Pfingsten (Die Kirche des Geistes) – 2021

Wörter. Ohne Wörter gibt es keine Kommunikation, keinen Austausch von Informationen und Ideen, keine Gemeinschaft, keine Möglichkeit, sich zu organisieren und zu mobilisieren. Ohne Wörter könnten wir nicht auf andere Menschen zugehen, irgendeine Form von sinnvoller Beziehung haben. Genau das ist abewr der Alltag in unserem Land – dass wir mit und neben Menschen leben, die wir nicht verstehen können. Wir sprechen nicht dieselbe Sprache. Wir können einander vielleicht sagen, dass der Tee heiß ist und das Wetter kalt, aber darüber hinaus? Viele von uns sprechen ein gutes Zulu, aber wie sieht es mit Pedis oder Shangaans und Khoi-Khois aus? Ohne gemeinsame Sprache und Worte sind wir isoliert, sind wir uns selbst und unseren Gedanken überlassen, ohne eine Möglichkeit, sie auszudrücken.

Es gab eine Zeit, in der die ganze Erde eine Sprache und einen gemeinsamen Wortschatz hatte. Obwohl Uropa Noah noch 350 J nach der Flut lebte und von dem Namen Gottes predigte, ging einige große Gruppe einen eigenen Weg. Sie ließen sie sich an einem Ort nieder und begannen, ehrgeizige Pläne zu schmieden. „Lasst uns eine Stadt bauen und einen Turm, der bis in den Himmel reicht. Wir haben die Technologie dazu: Wir brauchen nicht mehr raue Steine aus der Natur, nein, wir machen unsere eigenen Ziegel. Und wir mauern sie mit Mörtel zusammen, den wir selbst zusammenmischen, das klappt famos, nach oben gibt es keine Grenzen! Mit der richtigen Technologie und dem richtigen Team und der richtigen Organisation machen wir uns selbst einen Namen.“

Nach oben gibt es keine Grezen! Das denken auch wir, wenn wir alles von der Technologie erwarten. Wir Menschen sind stolze Geschöpfe. Von allen Kreaturen, die auf der Erde leben, sind wir die einzigen, die Macht haben, die Dinge so zu gestalten, wie es uns gefällt. Das Tier passt sich an seine Umwelt an. Der Mensch hingegen passt seine Umwelt an sich an. Wenn es zu kalt ist, erzeugen wir Wärme. Wenn es zu heiß ist, kühlen wir die Luft. Das können wir tun. Wir erfinden Dinge. Ziegelsteine und Mörtel stehen in dieser Geschichte für unseren Erfindungsreichtum, unsere Fähigkeit, die Umwelt nach unseren Vorstellungen zu verändern. Das nennen wir auch Technologie. Wir machen Dinge, wir ändern Dinge, machen es uns gemütlich, verlängern das Leben. Das können wir tun; alles von den großen Fortschritten der medizinischen Wissenschaft bis hin zu Dingen wie Supercomputern und dem Internet. Gott hat diese Dinge nicht gemacht. Wir waren es. Wir haben sie erfunden. Wir  sind sehr eingenommen, beeindruckt von der Technologie, was der Mensch kann.

Der Herr war aber nicht so beeindruckt, als er hinunterblickte, um die Stadt zu sehen, die der Mensch da bauen wollte. Wie ein göttlicher Bauinspektor schaut der Herr über die Pläne für die Stadt der Menschen mit ihrem Wolkenkratzer-Turm, und sagt: „Das ist nicht gut. Das ist nur der Anfang von dem, was sie tun werden, und sie sind zu so ziemlich allem fähig.“ Nach oben gibt es keine Grenzen! Manchmal sagen Leute: „Wenn wir nur alle zusammenkämen und auf derselben Seite wären, könnten wir soviel, fast alles erreichen.“ Und das ist wahr. Wenn wir die schlausten und kreativsten und begabtesten Menschen vereinigen könnte, dann könnte die Menschheit buchstäblich fast alles erreichen. Aber es gibt ein Problem. Im Apfel steckt ein Wurm, im Herzen ein Gift, die Menschheit ist korrupt, von der Sünde beschädigt, verdorben. Wir sind allesamt Sünder, jeder von uns auf sich selbst bezogen. Wir mögen zu fast allem fähig sein, wenn wir nur zusammenkommen, aber sündig zu sein bedeutet, dass wir auch zu großem Bösen fähig sind. Auch für die Sünde gilt: Nach oben gibt es keine Grenzen! Und so nimmt in unserer durchtechnologisierten Welt das Böse nicht ab, sondern zu. Schuld ist nicht die Technologie – Technologie ist an sich neutral – sondern des Menschen Herz.

Gott weiß das. Deswegen greift er ein. Er stiftet ganz absichtlich Verwirrung, ein totales Chaos unter den Menschen, um sie auseinander zu treiben. Er verwirrt die Sprache und die Wörter, so dass die Menschen einander nicht verstehen können. Der Ort, wo Gott das tat, war Babel, kurz für Babylon, kurz für Brabbeln, für die Stadt der Menschen, die Stadt, die der Mensch mit seinen Ziegelsteinen und Mörteln und Technologie und seiner Arroganz baut. Die Stadt, in der der Mensch versucht, Gott zu sein und sich durch seine eigenen Werke unsterblich zu machen, einen Namen zu machen und so ewig zu leben. In Babel greift Gott ein, er schützt die Menschen, indem er sie auseinander treibt. Er verwirrt die Sprache, um ihren Ehrgeiz und ihre Ansprüche und ihr Streben zu begrenzen. Und es funktioniert. Die Sprache trennt uns. Sie ist eine Barriere. Das ist die Geschichte Südafrikas und die Geschichte der Welt. Immer wieder hört man in den Medien, wie Menschen von „eine Welt“ dies und „eine Welt“ das reden, durch Technologie soll das alles möglich werden. Aber bei dem ganzen „eine Welt“ Gerede gelangt Gott gar nicht ins Bild. Er denkt nicht, dass dies „eine Welt“ Denken eine besonders gute Idee ist. Deshalb lässt er Landesgrenzen an ihrem Platz. Deshalb nimmt er sogar Spaltungen in der Kirche in Kauf. „Eine Welt“ wird nichts Gutes bewirken, wenn wir uns alle „zusammentun“. Alles, was wir Sünder tun werden, ist, uns einen großen Namen zu machen, anstatt den Namen Gottes zu heiligen. Wir sagen, nach oben sind keine Grenzen. Die Sünde sagt: nach unten sind keine Grenzen.

„Eine Welt“ ist nicht Sache der Menschen. Jeder menschlicher Versuch nach einer heilen Welt im Namen der Menschen geht letzlich in Gotteslästerung aus. „Eine Welt“ ist Sache Gottes. An Pfingsten, fünfzig Tage nach Jesu Auferstehung, wird die Verwirrung von Babel ansatzweise aufgelöst. Denn nun beginnt Gott selbst, „eine Welt“ zu schaffen. Aber unbedingt nach seinem Wort, nach seinem Willen, in seinem Namen, und nur durch den Glauben. Die Verwirrung der Sprachen bleibt auch noch in der Kirche, aber durch die Mission wird durch den Heiligen Geist die gute Nachricht von Jesus zunehmend in allen Sprachen und Dialekten der Welt gehört. Gott schützt die Welt weiterhin durch die Verwirrung, weil wir immer noch Sünder sind, aber er bringt die Nationen, Stämme, Völker und Sprachen der Welt zusammen in einem Herrn, einem Glauben, einer Taufe, einer Erlösung, einem Tod und einer Auferstehung. Es ist nicht nur so, dass die Apostel in all diesen Sprachen redeten, sondern jeder hörte sie in seiner eigenen Muttersprache und seinem eigenen Dialekt predigen, und nichts sagt so sehr „für dich“, wie das Evangelium von Jesus in deiner eigenen Muttersprache zu hören.

Pfingsten ist der Anfang vom Ende, der Beginn der Mission Christi, die Welt zu Jüngern zu machen durch das Taufen und das Lehren. Petrus sagt es, es sind die letzten Tage, in denen Gott den Geist über alles Fleisch ausgießt, wie es lang prophezeit war. Pfingsten war ursprünglich ein Erntedankfest. Pfingsten heißt bedeutet „50“ – 50 Tage nach dem Fest der ungesäuerten Brote kam die Ernte der ersten Früchte. 50 Tage nach der Auferstehung Jesu kommt die Ernte der Erstlingsgaben, der ersten Früchte seines Sieges über Sünde, Tod, Hölle und das Gesetz in den 3 000, die an diesem Tag getauft wurden. Hier an Pfingsten, an einem Sonntag, 50 Tage nach dem weltbewegenden Sonntag, an dem Jesus von den Toten auferstand, feiert die Kirche ihr erstes Erntedankfest.

Um Wörter sprechen zu können, muss man Atem haben. Vor jedem Satz, den wir sprechen, atmen wir ein. Kein Atem, keine Wörter. An Pfingsten geht es um den Atem. Es ist der Atem, der Leben in die geformte Erde hauchte und Adam zu einem lebendigen Wesen machte. Es ist der Atem, den Jesus seinen Aposteln einhauchte, als er sie aussandte, um seine Vergebung zu verkünden und sagte: „Nehmt hin den Heiligen Geist.“ Der Heilige Geist ist der Atem und das Feuer der Kirche. Der Heilige Geist ist der Geist von Christus. Jesus sagt: „Ich gehe hin und komme wieder zu euch.“ Indem er weggeht, kommt er zu uns auf geheimnisvolle, tiefgründige Weise. Indem er zum Vater weggeht, kommt er durch den Geist zu uns. Indem er weggeht, kann er nicht mehr gesehen werden, aber jetzt kann er gehört werden. Er kommt zu uns durch das vom Geist vermittelte Wort, das die gute Nachricht von Vergebung, Leben und Erlösung in deiner eigenen Sprache in deine Ohren predigt. Es ist für dich. Der Heilige Geist ist nicht der Ersatz für Jesus, sondern der Agent, der die Worte Jesu in unsere Ohren liefert und Glauben im Herzen zündet, damit wir Christus hören und Christus vertrauen und uns im Glauben an Christus klammern.

Wenn der Geist uns nicht sammelt, werden wir zerstreut. Die schützende Verwirrung bleibt über der Menschheit, um uns vor unserem eigenen Hochmut zu bewahren. Das, was wir in dieser Welt tun und bauen, die menschliche Technologie, das wird alles vergehen. Wie oft versuchen wir nicht verzweifelt, uns selbst einen Namen zu machen durch unsere Arbeit, durch unser Streben, damit wir etwas bedeuten, damit man an uns denkt, wenn wir nicht mehr da sind. Aber je älter wir werden, desto mehr merken wir, dass das nicht geht. Und das betrübt uns, weil wir merken, wie vergeblich dieses Streben alles war. Aber das ist es ja gerade: Du bist nicht, was du tust oder getan hast. Du brauchst dir keinen Namen zu machen. Dafür sorgt Gott der Herr. Der Hauch von Pfingsten sagt uns, dass das Neue in Jesus bereits gekommen ist. „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.“ Eine, die bleibt! Eine, die einen Namen hat, von Gott hat, sodass Gott selbst ewiglich an uns denkt. Das macht uns frei um einfach in Gott zu sein. Wir werden alle wieder eins sein, eines Tages, bald. Wir werden alle wieder eine Sprache und dieselben Wörter haben, so wie wir jetzt einen Herrn haben, einen Glauben, eine Taufe, einen Gott und Vater von uns allen. Es wird nicht durch unser Tun und Geschick geschehen, sondern wenn der Geist Christi uns von den Toten auferweckt und versammelt, wie wir schon in Christus versammelt sind, um eine einzige heilige Gemeinschaft in der Stadt unseres Gottes zu sein, die nicht von unten, sondern von oben kommt. Danach sehnen wir uns, darauf hoffen wir, darum beten wir. Amen.


Pfingsten (Die Kirche des Geistes)

Wochenspruch
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Introitus – Nr. 39 (oder Nr. 40) (Weisheit 1, 7; Psalm 118, 16)

Epistel

Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.”

Apostelgeschichte 2, 1 – 18

Hauptlied Komm, Heiliger Geist, Herre Gott 215

Evangelium

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Johannes 14, 23 – 27