02. Sonntag nach Trinitatis (Die Einladung) – 2019
Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Text: Jesaja 55, 1 – 5
1Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 2Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. 3Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. 4Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. 5Siehe, du wirst Heiden rufen, die du nicht kennst, und Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.
Lasst uns beten: Herr Gott, lieber himmlischer Vater, wir bekennen dir, dass wir unsren Hunger und unsren Durst nach dir, oft gar nicht mehr recht erkennen! Wir unterdrücken und betäuben die Not der Seele oft so effektiv mit den Dingen dieser Welt, dass wir es gar nicht mehr merken, dass der Glaube bei uns am verkümmern ist! Herr, vergib uns und bring uns zurück zu der einzig wahren Quelle, die du selber bist! Komm, lieber Vater und segne uns alle durch dein Wort. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Wir leben in einer Welt, in der es oft sehr hart zugeht! Schon in der Natur gilt das Prinzip vom „survival of the fittest!“ Der Bock, der nicht schnell genug laufen kann, wird gefangen und von den Raubtieren gefressen! Und unter den Menschen heißt es auch oft „sink or swim!“ Jeder, der nicht in diesem Gejage mitkommt, geht unter und bleibt ein armer Schlucker! Man muss also im Leben zurechtkommen, das heißt, man muss zu den günstigsten Preisen einkaufen und zu den bestmöglichen Preisen verkaufen! „Geld ist Glück“ heißt es auch oft, und deshalb sollte man soviel wie möglich Geld einnehmen, und so wenig wie möglich ausgeben! So wird man ja angeblich reich und glücklich! Aber dadurch wird das ganze Leben hier auf Erden zu einem Kampf um die Existenz und zu einem ständigen Hasten und Jagen! Und irgendwie bleibt da dennoch immer diese Lücke, dieses Gefühl, dass einem etwas fehlt oder, dass man etwas verpasst hat!
In unsrem Text schildert der Prophet Jesaja uns nun ein Bild von einem öffentlichen Markt, wie es sie auch damals schon gab! Dort waren immer viele Verkäufer, und jeder pries seine Ware mit lauter Stimme an. Dabei entstand natürlich ein großes Durcheinander, so, dass die Käufer oft gar nicht mehr richtig wussten, was und wo sie nun eigentlich kaufen sollten. Mit diesem Bild stellt Jesaja uns diese Welt vor, mit allen ihren Angeboten an Unterhaltung und sogenannten, schönen Dingen! Damit soll man dann angeblich die obengenannte Lücke im Herzen ausfüllen! Heutzutage brauchen wir auch gar nicht mehr zum Markt zu gehen, sondern man wird so wie so von allen Seiten mit Reklame berieselt die uns per „Smartphone“, Fernseher, und den anderen Medien erreicht! Und durch das sogenannte „online shopping“ werden uns diese Dinge alle sogar direkt ins Haus gebracht.
Liebe Brüder und Schwestern; Gott, der uns gemacht hat, kennt unsre Bedürfnisse besser als wir selbst! Er weiß genau was uns fehlt! Deshalb beschreibt er dieses Gefühl, dass uns etwas fehlt, durch den Propheten Jesaja mit dem allgemein bekannten Zustand vom Durst und vom Hunger! Mitten in das Gewirr von Reklame und Angeboten aller Art in dieser Welt, ruft Jesaja das Angebot Gottes in die Menschheit hinein. „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ Mit diesen Worten durfte Jesaja schon mehr als 700 Jahre vor der Geburt Jesu das Evangelium verkündigen! Wein und Milch, das waren damals Zeichen des Überflusses! Das waren Andeutungen von wirklich gute Zeiten! Und diese will Gott uns Menschen einfach so schenken!
Ja, Gott bietet uns sein Heil in Christus an, frei und umsonst! Aber was machen wir mit diesem Angebot? Machen wir es nicht auch oft so, wie wir es mit den Angeboten, die per SMS oder per E-Mail kommen, und löschen das alles sofort? Sind wir nicht auch misstrauisch gegen Gottes Angebot, weil wir im Leben schon öfter durch irgendwelche Sonderangebote oder „specials“ enttäuscht wurden? Wir sind auch meistens sofort misstrauisch, wenn jemand uns etwas sehr billig verkaufen will, und erst recht, wenn uns jemand etwas schenken will! Wahrscheinlich hat das damit zu tun, weil wir auch wirklich schon durch die schwache Qualität solch eines billigen Produkts, oder eines Geschenks, enttäuscht wurden!
Aber, Gottes Angebot an uns ist echt und absolut zuverlässig! Dazu ist es auch so teuer und kostbar, dass kein Mensch es überhaupt je wird bezahlen können! Wenn Gott es uns nicht schenken würde, würden wir es niemals haben und besitzen! Es handelt sich ja um unser ewiges Leben, dass wir durch die Sünde, die in uns ist, verloren haben! Aber Gott sagt es uns in der Bibel immer wieder, dass Jesus durch sein Leiden, Sterben, Auferstehen und seine Himmelfahrt, das ewige Heil für uns verdient hat! Durch den Glauben an ihn wird uns dieses Heil wieder geschenkt!
Liebe Gemeinde, in unsrem Textabschnitt hören wir, wie Gott um unsere Aufmerksamkeit wirbt, und wie er sich um uns sorgt. Es ist ja so, dass wir, wie schon gesagt, sogar gegen Gottes Angebot, misstrauisch sind! Aber, und das ist wahrscheinlich noch schlimmer, wir wollen auch immer alles selber machen. Wir wollen uns immer wieder, mit unseren eigenen Werken, dieses Heil bei Gott selber verdienen. Unser Alter Adam will es aber nicht wahr haben, dass dieses unmöglich ist. Deshalb müssen wir heute wieder auf das Wort Gottes, und auf seine Einladung hören, wenn er durch seinen Propheten sagt: „Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht?“ Merkt ihr denn nicht, fragt Gott auch uns, wie weit ihr euch mit euren eigenen Versuchen, schon von mir entfernt habt? Ihr arbeitet und rast in der Welt hin und her, kommt zwischendurch auch ab und zu zum Gottesdienst, und werdet doch nicht ruhig und zufrieden. Ihr kauft und kauft, aber den einzig wahren Besitz, das ewige Gut, habt ihr immer noch nicht!
„Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. 3Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!“ Ihr Lieben, im Hören auf Gott und sein Wort, liegt für uns das Heil! Da ist der gute und wahre Seelenfriede für uns zu finden! Aber auch dieses Hören, das offene Ohr und Herz dazu, muss uns von Gott geschenkt werden! Es gehört mit zu den Werken des heiligen Geistes, dass er dieses bei uns überhaupt erst möglich macht!
„Der heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten.“ So haben wir es in der Erklärung zum dritten Artikel gelernt. So will Gott durch seinen Geist in und an uns Menschen wirken! Leider hört man aber so oft: Du musst dieses tun und jenes lassen, oder; das darfst du als wiedergeborener Christ ganz bestimmt nicht tun, oder; du muss dein Leben dem Herrn widmen, dann wird er dir den heiligen Geist geben, usw. Gottes Wort sagt uns heute aber ganz klar und deutlich: „Höret, so werdet ihr leben!“ Da wird nicht vom Tun oder Lassen geredet, sondern vom Hören. Und was hören wir?
Gott sagt: „Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.“ Diesen neuen und ewigen Bund hat er vor über 2000 Jahren schon in Jesus Christus Wirklichkeit werden lassen! Die „beständigen Gnaden Davids“ sind nichts anderes als der verheißene Messias und die ewige Erlösung, die er uns gebracht hat! Heute Morgen haben wir die Einladung Jesu im Wochenspruch (Mt. 11) wieder gehört, nämlich: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Und im Johannes Evangelium, Kapitel 6, sagt uns Jesus: „Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten!“ Das ist der Beweis dafür, dass diese Voraussage, diese Prophezeiung in Jesus Christus schon in Erfüllung gegangen ist!
Liebe Gemeinde, wir kennen ihn! Seit unserer Taufe sind wir sogar Teil von seiner Gemeinde, seinem Leib! Deshalb brauchen wir nicht mehr hinter den trügerischen Angeboten dieser Welt herzulaufen! Im heiligen Abendmahl kommt er zu uns, und löscht den Durst, und stillt den Hunger nach wahrem Leben! Dadurch dürfen wir immer wieder mit ihm einen neuen Anfang machen! Hier am Altar schenkt er uns das Leben, das Gott durch seinen Propheten in unsrem Text angekündigt hat! Wo dieses Leben durch den heiligen Geist in uns anfängt zu wachsen, passieren erstaunliche Sachen. Dem Volk Gottes wurde durch den Propheten verheißen: „Siehe, du wirst Heiden rufen, die du nicht kennst, und Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.“
Durch Gottes Einfluss werden die Hungrigen, die von Christus gesättigt wurden, zu Gebenden! Die Durstigen, deren Durst er gestillt hat, werden plötzlich zu solchen, die andere durstige Menschen finden, und sie zu ihm hinführen können! Da entsteht bei den Christen das Verlangen, der Welt diese Einladung Gottes zu verkündigen! So kommt es ganz natürlich dazu, dass Mission getrieben und unterstützt wird! Wo Menschenherzen durch den Geist Gottes in Brand gesetzt sind, laufen die Heiden herzu, nicht weil wir solch eine Anziehungskraft haben, sondern, weil sie von Gott berufen werden! Missionsarbeit fängt meistens ja nicht mit großen Strategien und Plänen an! Viel eher keimt sie da, wo Christen und Gemeinden selbst erst einmal die Stimme Gottes hören. Sie fängt da an, wo man selbst erst einmal von der Quelle und dem Brot des Lebens isst und trinkt, und dadurch im Glauben und in der Liebe zu Gott und den Mitmenschen gestärkt wird.
Liebe Gemeinde, bei all dem, was wir heute gehört haben, wollen wir zum Schluss noch darauf achten, dass Gott uns, in seiner großen Liebe, aber nicht zwingt! Er wirbt und ruft, er lädt uns ein: „Höret, so werdet ihr leben!“ Und Jesus hat gesagt (Mt. 5): „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden!“ Möge der Heilige Geist diesen Hunger und diesen Durst, immer wieder, auch in uns wecken! Und, möge er es geben, dass wir zu der einzig wahren Quelle des Lebens kommen, um dort von ihm gestärkt und erquickt zu werden, zum ewigen Leben. Amen.
Wir beten: Lieber Herr, himmlischer Vater, wir danken dir für die Einladung, die wir heute wieder neu gehört haben! Herr, du willst uns das Heil frei und umsonst schenken! Hilf, dass wir dieses Gnadengeschenk gerne annehmen. Und bewahre uns davor, dass wir immer wieder hinter den falschen Einladungen der Welt herlaufen! Schenk uns auch den Mut und die richtigen Worte, damit wir deine Einladung an die Menschen in unsrer Umwelt weitergeben können! Gib, dass sie dadurch dann auch gerettet werden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.
02. Sonntag nach Trinitatis (Die Einladung) – 2018
Wochenspruch
Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11, 28 Introitus – Nr. 43
(Matthäus 5, 6; Psalm 18, 2 – 3)
Epistel
Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.
Epheser 2, 17 – 22
Hauptlied
Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn 303
Evangelium
Einer, der mit zu Tisch saß, sprach zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! Jesus sprach: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.
Lukas 14, 15 – 24
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Mt 11,28
Wochenpsalm: Ps 36
Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113
Epistel: Eph 2,17-22
Evangelium: Lk 14,(15) 16-24
Predigttext: Mt 22,1-14
Wochenlied: 250 und 363
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Lk 14,(15) 16-24
II: Eph 2,17-22
III: Mt 22,1-14
IV: 1. Kor 14,1-3..20-25
V: Jes 55,1-3b (3c-5)
VI: 1. Kor 9,16-23