Erntedankfest 2019

Erntedankfest 2019

Die Gnade unseres Herrn, Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen.

Text: Matthäus 6, 19 – 24

Jesus spricht: 19Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. 20Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.  22Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! 24Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Lasst uns beten: Herr Gott, himmlischer Vater, offenbare du uns jetzt die himmlischen Schätze, die du in deinem Wort und Sakrament immer wieder für uns bereithältst. Gib sie uns aus Gnaden, weil sie unendlich viel mehr wert sind als alles, woran wir unsere Herzen so gerne hängen. Komm, lieber Herr, und segne jetzt unser Reden und unser Hören. Amen.

 Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

Heute feiern wir wieder das jährliche Erntedankfest! Dabei denken die meisten von uns wahrscheinlich automatisch an die Kollekte! Heute, so denkt man, sollten wir uns alle einen „Ruck“ geben, und viel mehr für die Kirche und die Gemeinde geben, als gewöhnlich! Danach kann dann alles wieder so weiter laufen wie vorher! Es geht aber heute eigentlich gar nicht um die Kollekte, die gegeben wird. Sondern, es geht darum, wie diese gegeben wird. Gott fragt uns nicht: „Wo ist dein Geld?“ sondern er fragt uns: „Wo ist dein Herz?“

Wir dürfen das Erntedankfest deshalb nicht missverstehen und meinen, dass Gott heute seine Abrechnung für das vergangene Jahr, mit uns machen will! Gott sagt nicht: „Ich habe dir im vergangenen Jahr so-und-soviel Segen zukommen lassen; ich habe dich vor Unglücken, Schaden und vor Krankheit bewahrt, oder auch wieder davon geheilt! Nun bezahle, was du mir dafür schuldest! Und denk dran: Ich brauch mindestens 10% von deiner Einnahme!!“

Nein! Gott rechnet ganz anders! In unserem Text warnt er uns deshalb sehr deutlich, dass wir unsere Herzen nicht an die irdischen Sachen verlieren, und an sie verkaufen sollen! Sie sind allesamt vergänglich! Aber, sie haben es in sich, dass sie uns sehr schnell in ihren Bann ziehen können! Sie sind sogar gefährlich, weil sie uns von dem rechten Weg zur Seligkeit abbringen können! Sie können, wie wir es am vorigen Sonntag gehört haben, in uns Gefühle der Überheblichkeit erwecken, die ganz leicht den Glauben an Christus aus unserem Herzen verdrängen können!

Deshalb gibt Gott uns auch den guten Rat, dass wir den wahren Wert der himmlischen Schätze erkennen sollen! Er sagt uns, dass es sich auf alle Fälle lohnt, diese Schätze zu besitzen, weil sie bleibenden, ewigen Wert haben! Denn: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz!“ Und das gilt nicht nur für das Verhältnis zwischen Mann und Frau in der Ehe, oder Freund und Freundin! Sondern, hier in diesem Text geht es besonders um den Reichtum und alles, was wir uns dadurch leisten können, gegenüber unsrem Glauben an Gott!

Gott fragt uns deshalb heute nach unsrem „Herzenswert!“ Liegt dieser „Wert“ für dich und mich vielleicht in dem Wissen: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut?“ Oder sind wir durch Gottes Gnade von dem allen befreit? Und sind wir deshalb offen für die Schätze im Himmel, die Gott uns schenken will? Ja, liebe Brüder und Schwestern, sind wir, du und ich wirklich frei um Gott zu dienen mit allem, was wir sind und haben?

Liebe Gemeinde, die „Motten“ und der „Rost“ von denen Jesus hier redet, haben heute vielleicht andere Namen, z.B. „Inflation“, „ökonomischer Rückgang,“ „elektronischer Diebstahl,“ „Raub,“ „Feuer,“ „Dürre,“ „Krankheit“ u.s.w. Aber ihre Auswirkung ist genau die gleiche! Das Gesammelte irdische Gut wird dadurch weniger; es wächst nicht so gut und schnell wie erwartet; es fehlt auf einmal Geld aus dem Konto, oder man hat durch Unfall oder Krankheit auf einmal unerwartete, große Ausgaben!

Wir kennen wahrscheinlich alle diese Sorgen und Probleme! Sie treffen ja den „kleinen Mann“ genau so wie den „großen.“ Und zuletzt müssen wir dazu dann auch wissen, dass der Tod dieses alles sogar eines Tages, vielleicht sogar unerwartet, überflüssig machen wird! „Das letzte Hemd hat keine Taschen“, sagt das Sprichwort! Und Jesus nennt den reichen Kornbauer im Gleichnis auch nur deshalb einen Narren, weil er sich so fest auf die irdischen Güter verlassen hatte!

Liebe Gemeinde, nun ist es aber auf der anderen Seite auch wichtig, dass wir wissen dürfen, dass Jesus uns den irdischen Besitz ja nicht verbietet! Er sagt nicht, ihr dürft gar nichts besitzen! Verkauft sofort alles was ihr habt; gebt das Geld für die Kirche und für die Wohltätigkeit, und setzt euch hin und tut gar nichts mehr! Oder; zieht euch zurück in die Absonderung und führt dort ein enthaltsames und frommes Leben, was immer das meint! Nein! Gott will dass wir arbeiten und schaffen, damit wir etwas haben um denen, die in Not sind damit zu helfen! Gott will, dass wir die irdischen Gaben, die wir erwirtschaftet haben, in seinen Dienst stellen! Aber, er will auch, dass wir unser Herz nicht an diesen Besitz verlieren! Wir sollen das, was wir haben und durch Gottes Gnade und unter seinem Segen erarbeiten durften, in der Verantwortung vor ihm einsetzen und gebrauchen!

Das schließt auch die Vorsorge mit ein! Dadurch, dass wir verantwortungsvoll planen, sollen wir ja gerade verhüten, dass wir anderen zur Last fallen! Ihr Lieben, die Probleme, um die es sich in diesem Text handelt, fangen ja genau da an, wo die Vorsorge, sich in Sorge verändert! Die Sorge und Angst, um hier im Irdischen zu kurz zu kommen, ist das, was Jesus im Abschnitt, der gleich nach unserem Text steht, meint, nämlich. „Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet;“ usw.

Die Sorge ist ja das direkte Zeichen dafür, dass man Gott nicht mehr vertraut! Wenn ich Gott nicht mehr zutraue, dass er mich hier auf Erden versorgen kann und wird, dann stehe ich auch kurz davor, meinen Glauben an ihn ganz aufzugeben! Wenn wir Gott nicht glauben, dass er uns, wie versprochen, an jedem Tag mit Essen und Trinken versorgen wird, wie viel weniger werden wir ihm dann glauben, dass er uns das versprochene ewige Leben am Jüngsten Tag geben wird?

Ja, liebe Gemeinde, so ernst steht es in dieser Sache! Dr. Martin Luther hat im „Großen Katechismus“ eine lange Erklärung zum Ersten Gebot geschrieben. Darin heißt es zum Schluss: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott! Und wenn es sich dabei um den Mammon, den Reichtum oder die eigene Ehre handelt, dann hast du einen Abgott! Es geht hiermit auch genauso, wie mit der geistlichen Blindheit, von der wir vor einigen Sonntagen gehört haben. Es schleicht sich genau so langsam und unauffällig bei uns hinein, wie die schwächer werdende Sicht, von der wir gehört haben! Die geistliche Blindheit verursacht zum Schluss auch die Finsternis in unsren Herzen, von der Jesus in unsrem Text redet.

Ja, ihr Lieben, Jesus kennt uns genau! Er weiß, wie das Sammeln von den irdischen Schätzen uns zum Hindernis in unsrem Christenstand wird! Er weiß genau, wie die Augen, durch die sein Licht des Evangeliums in unsre Herzen hinein strömen will, blind werden für ihn und sein Wort, und auch für die Not des Nächsten! Dann wird es dunkel in uns, und wir können nicht mehr tun, was er von uns haben will und erwartet! Deshalb schließt dieser Text auch mit der bekannten Warnung Jesu: „Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

Das ist so, wie wenn ich beim Autofahren mich während der Fahrt, z.B. illegaler Weise, immer wieder mit meinem Handy beschäftige. Dann ist meine Aufmerksamkeit verteilt zwischen der Straße und dem Ding in meiner Hand! Meine Augen sehen hin und her; mal auf die Straße und dann wieder länger auf das Gerät in meiner Hand! Genauso stört auch unser geteiltes Interesse zwischen Gott und seinen himmlischen Schätzen einerseits, und den irdischen Dingen andererseits, unseren Glauben und das feste Vertrauen auf Gott! Das geht nicht und hat sogar schwere Folgen für uns, ähnlich wie wenn ich einen Unfall baue, wegen meinem Telefon! Im ersten Gebot sagt Gott uns deshalb sehr direkt und geradeaus: „Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“

Dazu wollen wir zum Schluss dann noch einmal Dr. Martin Luthers guten Rat aus dem „Großen Katechismus“ hören, wo er uns sagt wie unser Verhältnis zu den irdischen Dingen sein soll. Da lesen wir: „So wollen wir getrost unsern Weg gehen und alle Güter, die Gott uns gibt, nicht anders gebrauchen als ein Gast, der die Herberge für Verpflegung und Übernachtung nur vorübergehend in Anspruch nimmt. So lebe ein jeder in seinem Beruf nach Gottes Ordnung und lasse nichts seinen Herrn oder Abgott sein.“ Dass heißt: Wenn man z.B. auf der Reise in einem B&B ein Zimmer mietet und in dem Bett schläft, wird man noch längst nicht der Besitzer von dem Zimmer und dem Bett! Und wenn man am nächsten Tag weiter fährt, lässt man das alles zurück, ohne um sein Herz daran zu hängen, oder um etwas davon mitzunehmen! So soll es auch mit unsrem irdischen Besitz sein! Er ist uns gegeben um ihn zu gebrauchen, wie wir ihn nötig haben, und sonst nichts! Wer so lebt, der wird auch zu einem fröhlichen Geber, weil er oder sie frei ist von aller Bindung an die irdischen Schätze!

Und so stellt Gott uns heute allen noch einmal die Frage: „Wem dienst du? Was ist dir in diesem Leben wichtig; so wichtig, dass du dafür vielleicht sogar auf dein Seelenheil verzichtest?“ Die Antwort darauf muss jeder für sich persönlich geben! Im Gebet zu Gott und in der Kraft des Heiligen Geistes müssen wir alle bekennen, dass wir immer wieder dem Mammon gedient haben und noch dienen! Dieses Gebet und Bekenntnis muss Teil von der täglichen Reue und Buße werden, durch die wir immer wieder zu unserer Taufgnade zurückgeführt werden! Möge Gott es geben, dass wir von der Bindung an die irdischen Schätze befreit werden und, dass wir davon frei bleiben! Und mögen wir durch seine Gnade und in der Kraft des Heiligen Geistes diesen Abgöttern absagen und ihm, dem allein wahren Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist dienen, mit allem was wir sind und haben! Amen.

Wir beten: Herr Gott, wir danken dir, dass du uns sagst, wie schwach unser Vertrauen auf dich ist! Trotz deinem großen Segen, den wir im vergangenen Jahr wieder erleben durften, wollen wir uns immer wieder auf unseren irdischen Besitz verlassen! Vergib uns, o Herr, und schenk uns durch deinen Heiligen Geist die Kraft zum festen Glauben und Vertrauen auf dich und deine Gnade, durch die wir gerettet werden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.