Predigt – Ein Seitenblick von Gott für den rechten Blick nach vorn | 17. Sonntag nach Trinitatis 2026

Man sieht sie öfter am Straßenrand. Man ist im Auto unterwegs zu einem Ziel, und im Vorbeifahren sieht man sie aus dem Augenwinkel – Kreuze, Inschriften, verwelkte Blumenkränze, verwitterte Schleifen. Sie markieren Orte, an denen Gewaltsames geschah; der kurze Geistesblick auf gewaltsame Geschehnisse verändert deine Perspektive und die Art und Weise, wie du deine Lebensreise erfährst. Unser Gotteswort macht etwas Ähnliches mit uns. Es richtet einen kurzen Blick auf Gewalt im Himmel, die die Art und Weise verändert, wie wir in dieser Welt leben. Lasst uns hinsehen und nicht wegschauen! Was für ein Kampf soll das sein, dort im Himmel was ist das für ein Drache, wieso soll sich nun der ganze Himmel freuen und die ganze Erde fürchten? Und was hat der Krieg im Himmel mit unserem Leben hier auf Erden zu tun?

Dem alten Apostel und Bischof Johannes zeigt der Heilige Geist einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Geschichte und Geschehnisse dieser Welt. Johannes hat das Volk Gottes gesehen – das Volk Gottes auf Erden, das seinen Messias empfangen hat. Er sieht, wie Gott der Herr es nicht zulässt, dass der Satan Christus besiegt; Christus stirbt erst dann, als alles vollbracht ist, ja, und trotzdem kann nicht einmal der Tod Christus von seinem Heilswerk abhalten, kann ihn nicht im Grabe behalten. Christus steht siegreich von den Toten auf und wird triumphierend wieder in den Himmel aufgenommen. Und das Reich Gottes und das Heil und die Kraft und die Macht seines Christus ziehen missionarisch ihre Kreise um die Welt, das Volk Gottes überlebt von einem Zeitalter ins nächste auf seinem Weg ans Ziel, doch die Kirche Gottes lebt in der Wüste, und dann hat man diese kurze Vision von Gewalt im Himmel, der Drache kommt auf die Erde herab, und die Kirche wird verfolgt, weil der Drache weiß, dass seine kurz ist, und er Maximalschaden anrichten will, und er kämpft in der Kirche und gegen die Christen, und die Kirche kämpft und sie schreit und wartet darauf, dass ihr Herr kommt. Das ist die Reise der Kirche. Der Seitenblick auf den gewaltsamen Krieg im Himmel dient dazu, euren Blick zu öffnen auf euer Leben hier auf Erden, damit ihr wisst, was hier vor sich geht.

Ihr wisst zwei Dinge. Ihr wisst, dass es einen Krieg gibt. Einen Krieg gegen Gottes Volk. Und ihr wisst, dass Gott es seinen Kindern möglich macht, am Sieg Christi teilzuhaben. Ihr habt Anteil am Sieg Christi. Wir wollen an dieser Stelle innehalten und einen Moment darüber nachdenken, wie seltsam diese Ereignisse eigentlich sind. Wir sehen einen Krieg im Himmel, und Michael kämpft, und die Engel Gottes kämpfen, und der Teufel wird aus dem Himmel vertrieben. Wer ist dieser Michael? Antwort: Der Brief des Judas nennt Michael den Erzengel. Michael ist der Anführer der Streitmächte, der Heere des Himmels. Sein Name Michael bedeutet „Wer ist wie Gott?“ Das Buch Daniel nennt ihn einen der Ersten unter den Engelfürsten, den Gott der Herr zum Beschützer seines Volkes, seiner Kinder gemacht hat. Deswegen kämpft er. Und zwar mitten im Himmel. Aber sollte nicht gerade dort Friede herrschen? Zu Palmarum rufen die Pilger doch Jesus zu: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! (Lk 19,38) Aber dieser Friede musste erkämpft werden. Es tobte Krieg im Himmel, weil der Drache und Satan Christus aus dem Himmel verdrängen wollte, ihn, das siegreiche Lamm, das geschlachtet ist, weil er sich selbst in Gottes Gegenwart wieder als Oberster der Engel präsentieren wollte, als derjenige, der Macht hat über alle Menschen auf Erden, und insbesondere als derjenige, der vor Gott stehen und Menschen ihrer Sünde willen verklagen darf.

Das ist es ja gerade: Satan hat alles Recht, dich und mich vor Gott zu verklagen wegen unseres Ungehorsams und unserer Rebellion gegen Gott. Und als gerechter Gott muss er uns von Rechts wegen verdammen. Im Alten Testament sehen wir hin und wieder, wie Gott der Herr im Himmel mit seinen Engeln Rat hält – und dass der Teufel auch Zugang hat zu diesem himmlischen Rat. Der Satan verklagt Hiob bei Gott. In Sacharja 3 verklagt der Satan den Hohepriester Jeschua bei Gott. Er hat als Verkläger direkten Zugang zu Gottes Ohr. Aber nun ändert es sich, und zwar gewaltsam. Der Herr Zebaoth als oberster Befehlshaber befiehlt Michael, seinem Engelfürsten, Satan und seine Engel endgültig aus dem himmlischen Gerichtssaal hinauszustoßen, sodass der Teufel nie wieder vor Gottes Angesicht erscheinen und Gottes Kinder verklagen darf, die mit Christi Blut und Gerechtigkeit gekleidet sind. Gut, aber wieso Michael und nicht Jesus selbst? Es ist doch Christus, der von den Toten auferstanden ist, Christus, der die Sünde besiegt hat, Christus, der den Satan besiegt hat, Christus, der den Satan aus dem Himmel vertreibt – aber hier steht, dass es Michael ist. Ihr Lieben, Michael und seine Engel besiegen den Satan, weil sie Anteil am Sieg Christi haben. Michael hat Anteil am Sieg Christi. Schaut: Als Michael Satan aus dem Himmel vertreibt, bricht im Himmel Jubel aus. Was singen sie? Sie singen nicht von Michael. Sie singen von Christus, seiner Herrschaft, seiner Autorität, seiner Macht, dem Blut Christi, das Satan besiegt. Das ist es, was sie singen! Denn Christus hat in seiner Auferstehung die Macht des Todes besiegt. Er hat Macht über den Tod, Macht über die Sünde, Macht über Satan und Macht über die gesamte Schöpfung. Und er schenkt allen, die in Christus sind, ebenfalls Anteilhabe an seinem Sieg über den Satan.

Das ist ein ermutigendes Wort. Es ist ermutigend für Johannes, der auf der Insel Patmos im Exil lebt und mitansehen muss, wie seine Gemeinde zerrissen wird. Was hat er? Johannes ist nichts geblieben, nicht seine Gesundheit, nicht seine Ehre, nicht sein Ansehen, nicht sein Ruhm, er muss auf der öden Strafinsel sogar sein eigenes Essen besorgen. Alles, was er hat, ist sein Zeugnis. Seine alte, schwache Stimme. Und doch schenkt Christus es ihm, unter solchen Umständen an Jesu Sieg über den Satan teilzuhaben, sodass wir heute noch seine Stimme hören. Das ist ermutigend für Johannes, und es ist ermutigend für euch. Ich brauche euch nicht zu sagen, dass ein Krieg tobt, ein Krieg gegen Christen. Nicht bloß ein Kulturkampf oder Scheinkampf – es geht um physische Gewalt. Im Südsudan werden Christen mit Maschinengewehren niedergeschossen. In Ägypten und Nigeria, in Syrien und im Iran, in China und Myanmar werden Kirchen ausgebombt und ausgebrannt, Christien werden körperlich gefoltert. Und wenn ihr diesen Krieg da draußen in der Welt seht und auf euer Leben hier auf dieser Erde blickt, fragt ihr euch bestimmt an manchen Tagen – an manchen Tagen! – ob ihr die Kraft habt, in diesem Kampf mitzukämpfen.

Unsere Gegend steht zurzeit unter Hochspannung. Man blickt mit Sorgen in die Zukunft. Es gibt Spannungen in der Zuckerindustrie über unbeständige Produktion und Preise, darüber, wer sich zu welcher Mühle hält. Die Banken bestehen auf Diversifizierung, doch auf Nusspreise und Maispreise ist kein Verlass. Strom, Wasser, Diesel, Dünger, Lebensmittel sind teuer. Haushalte mit geringem Einkommen sind gefährdet. Und diese Spannung schlägt sich in aufbrausendem Verhalten und Konflikten nieder. Und währenddessen werden Christen in unserem Nachbarland Mosambik entführt, gefoltert und hingerichtet. Erkennen wir denn nicht, wie kleinlich wir werden? In Zeiten der Spannung sollen wir uns nicht gegenseitig bekämpfen, sondern als Gemeinde zusammenstehen. Wir merken an uns selbst, dass wir immer noch gegen die gleichen Sünden kämpfen – Zorn, Zank, Neid, Spaltungen; Resignation, Bitterkeit, Hoffnungslosigkeit. Da müssen wir uns fragen, ob wir verloren sind.

Lieber Christ, schaue auf! Christus weiß, wie es dir geht und womit du kämpfst. Heute schenkt er dir einen Seitenblick auf ein gewaltsames Geschehen, damit du weißt, was hier eigentlich vor sich geht. Der Drache greift die Christenheit an, verführt Gottes Volk auf Erden und will dich täuschen, sodass du glaubst, du brauchst nur deine Ellbogen einzusetzen, dann kommst du durch, als würdest du diesen Kampf aus eigener Kraft führen und gewinnen; oder dass du glaubst, der Kampf ist sinnlos und eigentlich schon verloren. Wenn du die Anklagen des Teufels hörst, dann wisse: Christus hat ihn besiegt. Seine Anklagen finden im Himmel kein Gehör! Denn dort tritt das Blut Christi für dich ein. Christus hat Macht über Satan, Macht über den Tod, Macht über die Sünde und Macht über die Schöpfung. Du bist kein zufälliger Akt der Gewalt, du bist kein Kollateralschaden in einem viel größeren Krieg. Nein. Der Herr hat dich nicht vergessen. Christus hat dich erwählt, an seinem Sieg über die Sünde teilzuhaben. In deiner Schwäche liegt seine Stärke. Selbst Michael und die Engel Gottes können Satan nicht aus eigener Kraft besiegen.

Und genau darum geht es. Michael und all seine Engel kämpfen mit der Kraft eines anderen. Und du auch. Du auch. Ich weiß nicht, wogegen du kämpfst, und ich weiß nicht, wie lange du schon kämpfst, aber eines weiß ich: Du und ich – wir sind auf dem Weg ans Ziel. Wir sind auf dem Weg in die wunderbare Stadt Gottes mit ihren herrlichen Feierlichkeiten und Festen und ihrem kräftigen Grün und ihrem ewigen, unbeschreiblich schönen Licht. Dieser Weg ist gefährlich und beschwerlich und führt durch wüste Strecken und wir wissen nicht, wie lang er ist. Aber heute schenkt euch der Heilige Geist einen Seitenblick auf ein gewaltsames Geschehen, um euch von seinem Sieg zu erzählen, der im Himmel schon gilt und hier auf Erden bald auch, damit wir in der Hoffnung leben können. Und nach dem Seitenblick ertönt im Auto ganz wunderbar erhabene Musik, das Lied des Sieges Christi und seiner Engel und seiner Kirche, der jetzt schon gilt: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder und Schwestern ist gestürzt, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis hin zum Tod. Amen.


17. Sonntag nach Trinitatis (Freiheit eines Christenmenschen)

Wochenspruch
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1. Johannes 5, 4b

Introitus – Nr. 58 (Psalm 86, 9 u 5)

Epistel

Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht: „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.” Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn „wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden.” Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!” Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht: „Herr, wer glaubt unserm Predigen?” So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Römer 10, 9 – 17

Hauptlied
Such, wer da will, ein ander Ziel 285

Evangelium

Jesus ging weg von Genezareth und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.

Matthäus 15, 21 – 28