Gott macht wunderbar deutlich, welch schiere Kraft in seinem Wort steckt. Schärfer als ein zweischneidiges Schwert, durchdringt alles, macht Herzen offenbar, kehrt nicht leer zurück, tut, wozu er es sendet. So. Warum scheint das unfehlbare Wort denn nicht unfehlbar zu wirken?
Warum scheint es tatsächlich leer zurückzukehren? Warum fallen getaufte Christen vom Glauben ab? Warum schrumpfen Kirchen in westlichen Ländern? Warum sehe ich nicht mehr Fruchtbarkeit des Wortes Gottes in meinem eigenen Leben und im Leben der Christen um mich herum? Das Gleichnis Jesu vom Sämann geht diesen Fragen auf den Grund.
Das Gleichnis ist ganz einfach, und Jesus erklärt es seinen Jüngern, damit sie es nicht falsch verstehen. Es ging ein Sämann aus, zu säen, und er streut den Samen überall hin. Er fällt auf vier verschiedene Arten von Boden – auf den Teerweg; auf steinigen Boden; unter Bonga-Bonga, Cadolos und Khakibos; und auf guten, fruchtbaren Boden. Und natürlich ist der einzige Boden, auf dem die Saat zur Ernte führt, der fruchtbare Boden, und er trägt hundertfach Frucht.
„Wer Ohren hat zu hören, der höre.“ „Ohren zu hören“ sind nicht unbedingt saubere Ohren oder schöne Ohren, sondern Ohren, die zuhören, Ohren des Glaubens, die auf die Wellenlänge von Jesus und seinem Tod und Auferstehung eingestellt. Ohren, die die Stimme ihres Hirten hören. Der gute Hirte erklärt das Gleichnis: Der Same ist das Evangelium des Reiches Gottes, d.h. der Same ist Jesus selbst, der verheißene Same. Die Böden sind die verschiedenen Zustände des Herzens. Fangen wir an mit dem Teerweg. Der Teerweg ist das ungläubige, verstockte Herz. Es hört das Evangelium, aber es prallt an dem verhärteten Herzen wie von einem Panzer ab. Das passiert, wenn Menschen das schöne Wort von der Vergebung in Jesus hören, aber nicht glauben, dass sie Vergebung brauchen. Das Gespräch läuft in etwa so ab: „Jesus Christus ist für deine Sünden gestorben.“ „Sünden? Nennst du mich einen Sünder?“ „Ja, und Jesus ist für Sünder gestorben, d.h. auch für dich.“ „Was fällt dir eigentlich ein? Ich bin kein Sünder! Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich fluche nicht, ich bin ein anständiger Mensch. Ich bin nett zu Tieren und tu niemandem was zuleide. Wofür brauche ich Vergebung?“ „Christus ist für Sünder gestorben.“ „Na, wenn das so ist, dann ist er nicht für mich gestorben, denn ich gehöre nicht zu diesen Sündern.“ Ein hartes Herz, ein Herz, das nein sagt. Die einzige Sünde, die nicht vergeben kann, ist Gott abzulehnen, ist die Weigerung, Buße zu tun, Vergebung zu empfangen. Deshalb müssen wir jede Woche daran erinnert werden: „wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns“. Die Wahrheit ist, dass alles, was wir tun, so sehr von unserer Sünde befleckt ist, dass sogar unsere guten Werke Vergebung brauchen. Und wenn du das nicht glaubst, wird das Evangelium an deinem harten Herzen abprallen wie Saat am Teer. Und dann kommen die Vögel, d.h. der Teufel, und schnappt es weg.
Wir denken nicht an das Evangelium als Vogelfutter, das vom Teer aufgepickt wird. Luther schon. Er sagte, das Evangelium ist wie ein fahrender Platzregen; es regnet Evangelium eine Zeit lang an einem Ort, aber wenn Menschen davon müde werden, zieht er weiter und hinterlässt eine geistliche Wüste. Betet, dass das hier nicht passiert! Es wird brenzlig. Auch in dieser Gegend wird Menschen eingetrichtert, ihrem Herzen zu folgen, nicht dem Wort; sich eher auf ihre Gefühle zu verlassen als auf das Wort Christi; sich selbst gut zu fühlen, anstatt sich selbst abzusterben, sich selbst zu verleugnen und Christus nachzufolgen.
Vom Samen fällt auch einiges auf den Fels. Auf oberflächlichen Boden. Das ist das oberflächliche Hören. Man hört das Evangelium von Jesus und hat die Freude, Freude, Freude tief im Herzen. Aber ein Glaube, der sich auf Gefühle verlässt, ist ein Glaube ohne Wurzeln, ein oberflächlicher Glaube, der die Hitze der Verfolgung, der Mühsal und der Anfechtung nicht standhält. Das passiert, wenn man sein Herz als Barometer für Gottes Gegenwart und das Wirken des Geistes benutzt. Ein Glaube, der auf Gefühlen beruht, hat keinen Bestand. Damit will ich Gefühle nicht herunterspielen. Jeder hat Gefühle. Wir sind emotionale Wesen. Aber emotional ist nicht dasselbe wie spirituell. Es ist der Trick des Teufels, Gefühle mit dem Glauben zu verbinden. Das ist die Grundlage aller religiösen Schwärmerei. Ein Glaube, der auf Gefühlen baut, kann die Anfechtung nicht überstehen, kann nicht bestehen unter dem Schwert des Islam oder dem Hammer und der Sichel des Kommunismus. Dafür braucht man den Samen von außen – Wort, Taufe, Absolution, Leib und Blut. Etwas, das von außen kommt, das sicher ist, egal wie du dich fühlst.
Vom Samen fällt auch einiges unter die Dornen. Die Dornen sind die Sorgen dieser Welt und, so sagt es Gottes Wort, auch der Reichtum. Erst die Sorgen: was werden wir essen, was werden wir anziehen, wie werden wir überleben. Dann der Reichtum: Häuser, Länder, Investitionen, Pensionen. Es ist kein Zufall, dass die zwei reichen Männer in Jesu Gleichnissen beide in der Hölle enden. Paulus warnt, dass die Liebe zum Geld die Wurzel alles Übels ist, und dass einige Menschen auf der Suche nach Reichtum schon ihre eigene Seele verloren haben. Hier ist ein guter Test, festzustellen, wie verunkrautet dein Boden ist: Was hält dich davon ab, das Wort Gottes zu hören, wenn es da ist? Was hält dich vom Gottesdienst weg? Was auch immer es ist, das ist Unkraut, das das Wort erstickt und daran hindert, fruchtbar zu sein.
Und dann gibt es noch die Saat, die auf guten Boden fällt. Der bringt hundertfache Ernte. Boden kann sich nicht selbst fruchtbar machen. Harter Boden muss gelockert werden. Es muss etwas dazugegeben werden. Der Boden braucht Nährstoffe, er muss gedüngt werden, weise bepflanzt werden. Hartgebackene Wüstenerde kann sich nicht selbst in guten Boden verwandeln. Steine räumen sich nicht selbst aus einem Feld. Unkraut zieht sich nicht selbst aus. Sünder können sich nicht selbst für das rettende Wort Jesu öffnen. Sie werden ihn nicht hereinlassen, egal wie oft er anklopft. Wir tun nicht von selbst freiwillig Buße. Wir müssen dazu gebracht werden.
Gottes Gesetz muss den harten Boden aufbrechen. Unsere Selbstgerechtigkeit muss kaputt gemacht werden, wenn Jesu Wort in uns fruchtbar werden soll. Das aber verleiht uns eine andere Perspektive. Das ist der Grund, aus dem der Apostel sagen kann: Meine Brüder und Schwestern, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallt… Selig ist, wer Anfechtung erduldet… (Jak 1) ja, sogar: wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt. (Röm 5,3) Über Bedrängnis und Anfechtung habe die Freude, Freude, Freude, Freude tief in deinem Herzen, sei froh, wenn jemand dich mit deiner Sünde konfrontiert, wenn du die Schmerzen von Schuld und Scham spürst, wenn du auf frischer Tat ertappt wirst, wenn du Krankheit und Schwäche erlebst, wenn der liebe Gott dir deine Abgötter wegnimmt, wenn der Spiegel des Gesetzes dir die Wahrheit zeigt von dem, was du ohne Jesus bist. Wenn du dich bedrängt fühlst, verfolgt, wenn du leidest, was auch immer es ist: Freue dich! Gehe auf die Knie und danke Gott für dein Leid und Elend. Er macht dich zu gutem, fruchtbaren Boden.
Nein, das wird uns nicht glücklich machen. Wir werden uns nicht gut fühlen. Wir werden niemanden haben, dem wir die Schuld geben können, außer uns selbst. Es wird unangenehm, wenn wir erkennen, wie arm und erbärmlich wir als Sünder sind. St. Paulus war bestimmt nicht glücklich, als er schrieb: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ (Röm 7) CS Lewis schrieb mal: „Ich bin nicht zur Religion gegangen, um mich glücklich zu machen. Ich wusste immer, dass eine Flasche Port das tun würde. Wenn du eine Religion willst, die angenehm und bequem ist, empfehle ich ganz bestimmt nicht das Christentum.“ Gott will es dir und mir nicht bequem machen. Er will uns retten für die Ewigkeit – und zwar auf alle Kosten. Deswegen kommt der Same, Jesus Christus, in die Welt. Deswegen wird er gekreuzigt. Deswegen wird der Same heute auf deinen Boden gesät. Der Sämann sät die Saat aus. Rücksichtslos. Überall auf der Welt. Das Wort wird gepredigt, ob die Menschen es mögen oder nicht. Ob sie zuhören oder nicht. Ob sie glauben oder nicht. Der göttliche Sämann verkündet das Wort Jesu, das Wort vom Kreuz, die gute Nachricht, dass es in Jesus Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit gibt. Dass es nun keine Verdammnis gibt für die, die in Christus Jesus sind (Röm 8). Dass es in Jesus Frieden im Sturm gibt, Gewissheit in der Ungewissheit und Hoffnung in der größten Not.
Dieses Gleichnis fordert von Christen und der Kirche Geduld. Wir predigen das Wort. Wir taufen. Wir unterrichten und leiten einander an zu halten alles, was Jesus uns befohlen hat. Wir rufen Menschen zur Umkehr auf. Nur wenige scheinen es zu hören. Das meiste prallt an harten Herzen ab. Einiges davon wird oberflächlich gehört. Manches wird von Reichtum und Sorgen erstickt. Herzen werden kalt. Menschen fallen ab. Wir werden entmutigt. Wir hören auf, dem Wort Gottes zu vertrauen und fangen an, Dinge auf unsere Weise zu tun, statt auf Gottes Weise. Wir versuchen, das Wort Gottes schmackhafter, gefälliger, relevanter und unterhaltsamer zu machen. Stattdessen sollten wir darum beten, dass Gott uns das Leben schwermacht. Dass er andere und uns mit einem gottgefälligen Kummer plagt, der zur Umkehr führt. Und die Verheißung in all dem ist, dass das Wort des Evangeliums, das Wort, das Jesus ist, niemals leer zurückkehrt, sondern immer seinen Zweck erfüllt. Das tut der Heilige Geist durch die Gnadenmittel, durch Wort und Sakrament. Er bringt den unfruchtbarsten Boden zum Wachsen und Blühen. Ohren zu hören und lebendiger Same bedeuten eine hundertfache Ernte am Tag der Auferstehung. Darauf kannst du dich verlassen. Amen.
SEXAGESIMAE (Viererlei Ackerfeld)
Wochenspruch
Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
Hebräer 3, 15
Epistel
Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen. Hebräer 4, 12 – 13 Hauptlied Herr, für dein Wort sei hoch gepreist 40 Es wolle Gott uns gnädig sein 245
Evangelium
Als eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu Jesus eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch.
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Vorfastenzeit
Wochenspruch: Hebr 3,15
Wochenpsalm: Ps 119a
Eingangspsalm: Ps 31
Epistel: Hebr 4,12-13
Evangelium: Lk 8,4-8 (9-15)
Predigttext: Mk 4,26-29
Wochenlied: 196 und 280
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Lk 8,4-8 (9-15)
II: Hebr 4,12-13
III: Mk 4,26-29
IV: 2. Kor (11,18.23b-30); 12,1-10
V: Jes 55,(6-9) 10-12a
VI: Apg 16,9-15