Predigt – Erntedankfest – zu Pfingsten? Pfingsten – 2026

„als der Pfingsttag gekommen war…“ Hunderttausende Menschen aus aller Welt waren nach Jerusalem gekommen, um Pfingsten zu feiern: nein, nicht das Kommen des Heiligen Geistes mit Brausen und Feuer, auch nicht eine gewaltige Predigt und 3000 Täuflinge – damit rechneten sie wohl nicht – sondern diese vielen Menschen, Parther und Elamiter usw., waren nach Jerusalem gekommen, um Erntedankfest zu feiern. Unter dem Alten Testament war das Pfingstfest ein Erntedankfest, eins der drei großen Feste, zu denen Juden aus aller Welt nach Jerusalem kamen. Diese drei großen Feste – das Passafest, das Pfingstfest (auch Wochenfest genannt) und das Laubhüttenfest – hatte Gott selbst in dem „Kirchenjahr“ des Alten Testaments auch und besonders als Erntedankfeste für verschiedene landwirtschaftliche Produkte eingesetzt.

Unser Erntedankfest ist ja auch eines der größten Feste unserer Gemeinde. Unser Leben ist eng mit der Landwirtschaft verwoben. Zuckerrohr, Bäume, Hühner, Macadamianüsse, Pekannüsse, Avocados, Kiwis usw. sind – menschlich gesprochen – aus unserer Gemeinde gar nicht wegzudenken. Und so ist für uns der Erntedanktag jedes Jahr ein Fest, das sich im Aufblick zu Gott unmittelbar aus unserer Lebenswirklichkeit ergibt und eine Brücke schlägt zwischen unserem Alltag und dem Kirchenjahr, unserer körperlichen Existenz und unserem geistlichen Leben. Wenn wir nun jedes Jahr im Oktober Erntedankfest feiern, dann tun wir das im Rückblick, indem wir zurückschauen auf die Ernte, die bis dahin größtenteils eingebracht wurde. Bis dahin ist der meiste Zucker zur Mühle geliefert worden, die Nuss- und Avocado-Ernte größtenteils eingebracht worden, wir schauen dankbar zurück und sagen Gott Lob, Preis und Dank aus für die eingebrachte Ernte.

Die Kinder Gottes damals aber machten es genau andersherum: sie feierten Erntedankfest nicht im Rückblick, sondern in der Vorausschau. Sie feierten Erntedankfest nicht dann, wenn die Ernte eingebracht worden war, sondern dann, wenn das Ernten gerade angefangen hatte. Das verlieh ihren Erntefesten einen ganz anderen Ansatz. Wo bei uns das Erntefest ein Danktag ist für das, was der Herr uns bereits geschenkt hat, war bei ihnen das Erntefest ein Vertrauensfest. So hatte Gott es angeordnet.  Jetzt fragst du vielleicht: Wie feiert man denn Erntedankfest, wenn man noch keine Ernte hat? Die Antwort ergibt sich aus der Anweisung, dass Gottes Kinder damals am Erntefest den ganz ersten Teil der Ernte, die sogenannten Erstlinge, ihm bringen und opferten sollten. Schaut, die Kinder Gottes lebten damals weit mehr von der Hand in den Mund als wir. Wenn z.B. die Weizenernte begann, hatten sie ihre Vorräte von der letzten Ernte so ziemlich aufgebraucht. Endlich beginnt die neue Weizenernte, aber statt sich satt zu essen an frischem Brot aus den ersten Weizenkörnern verlangt Gott, dass sie sie ihm opfern und Erntedankfest feiern als Zeichen, dass sie den Geber mehr schätzen als die Gaben, und sie tun es im Vertrauen und Gebet, dass er auch den Rest der Ernte geben wird. Das also wollten die Juden aus vieler Herren Länder in Jerusalem tun: Im Vertrauen Gott schon im Vorfeld danken, dass er ihnen die Weizenernte schenken würde.

Pfingsten also Erntedankfest, das zweite der drei großen Feste im Kirchenjahr. Nun, die drei Feste hatte Gott der Herr aber auch in besonderer Weise mit ihrer Erlösungsgeschichte verbunden. Das erste war das Passafest. Es dauerte 7 Tage. Am 1. Tag wurden Lämmer geopfert – Ernte, aber auch Erinnerung daran, dass Gott sein Volk durch das Blut von Lämmern vor dem Todesengel bewahrt und aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit hatte. Am 3. Tag der Passafestwoche kommt das Erntedankfest für Gerste; denn das war die erste Ernte, die sie im gelobten Lande erwarten würde. Das Passafest feierte die Befreiung aus Ägypten und die erste Ernte, die sie im gelobten Land bekommen würden.

Genau 50 Tage nach dem Passafest kommt das zweite große Erntefest: Pfingsten. Das ist kein Zufall. Denn einerseits beginnt gerade dann die Weizenernte in Israel, das Erntefest; andererseits aber hatte das Volk Israel genau 50 Tage nach dem 1. Passafest, an dem sie Ägypten verlassen hatten, den Berg Sinai erreicht, wo Gott seinen Bund mit ihnen schloss und Mose ihnen die 10 Gebote gab. Das 1. Erntefest des Jahres, das Passafest, feierte ihre Erlösung aus der Gefangenschaft; 50 Tage später feierte das 2. Erntefest Gottes Gnade, dass er sie in sein Testament und in seinen Bund geschrieben hatte.

So, und in dem Jahr, als Jesus Christus gekreuzigt wird und von den Toten aufersteht, laufen die Fäden zusammen, finden diese Feste ihre Erfüllung. Hier müssen wir genau aufpassen. Das Volk Gottes war von überall her nach Jerusalem gekommen, um Passa zu feiern. Und am 1. Tag des Passafests, als das Volk Gottes die Erlösung aus der Knechtschaft feiert, wird Jesus Christus am Kreuz geopfert als das große, einmalige, vollkommene Lamm Gottes. Sein Blut wird vergossen zur vollkommenen Befreiung aus der wahren Gefangenschaft, aus der Sklaverei der Sünde und des Todes. Denn am 1. Tag des Passafestes in diesem Jahr gehen alle Passafeste in Erfüllung, es beginnt eine neue Zeitordnung. An diesem Tag setzt Jesus das neue Testament ein, den Bund in seinem Blut, den neuen Bund der Gnade Gottes. Wann steht der Herr Christus von den Toten auf? Am 3. Tag vom Passafest. Das ist das 1. Erntedankfest im neuen Jahr. Nun hat Gottes Ernte begonnen. Er hat es ja nicht nur auf ein Volk abgesehen, sondern auf alle Völker. Jesus ist der Erstling dieser großen Ernte Gottes, das Zeichen, dass viele andere ihm folgen werden als Gottes Ernte aus dieser Welt, dass Gott am jüngsten Tag ernten wird alle Menschen, die durch den großen Gnadenbund des neuen Testaments zu ihm gehören. Wir vertrauen darauf, dass der Herr auch für den Rest der Ernte sorgen wird, uns mit Christus bringen wird in das gelobte Land, in die neue Schöpfung.

Genau 50 Tage später kommt der Pfingsttag – das zweite Erntefest, das wunderbar in Erfüllung geht. Der erste Erstling, Jesus Christus, ist bereits vom Tode auferstanden, der erste der großen Ernte Gottes. An Pfingsten kommen die nächsten Erstlinge. Ganz betont heißt es, sie kommen aus allen Ländern des römischen Reiches nach Jerusalem, um Erntefest zu feiern – so wie sie das eben taten, um Gott den ersten Teil der Ernte zu bringen im Vertrauen darauf, dass er den Rest der Ernte schenken würde. An dem Morgen haben sie noch keine Ahnung, dass sie selbst die Erstlinge der Ernte Gottes werden. Aber im Laufe des Tages wird es deutlich.

Als die Israeliten damals beim Berg Sinai angekommen waren, ging Mose den Berg hinauf und verschwand dort in der Wolke Gottes vor ihren Augen. Und dann kam Mose wieder herunter mit der Nachricht vom Bund Gottes und den Tafeln des Gesetzes. Nun ist Jesus in den Himmel aufgefahren und in der Wolke Gottes verschwunden. Und nun kommt er wieder herab zu den Menschen nicht mit einem Gesetz, das in steinerne Tafeln geschrieben ist, sondern mit der dynamischen Energie des Evangeliums in dem neuen Testament, dem ewigen Gnadenbund. Aber wie kommt Jesus nun mit dieser frohen Botschaft vom Himmel zu den Menschen herab? Antwort: In der Kraft des Heiligen Geistes durch die Predigt des Wortes Gottes, die sie zu Buße und Glauben bewegt und durch die Taufe in Gottes neues Testament, in den Bund seiner Gnade aufnimmt. Das ist das wahre Pfingsten! Und es werden an dem Tag 3000 Menschen geerntet, Gottes Erstlinge, bewahrt für die große Ernte in das gelobte Land, das noch kommt.

Heute feiern auch wir im Sinne der Kinder Gottes Pfingsten als Erntefest. Denn nach diesem Pfingstfest gingen die Erstlinge Gottes wieder in ihre fernen Länder zurück – und mit ihnen zog die Predigt des Wortes Gottes, die frohe Botschaft vom Evangelium, vom neuen Testament durch das Blut des Lammes zur Vergebung der Sünden, ja, mit ihnen zog die Taufe, mit ihnen zog der Heilige Geist, der durch diese Mittel überall wirkte, wo sie hinkamen, und von dort zieht seitdem der Heilige Geist durch die ganze Welt und sammelt Menschen zu Jesus Christus, dem Lamm Gottes und dem Erstling der großen Ernte. Auch durch unsere Väter und Mütter ist das neue Testament von Deutschland hierhergekommen nach Südafrika, und auch dich und mich sammelt der Herr der Ernte ein. Er erhalte uns dann auch fest in dem Vertrauen, dass der Herr den vollen Rest seiner Ernte gewiss einbringen wird, sodass wir heute fröhlich Ernte feiern, unsere Erlösung. Und wir wollen den Herrn der Ernte um Arbeiter bitten und selber fröhlich dazu beitragen, dass durch uns der Heilige Geist wirke, dass in unserer Gemeinde und durch unsere Mission der Herr Menschen aus allen Sprachen in dem einen Erlöser Jesus Christus eingebracht werden. Amen.


Pfingsten (Die Kirche des Geistes)

Wochenspruch
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Introitus – Nr. 39 (oder Nr. 40) (Weisheit 1, 7; Psalm 118, 16)

Epistel

Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.”

Apostelgeschichte 2, 1 – 18

Hauptlied Komm, Heiliger Geist, Herre Gott 215

Evangelium

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Johannes 14, 23 – 27