Predigt – 02. Sonntag nach Trinitatis 2026

Vor 5 Jahren, das war im Jahr 2021 stand dieser Textabschnitt noch als die Evangeliumslesung für den Sonntag Kantate, in der Alten Predigttextordnung, in der Reihe 1 auf dem Programm. Und bis heute steht er auch in unseren Gesangbüchern, immer noch an derselben Stelle. Durch diese Verschiebung in der neuen Predigttextordnung, vom Sonntag Kantate, hin zu diesem 2. Sonntag nach Trinitatis, verschiebt sich aber nun auch die Betonung in diesem Text, weg von dem Eingangs Vers mit seinem Lobpreis, den Jesus seinem Vater gesungen hat, hin zu der bekannten Einladung, die Jesus an die Menschheit ausspricht. Das passt dann auch genau zu dem heutigen Sonntagsthema, und dient uns auch als Wochenspruch.

Aber, wenn auch jetzt diese Verschiebung stattgefunden hat, behalten die einleitenden Verse dennoch ihren Sinn und ihre Bedeutung! Es ist darin nämlich eine ernste Warnung enthalten, die Jesus hier an die Schriftgelehrten in Israel gerichtet hat! Hier müssen wir von ihnen lernen, dass längst nicht alle Menschen diese großzügige Einladung, die Jesus hier an uns richtet, in der Vergangenheit angenommen haben. Und es werden auch noch viele sein, die sie in Zukunft nicht annehmen werden! Das hat Gott sogar zugelassen, weil wir Menschen ja alle unseren eigenen freien Willen von ihm bekommen haben. Er zwingt deshalb niemanden in seine Nachfolge!

Er hat uns Menschen also nicht vorprogrammiert, wie einen Roboter, der nur tut, was das Computerprogramm ihm sagt. Nein, wir dürfen selbstständig handeln und entscheiden. Aber, wir tragen dann auch die Verantwortung für das, wozu wir uns entschlossen haben. Und das gilt besonders, wenn es das Falsche war, wie hier bei den Schriftgelehrten Israels! In seiner Allwissenheit wusste Gott ja schon im Voraus, dass diese Verwerfung des Messias, ihrerseits, vorkommen würde. Deshalb hatte er schon durch mehrere Propheten, z. B. Jesaja 29 davon geredet, nämlich: 13Weil dies Volk mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist, und sie mich fürchten nur nach Menschengeboten, die man sie lehrt, 14darum will ich auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs wunderlichste und seltsamste, dass die Weisheit der Weisen vergehe und der Verstand seiner Klugen sich verbergen müsse. Diese Worte waren also auch schon vor vielen Jahren als Ruf zur Umkehr an die Schriftgelehrten, diese angeblich weisen und klugen Männer Israels, gerichtet!

Aber, gerade sie, die es erkennen und wissen sollten, wollten Jesus nicht als den Messias erkennen, weil er nicht so war, wie sie ihn sich vorgestellt hatten! Er sollte nämlich ein mächtiger Mann sein, der das Volk Israel von der römischen Herrschaft befreien, und zum Weltreich machen würde. Deshalb warten einige orthodoxe Juden in ihrer schwarzen Kleidung, und mit ihren schwarzen Hüten auf den Köpfen, heute immer noch auf diesen weltlichen Befreier.

Liebe Gemeinde, menschliche Weisheit und Klugheit führt ins Verderben, weil man sich dadurch nicht vor Gott rechtfertigen kann! Vor Gott sind alle Menschen Sünder, und wir werden nur wegen seiner Gnade, durch den Glauben an Jesus Christus als unseren Heiland und Erlöser, gerecht! So steht es auch in der bekannten Stelle im 3 Kapitel im Brief an die Römer, nämlich: „Es ist hier kein Unterschied; sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. Und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“ Ihr Lieben, das ist die Weisheit Gottes, die der menschlichen Weisheit als Torheit vorkommt. Bei uns gilt ja sehr oft das Prinzip: „Selbst ist der Mann!“ Deshalb wollen wir uns auch die Gnade Gottes nicht einfach so schenken lassen! Der Mensch will sich die Seligkeit selbst verdienen mit eigenen Leistungen, aber genau das ist die große Sünde, die uns von Gott trennt!

Noch ein Missverständnis, das hier aus dem Weg geräumt werden muss, ist, dass man, an Hamd von unserem Text nun meinen könnte, dass alle klugen und begabten Menschen automatisch aus Gottes Reich und der Erkenntnis Christi ausgeschlossen sind. Das stimmt aber zum Glück nicht! Denn nur, wer sich auf seine Klugheit verlässt und sie zwischen sich und dem Heil in Christus kommen lässt, geht auf diesem gefährlichen Weg. Und darum müssen solche Leute sich diese Warnung besonders zu Herzen nehmen! Jesus hat sich nämlich gerade denen, die ihre eigene Schwachheit und ihr eigenes Unvermögen vor Gott erkannt hatten, das sind die geistlich Armen aus der Bergpredigt, offenbart! Und dazu gehören auch hoch intelligente und gelehrte Menschen, wie ein Apostel Paulus, ein Dr. Martin Luther und noch viele andere, die schon im Reich Gottes dienen durften. Wir sind also mit unserem Verstand, den Gott uns gegeben hat, in der Kirche in guter Gesellschaft! Deshalb sollen wir unsere Begabungen auch gebrauchen, aber wir sollen sie nie zwischen uns und Gottes Heilsplan für uns kommen lassen!

Wenn wir diese Gaben in den Dienst Jesu stellen, wird er uns auch dahinführen, dass wir den Vater erkennen werden! „Niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.“ Vorhin haben wir noch im Glaubensbekenntnis während der Taufe, gesagt: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde!“ Die Frage an uns ist jetzt: Kennen wir diesen Vater, der Gott ist, der allmächtig ist und der Himmel und Erde geschaffen hat, wirklich? Sind wir nicht auch wegen all der menschlichen Weisheit und all dem wunderbaren menschlichen Können um uns herum, vielleicht schon dahin gekommen, dass wir diesen Glaubensartikel auswendig, gedankenlos und nur noch mit den Lippen herplappern oder Singen?

Liebe Gemeinde, Jesus sagt uns, dass er uns den Vater offenbaren wird! Das heißt, er will ihn uns immer wieder in seinem Wort und in den Sakramenten zeigen und zu erkennen geben, damit wir Gott auch wirklich kennen lernen! Dadurch sollen wir daran erinnert werden, dass wir IHN über alle Dinge fürchten, lieben und nur IHM vertrauen müssen, wie es in der Erklärung zum Ersten Gebot heißt. Was wir deshalb in dieser Offenbarung Jesu sehen werden, ist einerseits, Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit, die uns, wegen unserer Sünde, Furcht und Zittern einjagen muss! Andererseits zeigt Jesus uns Gott aber auch ganz besonders, als den liebenden Vater, der auf uns Sünder zugeht, der den Kontakt mit uns sucht, und der uns, durch seine Vergebung, in seine Gemeinschaft hineinholen will! Wenn wir das erkennen, muss bei uns alle Angst und Furcht vor Gott verschwinden! Stattdessen wird Freude und Lob aus unseren Herzen kommen, so, dass wir gleich mit Paul Gerhard aus dem Gesang (Nr. 284): „Ist Gott für mich, so trete, “ im letzten Vers singen können: „Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein! Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist!“

Ihr Lieben, das ist der Vater, den Jesus uns offenbart, und durch diese Offenbarung und diese Erkenntnis bekommen wir Ruhe für unsere Seelen! Jesus lädt uns ein, mit den bekannten Worten: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Damit ruft er alle die Unmündigen, die sich ihrer Sünde und Schuld vor Gott bewusst sind, und die unter dieser Last zusammenbrechen wollen, und sagt ihnen; Ich, der Heiland will euch die Sündenlast abnehmen, und ich will euch mit meinem Leib und Blut speisen und tränken, damit ihr wieder erfrischt und mutig auf eurem Lebensweg zum Himmel, weitergehen könnt!

Liebe Gemeinde, die Wahl für uns Menschen liegt also zuletzt nicht zwischen der angeblichen Last des Christentums, und der angeblich unbelasteten Freiheit der Welt! Dr. Martin Luther hat den Menschen einmal ganz richtig mit einem Esel verglichen, der immer von jemandem geritten wird; entweder von Christus, oder von dem Teufel und seinen Handlangern. Es ist nämlich wirklich so, dass in dem Augenblick, wenn jemand Christus und sein Heil „abgeworfen“ hat, der Teufel sich sofort in diesen leeren Sattel setzt! Deshalb ist es ein falsches Bild, wenn ein Mensch denkt, dass er sein eigener Herr sein kann, und das Christsein nur als eine Last oder ein schweres Joch empfindet, von dem er gerne frei sein möchte. Wen der Teufel „reitet“, der hat erst recht eine unsagbar schwere Last zu tragen, besonders, weil da dann auch niemand mehr ist, der ihm diese Last immer wieder abnimmt!

Wer aber die Beichte und das Heilige Abendmahl kennt, und auch regelmäßig da hin geht, weiß, dass das Joch des Lebens dadurch immer wieder erleichtert wird! Gerade hier am Altar wird uns die schwere Last der Sünde immer wieder durch Jesu Christus abgenommen! Das befreit uns, und bringt uns dahin, dass wir von unserm Herrn lernen können, um sanftmütig und von Herzen demütig im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen zu werden. Wer von der Last der Sünde befreit ist, braucht sich selbst nicht immer zu behaupten, und der wird auch nicht mehr um sich schlagen, und von einer inneren Unruhe hin und her gerissen werden.

Nein, der hat Ruhe für seine Seele gefunden und kann deshalb Gott, den gnädigen Vater preisen und loben, heute am Sonntag, und an allen Tagen seines Lebens. Möge Gott es geben, dass wir alle zu dieser Ruhe unter dem Joch, das uns, seit unserer Taufe schon, mit Jesus verbindet, finden können. Amen.

Wir beten: Herr, schenk du uns deine Ruhe und deinen Frieden im Herzen! Nimm unser armes Singen und den Dank, den wir dir, für deine Gnade und Liebe bringen, auch in Gnaden an.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.


Wochenspruch

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11, 28 Introitus – Nr. 43

(Matthäus 5, 6; Psalm 18, 2 – 3)

Epistel

Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Epheser 2, 17 – 22

Hauptlied

Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn 303

Evangelium

Einer, der mit zu Tisch saß, sprach zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! Jesus sprach: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.

Lukas 14, 15 – 24


liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: Mt 11,28

Wochenpsalm: Ps 36

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: Eph 2,17-22

Evangelium: Lk 14,(15) 16-24

Predigttext: Mt 22,1-14

Wochenlied: 250 und 363


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).


I(Evangelium): Lk 14,(15) 16-24

II: Eph 2,17-22

III: Mt 22,1-14

IV: 1. Kor 14,1-3..20-25

V: Jes 55,1-3b (3c-5)

VI: 1. Kor 9,16-23