Sinne auf das, was kommt. Ich bete die Gebete auf S. 851 im Gesangbuch. Ich bete für den Prediger, die Organisten, die Vorsteher. Mein Körper betet mit. Den will Gott auch erlösen. Und so auch im Gottesdienst selbst. Ich verhalte mich mit meinen Gebärden, mit Stehen und Sitzen und Knien, mit Händefalten und mit meiner Kleidung möglichst ehrfurchtsvoll, damit Leib, Seele und Geist in den Gottesdienst einbezogen sind und ich Gott dem Herrn diene, wie es ihm gefällt.
Selbstverständlich gilt hier eine Warnung. Es geht nicht darum, neue Gesetze zu erfinden, weder für mich selbst noch für andere. Es geht nicht darum, Äußerlichkeiten für das Wesentliche zu erachten. Wir messen unseren Glauben und den anderer Christen weder an äußerlichen Formen noch an gefühlter psychotherapeutischer Nützlichkeit, sondern wir leben allein aus Gottes Vergebung und Gnade. Gleichzeitig suchen wir nach den angebrachtesten Formen, gerade Gottes Vergebung und Gnade in den Mittelpunkt zu stellen, ohne dabei seine Heiligkeit, Autorität und Machtvollkommenheit außer Acht zu lassen. Gerade deswegen brauchen wir uns keinen Augenblick für die Liturgie und die Formalität unseres Gottesdienstes zu entschuldigen. Im Gegenteil, hinter diesen Dingen steht bewußte Absicht und Intention, sie sollen durch regelmäßige Übung bei gottesfürchtiger Herzenseinstellung dazu dienen, den Christen mit hineinzunehmen in den rechten Gottesdienst.
Ich möchte schließen mit einem Bericht von einem Englischprofessor, der mit seiner Familie verzweifelt auf Suche nach einer Kirche und nach Glauben war. Er begann, eine LCMS Gemeinde zu besuchen und berichtet: „Nachdem ich viele Monate lang in dieser Kirche Gottesdienst gefeiert hatte, wurde mir klar, was an ihr anders war. Ich erlebte etwas, das ich vorher nie wirklich gekannt hatte: ein Gefühl der Heiligkeit. Die Gewänder, die Rituale, die Kunst und die Musik dienten dazu, das Geschehen vom gewöhnlichen Leben abzugrenzen. Heiligkeit bedeutet wörtlich übersetzt ‚abgesondert sein‘, und zumindest in Amerika mit seiner Gleichmacherei, seinem lockeren Lebensstil und seiner entspannten Einstellung ist nichts abgesondert, ist nichts mehr heilig. Aber die Kirche, so lernte ich, war ein Ort, an dem man etwas Heiliges finden konnte. Die Art und Weise, wie sich der Pfarrer vor dem Kreuz verbeugte und das Wort Gottes auf dem Altar verkündete, die Art und Weise, wie sich die Gemeinde erhob und niederkniete, die majestätische Sprache der Liturgie überzeugten mich, dass hier etwas anderes, etwas Außergewöhnliches vor sich ging.“ So ist es auch. Gott gebe, dass genau das hier ganzheitlich zum Ausdruck gebracht werde. Dass der allmächtige, heilige Gott hier ist – und Sündern vergibt, damit wir ihm in Gottesfurcht hier und dann im Alltag recht dienen. Amen.
Wochenspruch
Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Jesaja 60, 2
Introitus – Nr. 17 (Habakuk 3, 4; Psalm 97, 1 u 11)
Epistel
Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.
2. Korinther 4, 6 – 10
Evangelium
Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Matthäus 17, 1 – 9
liturgische Farbe: weiß
Festzeit: Epiphaniaszeit
Wochenspruch: Jes 60,2
Wochenpsalm: Ps 97
Eingangspsalm: Ps 100
Epistel: 2. Kor 4,6-10
Evangelium: Mt 17,1-9
Predigttext: Offb 1,9-18
Wochenlied: 67
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = IV). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 17,1-9
II: 2. Kor 4,6-10
III: 2. Mose 3,1-10 (11-14)
IV: Offb 1,9-18
V: Joh 12,34-36 (37-41)
VI: 2. Petr 1,16-19 (20-21)