Predigt zu Ostern, den 12. April 2020
- Kor 15,19-21 I.i.
19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
Zwei christliche Gemeinden in Bremen, DE haben in den letzten Monaten schlimme Dinge erlebt. Menschen, die dort zum Gottesdienst gingen, wurden beleidigt und bedrängt. Man hat sich in ihre Online-Predigten eingehackt und Hassparolen eingeschmuggelt. Ein Auto wurde zerkratzt. Ein Poster des Jahresspruchs wurde mit Sprühfarbe beschmutzt, nun steht da: „Ich glaube, hilf meinem Glauben“. Ein Kreuz wurde durchgestrichen. Ein Schild mit den Worten „Christus ist auferstanden!“ wurde ebenfalls durchgestrichen. Jemand will hier behaupten: Der christliche Glaube ist ein Irrtum; wer glaubt, braucht Hilfe; und auferstanden ist Jesus Christus ganz bestimmt nicht.
Nun, Widerstand gegen den christlichen Glauben gibt es schon seit sehr, sehr langer Zeit. Erstaunlich ist nur, wie stark dieser Widerstand wieder wird und wie wenig die Medien über solchen Christenhass berichten. Bedrängt zu werden, gehackte Kirchenwebsites, besprühte Poster, zerkratzte Autos, all das kann ja verkraftet und wieder gut gemacht und repariert werden, aber ein durchgestrichenes Kreuz und eine ausgekreuzte Auferstehung – das nicht.
Vom lutherischen Geschichtsforscher Dr. Paul Maier stammt der Abenteuerroman „A Skeleton in God’s Closet“. In der Handlung findet ein Archäologe ein Grab aus dem 1. Jahrhundert – und in dem Sarkophag liegen die Überreste eines Mannes, der offensichtlich an einer Kreuzigung gestorben war mit Nägelspuren an den Hand- und Fußknochen und Abschürfung an zwei Rippenknochen. Es stellt sich heraus: Das sind die Überreste des Leichnams Jesu Christi. Im Sarkophag liegt ein Brief von Joseph von Arimathäa an Nikodemus, in dem er beschreibt, wie er in der Nacht vom Karfreitag auf den Karsamstag mit einem Diener die Leiche Jesu aus dem Grab entfernt und weggebracht hat, um sie vor den Pharisäern zu schützen. Die These des Buches also: Jesus ist gar nicht auferstanden, und die Jünger haben sich das mit der Auferstehung nur ausgedacht. Faszinierend nun in diesem Geschichtsbuch ist, wie Maier die Reaktionen auf die Nachricht beschreibt. Riesenenttäuschung seitens vieler Christen, viele werden zu Atheisten, die Kirche bricht ein; aber der linke Flügel der Christenheit sagt unter Leitung liberaler Theologen, dass es überhaupt keinen Unterschied mache, wenn Jesus nicht auferstanden sei, denn darum gehe es nicht, es gehe darum, dass Jesus durch einen mutigen Tod gesiegt habe und im Geiste weiterlebe. Und dann lässt Maier einen Rabbiner sagen: „Das Christentum hat sich angreifbar gemacht in dem Moment, als es behauptete, dass Gott in der Person Jesu Fleisch wurde. Das Judentum hat sich nie auf diese Weise bloßgestellt. Nur Gott ist Gott. Kein anderer.“
Dem stimmt der Apostel Paulus zum großen Teil zu. Das Christentum ist verwundbar, verletzbar, angreifbar an genau diesem Punkt. Im Gegensatz zu allen anderen Weltreligionen hat das Christentum sich an dieser Stelle selbst widerlegbar gemacht. Wenn man nämlich beweisen könnte, dass Jesus Christus nicht auferstanden ist, dann – dann fällt unser ganzer christlicher Glaube wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Dann ist unser Glaube widerlegt, Ende, aus, vorbei. Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist dein Glaube eine Zeitverschwendung, das NT eine Lüge, die Apostel allesamt Gaukler, und jeder Missionar und Pastor der vergangen 2.000 Jahre und auch ich selbst nichts als ein Betrüger. Dann verschwendest du deine Zeit mit Bibellese und Unterricht und all dem Brimborium der Kirche. Liberalen Theologen entgegen, die behaupten, es reiche, wenn Jesus im Geiste und in unseren Herzen weiterlebe, sagt die Heilige Schrift selbst: Wenn Christus nicht wirklich auferstanden ist, dann ist alles an unserem Glauben Unfug und wir die bemitleidenswertesten, elendesten, bedauerlichsten Menschen, die es überhaupt gibt. Dann sind all unsere Lieben im Friedhof verblendet gestorben und der Tod ist das Ende, dann kommt nichts danach, dann müssen wir essen und trinken und lachen, denn morgen ist alles vorbei. Der christliche Glaube ist nämlich nicht als Wohlfühlmedizin für dieses Leben gedacht, um uns zu helfen, die Probleme dieses Leben zu bewältigen und positiv zu denken. Dann täten wir besser daran, zu einer Flasche Portwein zu greifen. Nein, die Bibel selbst macht deutlich: Alles oder nichts, keine halbe Sache.
Wir wollen uns nichts vormachen! Wer die Auferstehung widerlegen kann, der kann den ganzen christlichen Glauben widerlegen. Die Auferstehung ist der Dreh- und Angelpunkt unseres ganzen christlichen Glaubens. Aber, und das ist es ja, worum hier alles geht, das ist keine Schwäche an unserem Glauben, sondern eine Stärke! Welch andere Glaubensrichtung ist bereit, alles auf eine Karte zu setzen, die ganze Welt herauszufordern und zu sagen: Beweis doch das Gegenteil. Widerleg mich doch. Denn das ist es eben: Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten. Christus IST auferstanden – die Auferstehung ist eine Tatsache, ein Fakt, Realität. Das hat sich keiner ausgedacht. Jesus Christus IST auferstanden.
Die Tatsache ist: Nichts anderes kann erklären, was nach dem Tod Jesu in Jerusalem geschah. Auch die schärfsten Kritiker geben nämlich aufgrund authentischer zeitgenössischer Berichte von u.a. römischen, griechischen und jüdischen Geschichtsschreibern zu:
- Fakt: Jesus Christus wurde aufgrund eines Todesurteils von Pontius Pilatus am Kreuz hingerichtet.
- Fakt: Das Grab, in dem Jesu Leichnam war, wurde von einer Gruppe Frauen am Sonntag nach der Kreuzigung leer aufgefunden.
- Fakt: Jesu Jünger haben wirklich mit jemandem gesprochen, jemanden erfahren, von dem sie überzeugt waren, es war der auferstandene Heiland.
- Fakt: Aufgrund des Zeugnisses und der Predigt dieser Jünger, die die Auferstehung als zentrale Lehre hatte, entstand die christliche Kirche und erstreckte sich innerhalb kürzester Zeit über das ganze römische Reich und darüber hinaus.
Das sind Tatsachen, die auch von kritischen Geschichtsschreibern und Skeptikern heute bejaht werden.
Das heißt ganz einfach: Die Auferstehung Jesu ist nicht „nur“ eine Glaubenssache. Sie ist eine Tatsache. Denn sie konnte noch nie widerlegt werden. Es wäre doch für die Römer oder Juden damals ein Leichtes gewesen, die Berichte der Jünger von einem auferstandenen Jesus zu widerlegen – sie hätten nur den Leichnam Jesu hervorzuholen brauchen. Aber das konnten sie nicht, denn das Grab ist leer. Und zu behaupten, wie Paul Maier das in seinem Roman als gedankliche Übung macht, dass Joseph von Arimathäa oder Nikodemus die Leiche wegtransportiert hätten, ist nichts als Spekulation. Diese Leute waren zu namhaft, zu bekannt, als dass das möglich gewesen wäre. Und es waren einfach zu viele Zeugen da, die das gesehen hätten – die Stadt und Umgebung waren voller Passafestpilger. Die Tatsache bleibt, dass Jesu Leichnam nie gefunden wurde und auch nie gefunden werden wird, denn es gibt keine sterblichen Überreste. Wir haben nämlich einen unsterblichen Heiland. Dass das leere Grab zuerst von Frauen und nicht von den Jüngern selbst gesehen wurde, ist ein weiterer Beweis für die Auferstehung. Frauen galten damals nämlich nicht als glaubwürdige Zeugen – ihre Aussagen zählten vor Gericht nicht. Wenn die Jünger die Auferstehung vortäuschen wollten, hätten sie sich nie und nimmer auf das Zeugnis von Frauen verlassen! Und überhaupt: Warum und wozu hätten die Jünger einfach von sich aus behaupten wollen, dass Jesus auferstanden ist? Was hat ihnen dieses Zeugnis, diese Predigt gebracht? Sie haben überhaupt keinen Vorteil daraus gezogen. Sie wurden wegen ihrer Predigt wiederholt und jahrelang geschlagen, gefoltert, exiliert und verfolgt, und zwar unabhängig voneinander. Hätten 12 Männer wirklich solch furchtbaren Dingen standhalten können, wenn es alles nicht stimmte? Nicht einer von ihnen hat aus der Predigt profitiert – im Gegenteil, bis auf Johannes mussten sie alle mit dem Tod für ihre Überzeugung bezahlen. Hätten sie das ausgehalten, ohne zu reden, hätten sie das alles auf sich genommen, wenn es nicht wahr wäre? Wer stirbt schon für eine Lüge, aus der er keinen Vorteil gewinnt? Und wie hätte Thomas als Skeptiker davon überzeugt werden können, dass Jesus auferstanden ist, wenn es nicht stimmte? Und zu behaupten, dass die Jünger was geraucht hatten oder halluzinierten oder sich alles nur einbildeten, das ist nicht stichhaltig, denn sie berichten geschlossen, Jesus als Gruppe gesehen und mit ihm gegessen und ihn berührt zu haben. Das kann nicht einmal die stärkste Droge bewirken.
Die Auferstehung Jesu Christi ist eine Tatsache. Er ist auferstanden. Nun sagt die Schrift allerdings auch, dass die Botschaft vom gekreuzigten Christus eine Torheit ist dem natürlichen Menschen; er kann es nicht erkennen, denn es muss geistlich beurteilt werden. Das heißt, ohne den Heiligen Geist kann keiner zum Glauben kommen, nicht durch Logik oder Verstand oder Überredungskünste. So bitten wir den Heiligen Geist, er möge die Herzen der Menschen lenken und ihnen Glauben schenken. Doch die andere Seite der Münze ist eben die: Wer am christlichen Glauben zweifelt oder ihn ablehnt, der muss seinerseits das Gegenteil beweisen können. Jesus ist nämlich vom Tode auferstanden, wie er gesagt hatte. Das bedeutet, dass Jesus ist, was er von sich sagt – Gott und Mensch. Es bedeutet, dass die ganze Bibel stimmt. Es bedeutet, dass der ganze christliche Glaube stimmt. Es bedeutet, dass Gott tatsächlich eines Tages die Welt richten wird, dass alle Menschen Buße tun und an Christus glauben sollen – oder aber ewiglich verloren gehen. Wer der Auferstehung nicht glauben will, lehnt damit Gottes Heil für sich selbst ab. C.S. Lewis sagte mal: „Am Ende werden nur zwei Gruppen von Menschen vor Gott stehen – jene, die zu Gott sagen: ‚Dein Wille geschehe‘, und jene, zu denen Gott sagt: ‚Dein Wille geschehe‘. Alle, die in der Hölle sind, haben sie sich erwählt.“
Christus ist auferstanden! Das bedeutet, dass wir hier in der Kirche nicht nur Wunschdenken verkünden, sondern die Wahrheit. Wenn Christus Leben und Seligkeit durch seine Vergebung schenkt, dann stimmt das! Es ist vollbracht, der Auftrag erfüllt, das Angebot gültig, das Geschenk ist echt. Das bedeutet, dass die Sünde keinen Halt mehr über euch hat. Sie kann euch nicht mehr verdammen. Das bedeutet, dass eure Hoffnung auf das ewige Leben berechtigt und begründet ist. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Genauso, wie durch einen Menschen, durch Adam, die Sünde zu allen Menschen gekommen ist, so kommt durch einen Menschen, Christus, die Auferstehung zu allen Menschen. Denn wenn Jesus Christus auferstanden ist – und er ist es – dann werden alle Menschen auferstehen. Er ist der Erstling, die Ernte der Endzeit hat begonnen, und wo er uns vorausgeht, da werden wir alle folgen. Das bedeutet, dass Christus das letzte Wort hat. Nicht die Sünde, nicht die Schuld, nicht die Traurigkeit, nicht die Tränen, nicht die Krankheit, nicht das Leiden, nicht Corona, nicht der Krebs, nicht das Grab und nicht der Friedhof, sondern Jesus Christus und sein Licht, dies ist meine Zuversicht.
Mein Jesus lebt, was soll ich sterben?
Hier steht mein Haupt und triumphiert.
So muss ich ja das Leben erben,
weil Not und Tod die Macht verliert.
Kein Trauerbild erschreckt mich mehr,
mein Jesus lebt, das Grab ist leer.
Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden. Amen.
Soli Deo Gloria
Pastor Dr. Karl Böhmer
Wochenspruch
Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Offenbarung 1, 18
Epistel
Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
1. Korinther 15, 1 – 11
Hauptlied
Christ lag in Todesbanden 181
Erschienen ist der herrlich Tag 183
Evangelium
Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und den Leichnam Jesu zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.
Markus 16, 1 – 8