Die Gnade unseres Herrn, Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen.
Text: 2. Mose 32, 7 – 14
7Der HERR sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. 8Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. 9Und der HERR sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. 10Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen.
11Mose aber flehte vor dem HERRN, seinem Gott, und sprach: Ach, HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? 12Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. 13Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. 14Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.
Lasst uns beten: Herr Gott, lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein Wort in dem wir deinen Zorn über die Sünde, aber auch deine Liebe zu den Sündern erkennen können! Über alles danken wir dir auch für die Ermutigung, dass wir unsere Bitten und Fürbitten vor dich bringen sollen, weil du sie hören wirst! Komm, lieber Herr, und segne jetzt unser Reden und unser Hören. Amen.
Im Namen unseres gnädigen Gottes, liebe Gemeinde
Wir kennen alle wahrscheinlich die Berichte von dem, was die Israeliten in Ägypten und auf ihrem Weg durch die Wüste, bis hierher erlebt hatten! Die biblischen Geschichten von Joseph, der Sklaverei in Ägypten, Mose, den zehn Plagen und der endgültigen Befreiung, haben wir schon seit unserer Kindheit im Gedächtnis! Wir kennen deshalb auch diese Geschichte von dem goldenen Kalb, von der unser Text heute berichtet! Wie Gott Mose auf den Berg hatte kommen lassen und wie er selber unter großem Erdbeben und in Rauchwolken verhüllt, auf den Berg herniederkam! Und gleich da, sozusagen in der Gegenwart Gottes, wurde das Volk innerhalb von nur 4 Wochen schon unruhig und ungeduldig!
Als Mose immer noch nicht vom Berg zurückgekommen war, entschlossen sie sich, um ihre eigenen Regelungen für eine „neue“ Gottheit, der sie dienen und folgen wollten, zu machen! Das „Lied des Mose“, das sie Gott aus Dank für die Errettung am Roten Meer gesungen hatten, musste vielen von ihnen ja eigentlich noch in den Ohren klingen! Und dennoch hatten sie so bald nach dieser wunderbaren Rettung schon beschlossen, dass der lebendige Gott ihnen den Rücken gekehrt hatte! Sie sagten, dass Gott, und auch Mose sie nun wohl doch, mitten in der Wüste, im Stich gelassen hatten!
Und dann haben sie sich ihren eigenen Götzen gemacht, nämlich in der Form von dem bekannten und zum Sprichwort gewordenen „goldenen Kalb“! Sie waren sogar bereit um große Opfer dafür zu bringen, wie wir es in den ersten Versen aus unserem 32. Kapitel sehen können, nämlich: „1Als aber das Volk sah, dass Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat. 2Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und Töchter und bringt sie zu mir. (Das, so nebenbei, waren alles Geschenke von den Ägyptern, die sie dem Volk beim Auszug mitgegeben hatten; 2. Mose 12, 35 – 36). 3Da riss alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. 4Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat! 5Als das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und ließ ausrufen und sprach: Morgen ist des HERRN Fest. 6Und sie standen früh am Morgen auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer dar.“
Liebe Gemeinde, damit hatten sie aber einen sehr großen Fehler gemacht! Sogar während Gott scheinbar nicht anwesend, und für sein Volk sichtbar war, hatte er aber dennoch auf das, was sie taten, geachtet! Das gilt auch heute noch für uns! Wir haben auch oft, wenn wir in Not und Anfechtung sind, den Eindruck, dass Gott uns verlassen hätte! Aber, wir können uns darauf verlassen, dass er trotzdem für uns da ist, und über unsere Not immer noch sehr genau Bescheid weiß! Als er deshalb sah, was Israel getan hatte, wurde er zornig! So viel für Aarons Ankündigung, dass das Fest um das goldene Kalb, in der Ursprache, „Jahwes Fest“ sein sollte! Gerade vor dieser Begebenheit (Kapitel 20, 1) hatte Gott, den sie als Jahwe kannten, ihnen ja schon im 1. Gebot gesagt, wer er ist, und was er von ihnen erwartete, nämlich: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen!“
Aus diesem Bericht erkennen wir, dass Gott das Brechen seines Bundes, den er 2. Mose 19, 5 – 8 mit seinem Volk gemacht hatte, nicht akzeptieren konnte! Er hatte sich sogar vorgenommen sie deswegen von dem Erdboden auszuwischen! Dieses ist das zweite, das wir aus diesem Text neu lernen und erkennen müssen! Gott wird auch heute noch zornig, wenn die Menschen sich von ihm und seinen Geboten abkehren, und anfangen, um ihren eigenen „goldenen Kälbern“, was immer das sein mag, zu dienen! Wenn wir uns von dem wahren Gott, der seinen Sohn zu unserer Erlösung in diese Welt geschickt hatte, abwenden, dann verletzen wir Gottes Gefühle nicht nur so’n bisschen, wie, „ach shame, sorry man“! Nein! Wir bringen dadurch seinen gerechten Zorn und seine schwere Strafe auf uns!
Liebe Gemeinde, dieses ist keine beliebte Botschaft! Besonders nicht wo die Leute heutzutage allgemein nur von einem „lieben Gott“ reden, der zu allem was sie tun immer nur ein Auge zudrücken, und mit dem Kopf nicken soll! Deshalb wird die Kirche auch oft kritisiert weil sie gerade diese biblische Wahrheit von der Sünde, und von der Notwendigkeit der Vergebung, den Menschen sagt! Die Lage ist allerdings so ernst, dass, wenn auch die Kirche diese Wahrheit nicht mehr verkündigen würde, das den Zorn Gottes über die Sünde nicht weniger machen würde! Wenn wir aber genau auf diese Botschaft in unsrem Text hören, werden wir drittens merken, dass, obwohl Gott die Sünde hasst, er aber auch gleichzeitig uns Sünder über alles liebt! Deshalb hat er auch zu Karfreitag und Ostern alles drangesetzt, damit wir erlöst und gerettet werden können!
Das wird ganz deutlich in unserem Text gesagt und betont! Gott war bereit um auf das Fürbittengebet, das Mose für das Volk vor ihn gebracht hat, zu hören! Das ist auch der Grund, weshalb dieser Text für diesen Sonntag von dem Beten und dem Gebet, ausgesucht wurde! Als Gott seine Strafe über das Volk schon fertig beschlossen und angekündigt hatte, tat Mose nämlich etwas ganz Außergewöhnliches und Besonderes! Statt, dass er von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht hat, um selber als Vater des neuen Volkes Gottes, groß und berühmt zu werden, trat er für dieses sündige Volk, mit seinem Gebet um Gottes Gnade, ein!
Liebe Gemeinde, wie leicht hätte Mose Gott freie Bahn lassen können, um seine Drohung gegen diejenigen, die dabei waren, ihr goldenes Kalb anzubeten, durchzuführen! Aber, stattdessen trat er wie ein erfahrener Advokat zwischen Gott und sein abgefallenes Volk, und flehte für sie um Gnade! Als erstes hielt er Gott seine Ehre vor den heidnischen Völkern, und besonders den Ägyptern, vor! In den Versen 11 & 12 lesen wir: „Ach, HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? 12Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst.“ Mose erinnerte Gott an seine mächtigen Taten, die er schon an seinem Volk getan hatte. Das waren ja alles Zeichen seiner Macht über die Heiden, die er dazu getan hatte, um seinen Heilsplan weiter zu führen, und um das Vertrauen seiner Leute zu gewinnen! Deshalb fragt Mose: „Sollte das vielleicht alles umsonst gewesen sein? Denk doch einmal an den Spott der Heiden gegen dich, du allmächtiger Gott!“
Und zweitens erinnerte Mose Gott an sein Versprechen, dass er Abraham, Isaak und Jakob gegeben hatte! Da hatte Gott ja gesagt, dass er ihre Nachkommen zum großen Volk machen wollte und, dass durch einen von ihren Nachkommen, alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden sollten! „13Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig.“ Ihr Lieben, Gott hatte natürlich das volle Recht um das abgefallene Volk Israel zu strafen und um sie sogar zu vernichten, weil sie seinen Bund von ihrer Seite gebrochen hatten! Gott könnte deshalb auch nicht beschuldigt werden, dass er sein Versprechen, das er Abraham gegeben hatte, gebrochen hätte, wenn er die Leute am Berg Sinai gestraft hätte, weil sie von ihm abgefallen waren!
Und zum Schluss lesen wir dann noch die beinahe undenkbaren Worte, die uns die Gnade Gottes so deutlich zeigen, nämlich: „Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.“ Das ist, viertens, wirklich ein ermutigendes und trostreiches Wort auch für uns alle! Gott hat seine Meinung und seinen Beschluss tatsächlich geändert, wegen der Fürbitte eines Menschen, Mose! Wie viel mehr wird er nicht hören auf die Fürbitte seines Sohnes, der auf dem Hügel Golgatha am Kreuz gebetet hat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Und wegen dem Tod Jesu, haben wir nun mit unseren Gebeten sogar direkten Zugang zu Gott bekommen! Ob das nun die Gebete für uns selbst sind, oder die Fürbitten für unsere Lieben, besonders für diejenigen, die vielleicht auf Abwegen sind! Gott ist wirklich bereit, darauf zu hören und, um sogar mit der wohlverdienten Strafe zu warten, um ihnen noch Gnadenzeit zur Umkehr zu geben!
Liebe Brüder und Schwestern; Gott steht unseren Gebeten, und besonders den Fürbitten nicht kalt und teilnahmslos gegenüber! Er war bereit, ein ganzes Volk von Götzendienern zu verschonen, wegen dem Gebet eines Mannes! Wie viel mehr wird er nicht unsere Gebete, die wir im Namen seines Sohnes sprechen, hören, und zu seiner Zeit auch darauf reagieren?
Lasst uns deshalb nie aufgeben, um zu beten, weil wir wissen, dass Gott jedes Gebet, das im Namen seines Sohnes gesprochen ist, hören wird. Amen.
Wir beten: Herr, du allmächtiger Gott, wir stehen vor dir, beschämt in dem Wissen, dass du bereit bist, auf unsere Gebete zu hören, und deshalb sogar dein Urteil über uns Sünder zu ändern! Im Namen Jesu danken wir dir für diese Gnade und bitten, schenk uns immer wieder den Mut und die Kraft, dass wir niemals mit dem Beten aufhören, besonders nicht für diejenigen, die wir in Gedanken vielleicht schon abgeschrieben haben! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.
Lehrpredigt zum Sonntag Rogate 2021 – Kirchdorf (Traktatus 2)
Gnade sei mit euch, und Friede von dem, der da ist, der da war, und der da kommt, von unserem Herrn, Jesus Christus. Amen.
Text: Lukas 22, 24 – 27: Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten solle. 25Jesus aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. 26Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. 27Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist’s nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
Lasst uns beten: Jesus Christus herrscht als König, / alles wird ihm untertänig, / alles legt ihm Gott zu Fuß. / Aller Zunge soll bekennen, / Jesus sei der Herr zu nennen, / dem man Ehre geben muss. (LG 209, 1). Komm, lieber Herr und segne jetzt unser Reden und unser Hören. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Am vorigen Sonntag hat unser Pastor uns eine Einführung in ein, für viele von uns wahrscheinlich unbekanntes Dokument, bekannt als „Traktat über die Gewalt und den Primat, (die Oberherrschaft) des Papstes“, gegeben. Zur Klarheit, wiederhole ich daraus noch einmal einiges als Einleitung.
Dieses relativ kleine Dokument, das nur etwa 20 gedruckte Seiten umfasst, wurde im Jahr 1537 von Philip Melanchthon zusammengestellt. Er tat das im Auftrag von dem Konvent des sogenannten Schmalkaldischen Bundes, der eine Zusammenschließung der evangelischen Theologen und Kurfürsten war. Dieses Dokument entstand also ungefähr zur gleichen Zeit, als Dr. Martin Luther die Schmalkaldischen Artikel zusammengestellt hat. Es sollte aber ursprünglich zur Augsburgischen Konfession hinzugefügt werden.
Weil da nämlich in der Augsburgischen Konfession von 1530, aus sicheren Gründen, sehr wenig zu der Position des Papstes gesagt wurde, wollte man dieses nun, nachdem man gesehen hatte in welche Richtung der Papst dachte, mit diesem Traktat nachholen. Dieser Traktat wurde dann aber endgültig doch nicht dem Augsburger Bekenntnis zugefügt, sondern wurde, wegen der Themengleichheit, endlich den Schmalkaldischen Artikeln angehängt.
Es geht in dieser Schrift nicht um allerlei Undinge, die verschiedene der Päpste sich zur Zeit der Reformation im weltlichen Bereich geleistet hatten. Sondern, es geht hier nur darum wie, und worin das päpstliche Amtsverständnis, auch in Bezug auf die Kardinäle und Bischöfe, von den Aussagen der Bibel zu diesem Thema, abgewichen war!
Dazu wollen wir auch noch einmal die drei Hauptklagen gegen den Papst aus der Einleitung von unserem Traktat hören, nämlich: Der Römische Bischof (das ist der jeweils amtierende Papst) nimmt für sich, seit dem Jahr 1302, in Anspruch, dass er im Auftrag Gottes über allen Bischöfen und Pastoren (auf der ganzen Welt) steht. Dem fügt er zweitens noch hinzu, dass er im Auftrag Gottes beide Schwerter innehabe, d.h., dass er die Vollmacht nicht nur im kirchlichen Bereich, sondern auch im weltlichen Bereich von Gott bekommen hat. Und drittens behauptet er, dass die Menschen diese beiden Punkte als einen Glaubensartikel annehmen müssen, um selig zu werden.
Ihr Lieben, dagegen haben die Lutheraner sich natürlich heftig beschwert! So heißt es weiter in der Einleitung: „Wir meinen und bekennen, dass diese drei Artikel falsch, gottlos, tyrannisch und für die Kirche schädlich sind!“ Um diesen Protest besser zu verstehen, muss man auch wissen, dass die RKK bis heute noch dabei steht, dass kein Mensch auf der ganzen Welt, der oder die nicht die Ordination unter päpstlicher Anordnung, und von einem, durch den Papst dazu verordneten Diener der RKK bekommen hat, die Sakramentsverwaltung gültig und schriftgemäß ausführen kann! Dazu werden wir in den kommenden Wochen wohl noch einiges hören! Und, damit sind wir dann endlich bei dem Thema für diese Predigt angekommen, nämlich: „Wer hat (denn nun wirklich) die Vollmacht in der Kirche?“
Die Antwort auf diese Frage wurde auch am vorigen Sonntag schon kurz genannt, nämlich: „Im Wesentlichen glaubt, lehrt und bekennt die lutherische Kirche, dass der gekreuzigte, der auferstandene, der lebendige Herr Jesus Christus selbst in dieser Welt und besonders in seiner Kirche am Werk ist, dass er sie selbst führt und leitet, und Menschen dazu beruft und einspannt, sich daran zu beteiligen, dabei zu helfen, nicht aber die Arbeit von ihm zu übernehmen. Und das schafft er alles allein durch sein lebendig machendes und kräftig wirksames Wort.“ Aber, um es mit dem Kleinen Katechismus zu fragen: Wo steht das geschrieben?
Liebe Gemeinde, als erstes bezieht sich unser obengenannter Text auch im Traktat, sehr direkt auf dieses Thema. „Hier verbietet Jesus nämlich sehr deutlich eine Vorherrschaft unter den Aposteln! Und er gebietet ihnen, dass unter ihnen keine Herrschaft oder Vorrang sein soll, sondern dass er sie als Gleiche zum gemeinsamen Dienst am Evangelium, (nach seinem Vorbild des Dienens), entsendet“. Das bekräftigt er dann auch am Abend der Auferstehung, und sagt ganz deutlich, wer hier der Sendende ist, nämlich er, der auferstandene Herr, selber! So lesen wir es bei Johannes 20, 21 – 23: Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Und am Tag seiner Himmelfahrt spricht er dazu auch noch, die uns bekannten Worte: Matthäus 28, 18 – 20: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Im Brief an die Epheser sagt uns Gott in seinem Wort dann auch ganz genau, wie seine Kirche zusammengestellt sein soll, nämlich: Epheser 4, 15 – 16: Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, 16von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft, und macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe.
Auch in dem Buch der Offenbarung wird der auferstandene Herr, Jesus Christus immer wieder als Herr der Kirche bestätigt, z.B. im 3. Kapitel, 7 lesen wir: Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf. Und so gibt es noch viele Stellen in der Bibel, die genau diesen Punkt bestätigen!
Aber nicht nur die Bibel, sondern auch die Geschichte der Urkirche sagt es uns, dass es dieser Art menschliche Autorität, die der Papst in Rom für sich beansprucht, in den Kirchen über viele Jahrhunderte hinweg nicht gegeben hat! So lesen wir es auch in unserem Traktat zu Recht, nämlich: „Jene Oberhoheit ist unmöglich. Denn es ist unmöglich, dass ein einziger Bischof der Aufseher der Kirchen des ganzen Erdkreises ist, oder dass Kirchen, die in abgelegenen Gebieten liegen, von einem einzigen die Ordination begehren.“
Ihr Lieben, das Problem, wodurch unser „Elefant“ vom vorigen Sonntag ins Zimmer gekommen ist, dreht sich aber eigentlich um die Person des Apostels Petrus, der ja gegen Ende seines Lebens auch in Rom als Pastor/erster Bischof amtiert hatte. In Anlehnung an die Textstelle bei Matthäus 16, wo es um das Bekenntnis des Petrus geht, hat man diese Stelle in Rom auf das Amt aller dortigen Nachfolger im Bischofsamt bezogen, und versucht, sich selber dadurch eine bevorzugte Position zu geben.
Dazu lesen wir aber in dem Traktat Folgendes: „In allen diesen Sprüchen (Mt 16, usw.) spielt Petrus (immer nur) eine kollektive Rolle für die Gesamtheit der Apostel, wie aus den zitierten Texten selbst hervorgeht. Denn Christus fragt nicht Petrus allein, sondern sagt: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ Und in der Parallelstelle bei Johannes 6, 66 – 69 lesen wir: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm 67Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen? 68Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Es wird also meistens, und im Kontext eigentlich immer in der Mehrzahl geredet, so, dass man daraus deutlich erkennen kann, dass es sich auf jeden Fall nicht alles nur um die Person des Apostels Petrus allein dreht! Sondern, den Sendebefehl und die Beauftragung zum Dienst in seiner Kirche hat Jesus auf jeden Fall immer an alle Apostel gerichtet! Deshalb können wir auch mit gutem Gewissen die Ansprüche des Papstes ignorieren!
Wir dürfen es wissen und bekennen, dass unser Heiland Jesus Christus allein die Vollmacht in der Kirche hat, und nicht irgendein Mensch, und wenn es auch der Papst in Rom sein sollte! Und, er, Jesus Christus wird seine Vollmacht auch weiterhin zu unserem Heil behalten und einsetzen, zu unserer Seelen Seligkeit! Amen.
Wir beten: Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass wir die Gewissheit haben, dass du allein die Vollmacht in deiner Kirche hast! Wir bitten dich, erhalte uns in unsrem Glauben an dich, bis wir dich in Ewigkeit loben, und dir für unsre Erlösung danken werden.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.
Rogate (Die betende Kirche)
Wochenspruch
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66, 20
Introitus – Nr. 36 (Johannes 16, 24b; Psalm 95, 1 – 2)
Epistel
So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.
1. Timotheus 2, 1 – 6a
Hauptlied
Zieh ein zu deinen Toren 221
Vater unser im Himmelreich 399
Evangelium
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. [Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht mehr in Bildern. Nun wissen wir, dass du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass dich jemand fragt. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist. Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt ihr? Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.] Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Johannes 16, 23b – 28 [29 – 32] 33
liturgische Farbe: weiß
Festzeit: Österliche Freudenzeit
Wochenspruch: Ps 66,20
Wochenpsalm: Ps 95
Eingangspsalm: Ps 118
Epistel: 1. Tim 2,1-6a
Evangelium: Joh 16,23b-28 (29-32) 33
Predigttext: Lk 11,5-13
Wochenlied: 133 und 344
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Joh 16,23b-28 (29-32) 33
II: 1. Tim 2,1-6a
III: Lk 11,5-13
IV: Kol 4,2-4 (5-6)
V: Mt 6,(5-6) 7-13 (14-15)
VI: 2. Mose 32,7-14