Erntedankfest 2022

Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Lasst uns beten: Hier bin ich, Herr, du rufest mir, du ziehest mich, ich folge dir, du forderst von mir Herz und Sinn, mein Schöpfer, nimm, ach nimm es hin. Du wollest in deiner Gnade und deinem Erbarmen uns auch heute schenken rechte Ohren zum Hören und mir den rechten Mund zum Predigen geben, dass diese Gemeinde gesegnet werde, dass wir es wieder lernen, zu bleiben bei deinem Wort und darauf ferner fahren fort einmal von mitten aus diesem Jammertal zu dir in deinen Ehrensaal. Das schenk uns, Herr. Amen.

Liebe Gemeinde, was wir soeben beteten, war das Predigteröffnungsgebet, das Pastor Wiesinger 1974 von dieser Kanzel aus betete, bevor er seine Abschieds-predigt hielt. In dieser Predigt hielt er Rückschau über 42 Jahre Dienst in dieser Gemeinde, 1932-1974, erinnerte an manches, fasste das Wesentliche noch einmal zusammen, und gab aus Gottes Wort einen Ausblick auf den Weg nach vorn. Genau das Gleiche tut Pastor Mose in unserem Gotteswort für heute. Nach 40 Jahren in der Wüste steht er endlich mit dem Gottesvolk an der Grenze vor dem gelobten Land, an der Schwelle zu dem, was Gott verheißen hatte, vor der Erfüllung des Ziels, das dem Volk 40 Jahre lang vor Augen gestanden hatte. Aber Mose darf nicht hinein. Ein letztes Mal steht er vor seiner großen Gemeinde, ein letztes Mal predigt er ihnen Gottes Wort in dem Wissen, dass er nicht mitgehen kann. Er hält Rückschau über die großen Wunder und Siege, die der Herr ihnen diese 40 Jahre lang in der Wüste gegeben hatte, wie er sie wunderbar versorgt hatte, liebevoll erzogen hatte, Mose erinnert an die 10 Gebote, die Gott dem Volk gegeben hatte, fasst das Wesentliche zusammen.

Und nun kommt der Ausblick, der Blick in die Zukunft. Wisst ihr noch, liebe Gemeinde, ruft der Pastor, wisst ihr noch, was euch bevorsteht? Nicht mehr Wüste und Trockenheit, nicht mehr Mangel und eingeschränktes Menü, nicht mehr eine Existenz in der Wildnis ohne Ressourcen und Mitteln, nicht mehr Hunger und Durst, sondern das genaue Gegenteil. Euch erwartet ein fruchtbares Land, ein Land mit vielem Wasser und Regen, ein Land mit gutem Boden und reichem Ackerbau, ein Land mit einer Vielfalt an Gewächsen von Getreide bis Weintrauben, von Obst bis Olivenöl, ein Land, wo du dich sattessen kannst und genug und übergenug hast, ein Land mit Brot und Honig und Rohstoffen, die dich reich machen werden. [10] Der Gott, der dies alles für euch tut, ist ein Gott, dem Lob und Ehre gebührt, und so sollt ihr ihn loben.

Eine ganz wunderbare Zukunft wartet auf Gottes Volk, ein Leben wie das Märchen vom Schlaraffenland. Allen Grund wird die Gemeinde Gottes haben, ihn zu loben. Aber Mose ist ein Pastor, der seine Gemeindeglieder gut kennt. Er kennt die Neigungen ihrer Herzen, ihre Tendenzen, er weiß wohl, dass sie Sünder sind, die nur aus Gottes Vergebung leben. Und Mose weiß auch: er selbst wird nicht mehr da sein, sie zu führen, nicht mehr ihr Pastor sein. Und so veranlasst seine langjährige Erfahrung mit seinen Gemeindegliedern ihn als Pastor dazu, in seiner letzten Predigt der Gemeinde Gottes in aller Aufrichtigkeit und mit allem Wohlwollen klipp und klar eine ernste Warnung auf den Weg mitzugeben. Eine dreifache Warnung.

„So hüte dich nun davor…“ klingt es wiederholt in Moses Abschiedspredigt. Sieh dich vor, liebe Gemeinde, sagt Mose, gib Acht, sagt Mose, oder auf gut Zulu: „Pasopa wena.“ Erstens: Wenn du gegessen hast und satt geworden bist, hüte dich, dass du den Herrn, deinen Gott, nicht vergisst. So war es nun mal mit den Israeliten. In der Not murrten sie und klagten Gott an, dass er sie vergessen hatte. In der Not suchten sie Gott, weil sie wussten, dass sie nur von ihm Hilfe bekommen können, und flehten um Hilfe. Aber sobald es ihnen wieder gut ging, vergaßen sie ihren Gott und kehrten sich eigenen Prioritäten zu. Hüte dich, ruft der alte Mose, dass du Gott nicht vergisst, denn dann wirst du auch aufhören, Gottes Gebote zu halten, Gottes Gesetze und Rechte zu lernen und im Herzen zu halten. Zweitens: Hüte dich, ruft Mose der Gemeinde Gottes zu, vergiss nicht, wo du herkommst. Vergiss nicht, dass du Sklave warst in Ägypten, vergiss nicht, dass du in der Knechtschaft lebtest. Vergiss nicht den schweren Weg, den du bis hierher gegangen bist, vergiss nicht die furchtbare Wüste und die Hitze und Schlangen und Skorpione und deinen Durst und deinen Hunger. Und drittens: Hüte dich, dass du nicht vergisst, was Gott der Herr alles dort für dich getan hat, dich freigemacht hat, dich behütet hat, dich gespeist und getränkt und nun diesen guten Boden geschenkt hat.

An unserem Erntedankfest heute ahnen wir, wie Moses Abschiedspredigt nicht nur den Gläubigen von damals galt, sondern wie aktuell dieses Gotteswort auch heute ist, wie sehr es uns gilt, der Gemeinde Gottes 2022. Denn wir sind ebenso Sünder wie sie es damals waren. Auch bei uns ist es so: In der Not klagen wir Gott entweder leise oder auch laut an, erinnern ihn an seine Pflicht, flehen wir Gott den Herrn an, er möge uns eiligst helfen. Aber wenn die Speisekammer und der Esstisch und der Magen und die Geldbörse wieder voll sind und er geholfen hat, wenn der gute Gott wieder in seinem Himmel ist und die Sonne freundlich scheint, dann neigen Gottes Kinder schnell dazu, ihn zu vergessen, seine Gebote nicht mehr zu beachten, sein Wort nicht mehr zu lernen und im Herzen zu behalten. Das lehrt uns doch auch die Geschichte unserer Gegend: Wie oft haben Familien es nicht schon durch Gottes Segen zu ihrem Fleiß zu Ansehen und Ehre gebracht, aber bei zunehmender Geschäftigkeit und zunehmendem Wohlstand kam es immer mehr zu abnehmendem Glauben, bis dass die Familie später ganz von der Kirche entfremdet war?

Bei den Älteren in unserer Gemeinde hört man öfter das Sprichwort: „Wohlstand erzeugt Lauheit.“ Das Sprichwort trifft den Nagel auf den Kopf. So ist es. „Wohlstand erzeugt Lauheit“, und hier haben wir den biblischen Beleg dafür. Gottes Wort warnt eindringlich davor, bei reichem Segen Gott nicht zu vergessen, nicht zu vergessen, wo wir herkamen, dass wir alle von Geburt an der Knechtschaft der Sünde verfallen waren, dass wir Tod und Hölle geweiht waren und uns nicht daraus befreien konnten, dass aber der gnädige Gott uns durch Jesus Christus freigemacht hat von Knechtschaft, Hölle und ewigem Tod, und durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen uns Vergebung der Sünden, ewiges Leben und die beste Zukunft in der neuen Erde und dem neuen Himmel zugedacht hat. Denn seht, das ist der Ausblick, den Gottes Wort uns gibt, uns, der Gemeinde Gottes, die wir stehen vor der Schwelle zum ewigen Leben. Wie wird es sein! Ein Leben ohne Mangel und Tränen, ohne finanzielle Sorgen, ohne Mühe, ohne Not, ein Land so fruchtbar und ertragreich, dass wir es jetzt nicht einmal erahnen können, ohne Dornen und Disteln, ohne Schweiß und Bedrängnis, dass Frucht und Ernte in ungekannten Maßen gegeben wird, dass wir niemals mehr Mangel leiden, sondern vollkommen sorgenfrei und in Fülle und Wohlstand leben können in Ewigkeit.

Weil das kommt, liebe Gemeinde, und damit es auch zu uns kommt, liebe Gemeinde, redet Gott der Herr uns in seinem Wort so eindringlich zu. Vergiss nicht deinen Gott. Vergiss nicht, wo du herkamst. Vergiss nicht, was er dir alles getan hat und immer noch tut. Vielleicht sprichst du nun: Ach, das trifft doch gar nicht zu. Wir leben nicht in einer Zeit des Wohlstands. Wir leben in einer Zeit der Inflation, wo jeden Monat das Essen teurer und die Medizin kostspieliger und das Geld wertloser wird; das Gehalt reicht bei vielen nicht mehr aus. Außerdem schweben viele unserer Farmer in Not, obwohl dieses Jahr die Ernte auf den Feldern grünt und blüht wie schon lange nicht mehr. Eigentlich sollte dies eine Bombenernte sein. Aber Farmer, die bei Illovo eingeschrieben sind, müssen zuschauen, wie die Mühle wegen Nachlässigkeit und mangelnder Instandhaltung immer wieder die Quoten senken muss, das Zuckerrohr abweisen muss, sodass die Farmer Hunderte Tonnen Ernte unverarbeitet wegwerfen und machtlos zuschauen müssen, wie sie im Felde verrotten. Und das wirkt sich wiederum auf andere Betriebe in der Gegend aus, sodass so mancher unter uns mit Sorge auf die Zukunft blickt. Was hat dieses Gotteswort denn mir überhaupt noch zu sagen?

Vergiss nicht den Herrn deinen Gott, ruft es dir zu. Er hat in der Wüste Wasser gegeben und Manna geschenkt. Hier erklärt er, warum seine Gemeinde überhaupt solchen Mangel leiden musste: [15b-17] Ihr Lieben, Gott sagt uns nicht genau, wozu wir diese schweren Zeiten erleben. Kann es sein, dass der Herr uns demütigen will, weil wir sonst bei zunehmendem Wohlstand sagen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen? Hüte dich davor, sagt Gottes Wort, [18a]. Alles, alles kommt von ihm. Gedenke an den Herrn. Du hast Brot auf dem Tisch und Wasser zu trinken, und ich auch; wir haben es weit besser als viele, viele unserer Landsleute. Lasst uns die Nächstenliebe nicht verlernen. Lasst uns nicht undankbar werden. Wir wollen Ehre bringen dem, dem sie gebührt, haben Anlass und Ursache, Gott zu loben, seine Gebote zu halten und sein Wort zu lernen. Nach der Predigt wollen wir heute der Umstände wegen einen Gesang singen, der schon viele Jahre nicht in dieser Kirche gesungen wurde, einen Erntedankgesang bei sparsamer Ernte – in dem Sinne nämlich, dass bei vielen die gute Ernte nicht eingebracht werden kann und bei anderen Mangel herrscht. Aber wir tun es im Aufblick zu Gott, der gewiss Wort hält und uns nicht verlässt, und so können wir auch dieses Jahr ein inniges, frohes Erntedankfest feiern. Dazu helfe uns Gott. Amen.

Gott lebet noch!

Seele, was verzagst du doch?

Sollt’ der schlummern oder schlafen,

Der das Aug’ hat zugericht’t,

Der die Ohren hat erschaffen,

Sollte dieser hören nicht?

Gott ist Gott, der hört und siehet,

Wo den Frommen Weh geschiehet.

Seele, so bedenke doch:

Lebt doch unser Herr Gott noch.