Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Seit letzten Sonntag, dem 4. Advent, gehen wir schon auf den Spuren der Heilsgeschichte Gottes mit und Menschen entlang, wie die Propheten, die Apostel und die Evangelisten sie uns berichten. Wir folgen dabei sozusagen einem vorgezeichneten Wanderweg, wo da immer wieder so kleine Schilder mit Pfeilen darauf sind, die einem den Weg und die richtige Richtung, zeigen.
So ist es auch besonders mit dem Lukas Evangelium, aus dem unser Text heute kommt. In seiner Einleitung schreibt Lukas dazu, dass er alles was darin vorkommt erst einmal von Anfang an sorgfältig erforscht, und es dann in guter Ordnung aufgeschrieben hat. Das hatte er getan damit sein Freund, Theophilus, den sicheren Grund der Lehre, in der er unterrichtet wurde nun auch selber nachlesen und erfahren konnte. Es wird deshalb auch ziemlich allgemein angenommen, dass Lukas die Information, die er aus der Anfangszeit von dem Leben Jesu, hier so ausführlich beschreibt, von Maria persönlich bekommen hatte. Deswegen können wir uns darauf verlassen, dass dieses, was wir hier lesen und über die Festtage schon gehört haben, auch wirklich so vorgekommen und geschehen ist! Lukas hat also sehr sorgfältig und genau, unter dem Beistand des heiligen Geistes, Zeichen für unseren Glaubensweg aufgeschrieben, an denen wir uns orientieren können, um sicher zu sein, dass die Richtung immer noch stimmt!
Nun ist es auch so, dass man einen ganz anderen Eindruck von einer Landschaft und ihren Sehenswürdigkeiten bekommt, wenn man dort, über eine längere Zeit, z B eine Wanderung macht! Wenn man sich nämlich nur für ein oder zwei Stunden da irgendwo in der Gegend bei einem „Picknick Platz“ auf eine Decke setzt, und sich über die frische Luft freut, sieht man nichts, und könnte genau so gut zu Hause geblieben sein! Deshalb ist es gut, dass wir in diesen Tagen auch einmal so eine ganze Serie von Texten aus dem Lukas Evangelium hören, damit wir den Zusammenhang und den Faden darin besser erkennen können.
Ihr Lieben, der Weg, den Lukas hier mit uns geht, zeigt uns unter Anderem deutlich die Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament im Leben Jesu. Davon hatten wir ja auch schon etwas am 3, Advent gehört. Diese Verbindung zeigt uns Lukas, weil es für das Volk der Juden, und auch für uns alle wichtig ist, zu wissen, dass Jesus wirklich der im Alten Testament verheißene Messias ist! Wir sehen also, dass das Leben Jesu sich, von Anfang an schon, den alttestamentlichen Gesetzen unterordnet, als Zeichen dafür, dass er die Brücke vom alten zum neuen Bund ist. Deshalb betont Lukas, wie wir es am Christabend vom Propheten Micha gehört haben, z B auch die Tatsache, dass Bethlehem als „Stadt Davids“ bekannt war, und, dass Jesus, wie von Jesaja vorausgesagt, ein Nachkomme Davids ist! Dann schreibt er auch in dem 21. Vers, gerade vor unserem Text, dass Joseph, als stellvertretender Vater, dafür gesorgt hat, dass der Sohn der Maria, auch am 8. Tag nach seiner Geburt, vorschriftsmäßig beschnitten wurde, und er dabei dann auch den Namen, Jesus, bekam!
Und hier, in unserem Text berichtet Lukas nun auch von zwei weiteren Handlungen, die in dem Gesetz vorgeschrieben waren, und die deshalb auch von Josef und Maria durchgeführt wurden. Einerseits ging es um die Vorschrift aus 3. Mose 12, wo es heißt, dass die Mutter nach der Geburt eines Sohnes, 40 Tage lang nicht in den Tempel kommen durfte. Sie musste zu Hause bleiben. Aber am 40. Tag kam sie dann in den Tempel um ein Reinigungs- und ein Sündopfer zu bringen. Für arme Leute genügten dazu zwei Tauben. Danach konnte das Leben für diese Mutter dann wieder normal weiter gehen. Man kann hieraus noch die Spuren des sogenannten „Kirchgangs,“ erkennen, von dem die Älteren unter uns noch wissen. Da gab es auch allerhand Regeln, aber heute kennen wir es meistens nur noch als das Dankgebet, das wir nach der Taufe hier am Altar für die Eltern, und besonders für Mutter und Kind, sprechen.
Wenn dieser Sohn, der geboren wurde, dann aber auch noch das erste Kind der Mutter war, kam ein zweites Opfer dazu. Dann musste da, nach 4. Mose 18, eine Summe Geld von ungefähr einem Monatsgehalt beim Tempel eingezahlt werden, um diesen Sohn „auszulösen.“ Diese Vorschrift ging auf den Auszug aus Ägypten zurück. Da hat Gott (2. Mose 13) alle erstgeborenen männlichen Tiere und alle erstgeborenen Söhne der Israeliten als sein Eigentum erklärt, weil er sie während der 10. Plage bei der Tötung der Erstgeburt, verschont hatte. Die Tiere mussten ihm meistens irgendwann geopfert werden. Aber die Söhne, die Anfangs den Tempeldienst verrichten sollten, konnten mit dem eben genannten Geld ausgelöst werden, weil die Männer aus dem Stamm Levi inzwischen den Tempeldienst übernommen hatten.
Bei dieser Gelegenheit trafen Joseph und Maria mit dem Christuskind, nun mit dem alten Mann, Simeon im Tempel zusammen. Lukas beschreibt Simeon als einen frommen und gottesfürchtigen Mann, den der heilige Geist als einen Zeugen gebraucht hat, um Jesus noch einmal als den Messias zu bestätigen. In unserem Text heißt es dann auch, dass der Geist ihn angeregt hatte um an diesem Tag und zu dieser Stunde in den Tempel zu gehen. Außerdem hatte er aber auch schon vorher eine Offenbarung, dass er den verheißenen Messias noch mit eigenen Augen hier auf Erden sehen würde. Und nun war es so weit! In diesem anderthalb Monate alten Kind, durfte Simeon den verheißenen Messias erkennen!
Mit diesem Kind in den Armen stimmt er deshalb, so wie auch Maria bei ihrem Besuch bei Elizabeth, ein sehr bekannt gewordenes Loblied an, nämlich, den „Lobgesang des Simeons“: „29Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 30denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31den du bereitet hast vor allen Völkern, 32ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel!“ Welch große Freude bringt er in diesem Lied zum Ausdruck! Das, was ihm versprochen wurde, ist Wirklichkeit geworden! Nun konnte er den versprochenen Heiland sehen und fühlen! Dieses kleine Kind in seinen Armen; das ist der Heiland! Nun konnte seine Seele ruhig werden! Die Wartezeit war vorbei, und er hatte die Gewissheit, dass er durch diesen Heiland die Erlösung bekommen würde! Nun konnte er, wie er es selber sagte, in Frieden fahren, dass ist, heimfahren zu seinem himmlischen Vater!
Wir kennen diesen Lobgesang ja auch sehr gut, weil wir ihn jedes Mal nach dem Abendmahl, als Teil der Schlussliturgie singen. Haben wir uns aber schon einmal überlegt, woher es kommt, und was es zu bedeuten, dass gerade dieser Vers dort gesungen wird? Es ist bestimmt nicht, weil wir dann auch alle erwarten um nun bald zu sterben! Nein! Es handelt sich darum, dass wir, nachdem wir im Abendmahl im Brot und Wein den wahren Leib und das wahre Blut Jesu empfangen haben, nun auch zu Gott sagen können: „Herr, meine Augen haben deinen Heiland gesehen!“ Wenn wir es nämlich wirklich glauben, dass Jesus, wie die Bibel uns lehrt, leibhaftig im Brot und im Wein mit dabei ist, dann haben wir ihn nicht nur gesehen und gefühlt, sondern dann ist er auch wirklich in uns hineingekommen!
Ihr Lieben, dieses Wissen will uns immer wieder den Frieden und die Freude vom Christfest, ins Herz bringen! Der, den die Hirten in der Krippe gesehen haben, den Simeon auf den Arm nehmen durfte, kommt in die allerengste Gemeinschaft mit einem jeden von uns, bei der Teilnahme am Heiligen Abendmahl! Er gibt sich uns auf wunderbare Weise in, mit und unter den gesegneten, irdischen Elementen, Brot und Wein, zu essen und zu trinken! So ist jede Abendmahlsfeier immer auch ein Christfest, weil wir dabei den Heiland schmecken und sehen, und von ihm die Gewissheit unserer Erlösung als Geschenk bekommen und empfangen!
So können wir auch immer wieder in Frieden gehen, und unsere alltäglichen Geschäfte, freudig und zu seiner Ehre verrichten! Wir sind nicht mehr auf uns selbst angewiesen, sondern wir können, wie die Hirten, Gott mitten bei der Arbeit loben und preisen, weil wir den Heiland sehen und in uns aufnehmen durften! Das bringt unserem Alltag und unserer Arbeit im neuen Jahr hoffentlich einen ganz neuen Impuls!
Wir haben erkannt, dass wir einen Retter brauchen; wir haben diesen Retter gesehen und ihn bei und in uns aufgenommen! Und wir dürfen im kommenden Jahr, an vielen Sonntagen, immer wieder mit ihm beschenkt werden!
Möge der Herr auch uns, als seine Diener, in dieser Gewissheit in Frieden, und zu seiner Ehre, unser Leben führen lassen! Amen.
Wir beten: Herr Jesus, du unser Heiland und Retter, nun sind die Festtage auch schon wieder vorbei. Wir danken dir für alle Liebe und Freude, die wir untereinander teilen durften, und die wir auch besonders von dir empfangen haben. Herr, nun bitten wir dich, gib, dass die Freude darüber, dass wir durch dich erlöst sind, auch mit uns in das neue Jahr gehen wird. Lass das Licht vom Christfest bei uns nicht verlöschen, sondern zünde du es immer wieder neu durch dein Wort und Sakrament in unseren Herzen an.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.