Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn, Jesus Christus. Amen.
Text: Johannes 14, 22 – 27
22Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Lasst uns beten: Lieber Herr, Jesus Christus, wir danken dir für dein Wort, das wir jetzt gehört haben! Herr, du verheißt uns immer wieder soviel Gutes! Dafür danken wir dir! Lieber himmlischer Vater, wir bitten dich, sende uns auch jetzt deinen Heiligen Geist, damit dein Wort auch unsere Herzen trifft und wir dadurch in deinem Frieden unser Leben führen können. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Heute ist Pfingsten! Aus der Epistel, die wir vorhin gehört haben, wissen wir ziemlich genau, was da bei dem ersten Pfingstfest, damals in Jerusalem alles passiert ist. Heute ist es hier bei uns aber längst nicht so dramatisch zugegangen, wie damals! Es gab kein großes Brausen – dafür hat die Glocke aber schon sehr deutlich hörbar geläutet, um uns, und alle, die es gehört haben hier in die Kirche hinein zu rufen. Es gab heute auch kein Sprachwunder wie damals, sondern alles läuft hier ganz normal, wie immer, auf Deutsch.
Und dennoch sind da heute, hier bei uns, auch schon große Wunder geschehen, und sie geschehen auch jetzt noch! Die Tatsache, dass wir hier zusammengekommen sind, ist schon das erste Wunder, das der Heilige Geist heute bewirkt hat! Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir alle heute Morgen rechtzeitig aufgestanden sind, um hierher zum Gottesdienst zu kommen! Das hat der Heilige Geist getan! Er ist es, der uns den Mut und den Willen geschenkt hat, um zur Kirche und in den Gottesdienst zu kommen, um Gottes Wort zu hören! Stattdessen hätten wir ja, wie viele andere Leute, uns an diesem Wochenende, auch irgendwo anders vergnügen und entspannen können.
Und das zweite Wunder ist, dass er hier bei uns schon in der Beichte, durch die Epistel, das Evangelium, und die Worte der Predigt, a und gewirkt hat, und, dass er gleich im Heiligen Abendmahl auch wieder an uns wirken will! Darauf dürfen wir dann, in seiner Kraft mit unseren Gebeten, unserem Singen und Musizieren, immer wieder antworten! So stärkt er unseren Glauben, und macht uns ganz sicher und gewiss, dass wir erlöst sind. Und deshalb wissen wir auch, dass wir die Ewigkeit bei Gott im Himmel erleben werden!
Liebe Gemeinde, so wiederholt sich in der Kirche an jedem Sonntag eigentlich nur immer wieder das Pfingstfest! Das klingt für uns vielleicht ziemlich ungewohnt! Das ist so, weil man heutzutage, besonders in einigen religiösen Kreisen, von denen wir ja auch irgendwie beeinflusst werden, eigentlich sozusagen „viel mehr“ von dem Heiligen Geist erwartet, als das, was hier bei uns so vor sich geht! Man sucht sehr oft das gewaltige Brausen! Dabei überhört dann aber sehr leicht das stille, sanfte Sausen, wie der Prophet Elia (1. Könige 19,12) es am Berg Horeb erlebt hat, als Gott ihm dort begegnet ist. Und so wollen wir uns jetzt, in aller Ruhe, an Hand von diesem Text, wieder einmal die Frage beantworten lassen, nämlich: Wer ist der Heilige Geist denn eigentlich?
Diese Antwort hat drei Teile, nämlich:
- Er ist Gott, der schon seit unserer Taufe in uns wohnt!
- Er ist Gott, der durch seine Worte, wie wir sie in der Bibel finden, mit uns redet!
- Er ist Gott, der uns durch sein Wort, seinen Frieden in unsre Herzen gibt!
Liebe Gemeinde, unser Evangelium ist ein kleiner Teil von den sogenannten „Abschiedsreden“ Jesu. Diese Worte sind im Johannesevangelium im 13. Kapitel von Vers 31 an, bis zum Ende des 16. Kapitels, für uns aufgeschrieben. Am Gründonnerstagabend bei der Feier des Passamahls hat Jesus lange, und viel, mit den Jüngern geredet und gebetet, und unser Text ist ein Teil davon. Es lohnt sich deshalb auch, um diese ganze Stelle bei Johannes, einmal im Zusammenhang zu lesen. Dabei sieht und erkennt man nämlich viele bekannte Bibelworte, und zwar, in ihrem richtigen Kontext.
Gerade vor unserem Text, Kapitel 14,21 hatte Jesus zu den Jüngern gesagt: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ists, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Darauf folgte dann die Frage des sogenannten „anderen“ Apostels Judas, der auch den Beinamen Thaddäus hatte, nämlich: „Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst, und nicht der Welt?“
Und die Antwort, die Jesus ihm gegeben hat, heißt dann: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ Dass heißt: Die Offenbarung Jesu, dass Menschen ihn erkennen können, geschieht meistens in einem engen Kreis derer, die sich an sein Wort halten! Offenbarung Jesu geschieht deshalb oft nicht auf den Straßen, oder in der großen Masse. Viel öfter passiert es da, wo Leute sich im Gottesdienst, oder in einer Andacht, um sein Wort versammeln und zu Gott beten. Das kann auch zu Hause im Kämmerlein, beim Lesen der Bibel, und im stillen Gebet passieren. Deshalb hat die Welt mit ihrem Krach und Lärm so oft leider kein Ohr mehr dafür!
Was Jesus in unserem Text zu seinen Jüngern sagt, könnte uns aber auch leicht zu Missverständnissen verführen! Es könnte nämlich leicht so verstanden werden, als hätten wir diese Liebe zu ihm schon, von Natur aus, in uns selber. Deshalb, so sagt man, müssen wir sie dann nur immer wieder selbst erwecken, oder einschalten. Als Folge wären wir dann im Stande, sein Wort und seine Gebote zu halten! Und dann erst würde Gott uns lieben und kommen, um bei uns zu wohnen! Das ist aber falsch gedacht! Wenn es nämlich so wäre, würden wir selbst für unseren eigenen Glauben, und für unsere eigene Seligkeit verantwortlich! Und deshalb brauchten wir dann auch das Erlösungswerk Jesu nicht mehr!
Liebe Gemeinde, dagegen haben wir aber die richtige Zusammenfassung von unserem verlorenen Zustand, in der Erklärung vom 3. Artikel, nämlich: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann! Sondern, der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten!“ Ja, ihr Lieben, Gott und Christus lieben, und sein Wort und seine Gebote halten, können wir nur in der Kraft des Heiligen Geistes! Und weil „die Welt“ diesen Geist Gottes oft nicht hat, kommt es auch nicht dazu, dass Jesus sich ihr offenbaren kann!
Ihr Lieben, es ist also so, dass Gott und auch Jesus Christus durch seinen Heiligen Geist wohnen! Man kann dieses Verhältnis, das ja für uns schon bei der Taufe angefangen hat, wie einen Ring sehen und verstehen. Der Ring hat nämlich keinen Anfang und kein Ende. Genauso, wie sich die Brautleute bei der Trauung, hier am Altar gegenseitig einen Ring geben: „als Zeichen der Liebe, die nicht aufhören, und der Treue, die kein Ende nehmen soll“, hat Gott uns bei der Taufe auch schon seinen Ring, nämlich, den Heiligen Geist, gegeben! Dieser Heilige Geist ist es, der in uns die Liebe zu Gottes Wort und den Glauben an seinen Sohn Jesus Christus weckt, wenn wir es ihm nur erlauben! Mit seinem Geist kommt Gott zu uns Menschen um bei uns, und in uns, zu wohnen!
Wie gut, wenn das bei uns so ist! Dazu sagt uns Jesus im 26. Vers folgendes: „Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Durch seinen Heiligen Geist redet Gott in seinem Wort mit uns! Da schenkt er uns die Liebe zu seinem Wort! Und wir dürfen dadurch ganz fest darauf vertrauen, dass Gottes heiliges Wort, in dem er mit uns redet, für uns in der Bibel aufgeschrieben steht!
Es ist deshalb falsch, wenn einige Leute meinen, dass sie Botschaften von Gott bekommen über Dinge, die außerhalb der Bibel sind und stehen. Gott hat sein Wort bewusst durch Menschen, getrieben von dem Heiligen Geist, für uns aufschreiben lassen! Und er hat sich und seinen Geist ganz deutlich an dieses Wort der Propheten, Apostel und Evangelisten gebunden! So lesen wir es bei Römer 10,17 wo Gott uns durch seinen Apostel sagen lässt: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi!“
Und diese Predigt soll uns immer wieder unsere Sünde und Schuld vor Gott zeigen und sagen! Sie muss uns sagen, dass wir uns aus diesem Dilemma, nicht selber befreien können! Und dann muss jede rechte Predigt uns aber auch immer wieder das Evangelium, von der Gnade Gottes sagen. Nämlich, dass durch den Glauben an Jesus Christus, als unseren Heiland, diese Gnade auch uns allen gilt! Dadurch bekommen wir den Frieden mit Gott, in unsere Herzen!
Über diesen Frieden sagt Jesus in unserem Text: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“ Liebe Brüder und Schwestern, diesen Frieden finden wir auch sehr deutlich beschrieben im Brief an die Römer, Kapitel 5, Vers 1, nämlich: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott, durch unseren Herrn, Jesus Christus!“ Und dazu sagt die Erklärung in der alten Stuttgarter Jubiläumsbibel zu diesem Vers: „Dieser Friede ist das getroste, über unser ganzes Leben sich ausbreitende Bewusstsein, dass wir mit Gott versöhnt, von ihm geliebt, und in ihm durch Christus, auf ewig geborgen sind!“ Besser kann man es wohl kaum zusammenfassen!
Liebe Gemeinde, dass ist es also, was der Heilige Geist uns immer wieder schenkt, und in uns wirkt! Und darauf ist absoluter Verlass! Darum bringt er uns am Sonntag hierher in die Kirche, damit wir von ihm, mit dieser Freude und mit diesem Trost beschenkt werden. So können wir getröstet und sicher der Ewigkeit entgegen gehen! Am Tor zum Himmel wartet unser Heiland, Jesus Christus schon, mit offenen Armen, auf uns! Das bezeugt uns der Heilige Geist, den Gott auch heute wieder zu uns sendet. Amen.
Wir beten: Herr, im Lichte deiner Wahrheit erkennen wir wie friedlos, unruhig und gejagt unser Leben ist. Wir bitten dich, komm, und wohne in uns und schenk uns deinen Frieden, den wir mit unserer Vernunft nicht begreifen können. Gib, dass dieser Friede uns bei Jesus Christus erhält, bis wir zu der Ruhe des ewigen Lebens bei dir, kommen werden. Amen.
Pfingsten (Die Kirche des Geistes)
Wochenspruch
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.
Introitus – Nr. 39 (oder Nr. 40) (Weisheit 1, 7; Psalm 118, 16)
Epistel
Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.”
Apostelgeschichte 2, 1 – 18
Hauptlied Komm, Heiliger Geist, Herre Gott 215
Evangelium
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Johannes 14, 23 – 27