01. Advent (Der kommende Herr)
Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Text: Hebräer 10, 19 – 25
19Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, 20den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes, 21und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, 22so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser. 23Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; 24und lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken, 25und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.
Lasst uns beten: Lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein Wort. Herr, wir bitten, öffne uns Herzen und Ohren, damit wir unser Leben ändern und als Glieder deiner Gemeinde leben, wie du es von uns haben willst. Gib, dass diese Adventszeit uns allen zum Segen werden darf. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Heute feiern wir wieder den sogenannten „Ersten Sonntag im Advent.“ Für viele Menschen, die z.B. die Kirche verlassen haben, oder die auch noch nie dazu gehört haben, hat diese Beschreibung, heutzutage, keine Bedeutung mehr. Das kommt daher, weil sie wahrscheinlich noch nichts von einem „Kirchenjahr“ gehört haben, und sie deshalb auch nichts von dem sogenannten „Kirchenkalender“ wissen. Vielleicht haben sie dieses auch alles schon längst wieder vergessen.
Dennoch hatte es in der Kirche aber, von bald nach den Anfängen im 2. und 3. Jahrhundert schon immer eine bestimmte Struktur und ein Programm für die sonntäglichen Gottesdienste gegeben. Der Sinn dahinter war, und ist es auch noch, dass wir Christen, mindestens einmal im Jahr, an alle die „Hauptstationen“ im Leben Jesu hier auf Erden, erinnert werden. Dazu ist da dann auch für einige Feste, eine Zeit der Vorbereitung eingebaut, wie z.B. die Passionszeit vor dem Karfreitag und dem Osterfest, und auch die Adventszeit, die in diesen vier Wochen vor dem Weihnachtsfest stattfindet.
Mit der Adventszeit fängt nun wieder ein neues Kirchenjahr an! Wir wissen alle, dass nun Weihnachten, Epiphanias, die Passionszeit, die bis zur Kreuzigung am Karfreitag hin reicht, und dann die Auferstehung am Ostermorgen folgen werden. Dann kommen noch die Himmelfahrt Jesu, und die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Apostel am Pfingstfest in Jerusalem dazu. Alle diese Feste werden dann noch umrahmt von Sonntagen vor, oder auch nach dem Fest, wo das Thema dann noch weiter behandelt und ausgelegt wird. Doch nun zurück zum Thema für diese Predigt!
Liebe Gemeinde, das Wort, Advent, stammt von dem lateinischen Begriff „adventus“, der Ankunft bedeutet. Dieses Wort wurde immer dann benutzt, wenn die Ankunft von einer sehr wichtigen Person, wie z.B. dem römischen Kaiser, angekündigt wurde. Der Begriff, Abendteuer, stammt auch von dieser Wurzel, wie wir es besonders aus dem englischen Wort, „adventure“ erkennen können. Daran kann man sehen, dass die Ankündigung der Ankunft von einer wichtigen Person, meistens mit Spannung und froher Erwartung unter den Menschen, verbunden ist. So sollte es auch, für uns, mit dem Advent unseres Herrn sein. Sein Kommen ist ja auch wirklich etwas, dass uns mit Freude erfüllen sollte, weil er uns ja das aller größte Geschenk, nämlich, das ewige Leben, mitgebracht hat!
Liebe Gemeinde, wir leben augenblicklich in der Zeit zwischen der ersten Ankunft Jesu, als er im Stall von Bethlehem als Mensch geboren wurde, und seinem zweiten Kommen in Herrlichkeit und Macht, als der Richter und unser endgültiger Retter, am Jüngsten Tag. Deshalb sollen wir darauf achten, was er bei seinem ersten Kommen für uns gebracht und bewirkt hat. Als Christen sollen wir diese Dinge einsetzen und gebrauchen, um uns selber, und auch noch viele andere Menschen, auf sein zweites Kommen vorzubereiten.
Unser Text will uns heute Antwort geben auf die Frage, was denn Christus wirklich, für uns, aus dem Himmel mitgebracht hat. Mit anderen Worten könnte man auch fragen: Worüber sollen wir uns zu Weihnachten denn eigentlich wirklich freuen? In den Versen 19 & 20 in unserem Text lesen wir „dass wir nun, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, 20den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes!“ Ja, liebe Brüder und Schwestern; Mit seinem Leiden und Sterben am Kreuz, hat Jesus für uns den Weg zum heiligen und allmächtigen Gott hin, geöffnet! Als er am Kreuz starb hat er für jeden Menschen, der oder die an ihn glaubt, den Weg zur ewigen Seligkeit möglich gemacht. Das ist der eigentliche und wirkliche Grund aller Weihnachtsfreude. Und wir tun gut daran, um das in dieser Adventszeit, wieder einmal richtig zu bedenken!
Wenn wir unseren Text aus dem Hebräerbrief recht verstehen wollen, müssen wir aber auch noch einiges über den Tempel und über die Vorschriften für den Tempeldienst, die Gott den Israeliten damals gegeben hatte, wissen. Im Tempel, und auch schon in der Stiftshütte, dem Zelt das während der Wanderung durch die Wüste als Gotteshaus benutzt wurde, war vorne ein Raum, in dem die Bundeslade stand. Dieser Raum war durch eine dicke Gardine, einen Vorhang, vom Rest des Tempels abgegrenzt, und war von Gott als das Allerheiligste, oder das Heiligtum, wie es in unserem Text genannt wird, bestimmt.
Das war nämlich der Raum, von dem Gott dem Mose versprochen hatte, dass er selber darin gegenwärtig sein würde, um die Sünden des Volks zu vergeben. Dieses Gebiet wurde deshalb von den Juden mit äußerstem Respekt behandelt und geachtet! Nur der Hohepriester durfte dort hinein gehen! Und das tat er dann auch, nach Gottes Vorschrift, nur einmal im Jahr, am sogenannten Großen Versöhnungstag. Diesen Tag gibt es heute noch auf dem Jüdischen Kalender. Er ist bekannt als „Yom Kippur“, und wurde in diesem Jahr, wenn auch in anderer Form als damals, am 9. Oktober gefeiert. In damaliger Zeit brachte der Hohepriester an diesem Tag das Blut des Tiers, das für die Sünde des ganzen Volks geopfert wurde vor Gott, um dadurch die Vergebung für das Volk zu bewirken.
Ihr Lieben, dieser Raum, das Allerheiligste, kann mit dem Altar, den wir heute vorne in unseren Kirchen haben, verglichen werden. Wenn dieses jetzt ein jüdischer Tempel wäre, dann hätten wir auch hier vor dem Altar einen schweren Vorhang, damit niemand den Altar und das, was dort geschieht, sehen kann. Weil wir aber in der Zeit des Neuen Testaments leben, ist solch ein Vorhang, und ist auch das opfern von Tieren, nicht mehr nötig! Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus den Weg zu Gott für uns geöffnet. Durch den Glauben an ihn haben wir nun direkten Zugang zu Gott, dem Vater, weil Jesus für die Sünden der ganzen Welt gestorben ist!
Über diesen Vorhang im Tempel steht im Bericht von der Kreuzigung Jesu, bei Matthäus ein kleiner Satz, den man sehr leicht überhört. Dort lesen wir, Kapitel 27, 50 & 51: „Jesus schrie abermals laut und verschied. Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus!“ Das ist es worauf unser Text zeigt, nämlich, dass dieser Vorhang durch Jesu Tod abgeschafft ist. Nun ist der Zugang in das Allerheiligste, das heißt, hin zum Altar, für alle Menschen geöffnet!
Leider ist es aber auch so, dass dieser freie Zugang zu dem allmächtigen, heiligen Gott, den Jesus für uns eröffnet hat, uns leicht in Gleichgütigkeit gegen Gott, unsre Sünde und deren Vergebung, bringen kann. Obwohl es ja wahr ist, dass unser Gott ein Gott der Liebe ist, müssen wir ihm aber trotzdem mit Respekt und Ehrfurcht begegnen. Wir dürfen nie den Ernst und die schlimmen Folgen unserer Sünde, besonders wenn sie unvergeben bleibt, vergessen! Es passiert leider viel zu oft, dass wir Gott zu unserem Kumpel machen, und ihn dann auch als solchen behandeln.
Liebe Gemeinde, wenn da deshalb etwas ist, das wir von den damaligen Juden lernen können, dann ist es der Respekt mit dem sie Gott, und den Tempel behandelt haben! Es wäre wahrscheinlich gut und heilsam, wenn wir auch wieder unsere Kirchen und Altäre mit solchem Respekt achten würden. Dieses ist immer noch der Ort an dem Gott uns in seinem Wort und Sakrament, ganz persönlich begegnet. Deshalb ist eine Kirche nicht irgendein Gebäude in dem man machen und schwatzen kann, wie und was man will!
Lasst uns nun noch einmal darauf achten, was unser Text uns zu sagen hat. Wir wollen den drei Einladungen und Aufforderungen darin folgen, weil Jesus uns dieses möglich gemacht hat. Erstens heißt es: „Lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.“ Ja, liebe Brüder und Schwestern, es stimmt! Alle, die glauben und getauft sind, sind gewaschen und rein vor Gott! Wir haben, seit unsrer Taufe, das ewige Leben und werden in den Himmel kommen, wenn wir eines Tages im Glauben an Jesu Verdienst, gestorben sind! Ist das nicht Grund zu großer Freude?
Deshalb dürfen wir, bis dahin, auch immer im Gebet, und in den Gottesdiensten direkt in Gottes Gegenwart kommen. Wir dürfen ihm alles sagen was uns plagt und bedrückt, und wissen, dass er es gehört hat und, dass er auch etwas daran tun wird. Das gilt besonders für unsere Sünde und alle unsere Übertretungen, die er uns immer wieder vergeben will. Wenn wir den Ernst unserer Sünde erkannt haben, werden wir umso dankbarer für unsere Erlösung sein!
Dann wird es auch ganz natürlich sein, dass wir zweitens; „festhalten werden an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.“ Das ist noch eine Wiederholung der Botschaft von der Treue Gottes, von der wir in der vergangenen Zeit schon öfter gehört haben. Aber, dass ist es ja gerade, wo wir so schnell schwach werden wenn der Teufel, die Welt und unser Fleisch uns immer wieder in Versuchung führen. Wenn unser Gebetsleben schwach und mager ist, fangen wir sehr leicht an zu wanken und gerade an der Treue Gottes zu zweifeln, wenn z.B. der Tod oder irgendein Unglück auf uns zuschlägt. Wir sehen oft nur auf das Leben hier auf Erden und vergessen dabei ganz, dass unser letztes Ziel ja die ewige Seligkeit ist! Das ist nämlich das eigentliche Geschenk, das Jesus uns durch seinen Tod am Kreuz gebracht hat!
Liebe Gemeinde, zuletzt sind wir dann auch aufgefordert, um; „aufeinander achtzuhaben und uns anzureizen zur Liebe und zu guten Werken, und nicht unsre Gottesdienste zu verlassen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander zu ermahnen, und das um so mehr, weil wir sehen, dass sich der Tag seiner Wiederkunft naht.“ In diesen Worten finden wir eine sehr gute Beschreibung von dem Leben und den Verhältnissen, wie sie in einer Gemeinde sein sollten. Wir Christen sollen einander ermutigen und ermahnen! Das bedeutet natürlich auch, dass wir solche Ermahnungen annehmen sollen. Manch eine gut gemeinte Ermahnung hat schon böse Folgen mit sich gebracht! Davon können viele Pastoren und Kirchenvorsteher berichten!
Da zieht die Person, mit der geredet wurde, sich oft im Ärger von der Gemeinde und allen Aktivitäten zurück, und verbreitet dazu auch noch böse Gerüchte über die Gemeinde. Solches Verhalten ist jedenfalls nicht nach Gottes Gebot und Willen. Als Christen haben wir einander nötig und es ist ein Zeichen höchster Nächstenliebe, wenn jemand den Mut zur Ermahnung eines Mitchristen aufbringen kann! Hier klingt auch das Gleichnis vom verlorenen Schaf mit an, nämlich, wo Jesus sagt, dass da Freude sein wird im Himmel über einen Sünder, der Buße tut! So sollen wir als Gemeinde Jesu hier auf Erden, in Freude treu zusammen bleiben, und uns umeinander in brüderlicher Liebe kümmern.
Möge der heilige Geist es geben, dass wir diese Adventszeit als eine Zeit der Besinnung über die eigentliche Bedeutung von Weihnachten erleben dürfen. Und, mögen wir alle mit der wahren, himmlischen Freude auf die Ewigkeit erfüllt werden. Amen.
Wir beten: Herr, wir bekennen dir, dass wir oft nicht gehandelt haben, wie du es von uns erwartet hast. Wir sind oft eigene Wege gegangen und haben uns nicht um unsere Mitchristen gekümmert. Vergib uns, o Herr, und schenke uns allen miteinander eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, zur Ehre deines Namens.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.
01. Advent (Der kommende Herr)
liturgische Farbe: violett
Festzeit: Adventszeit
Wochenspruch: Sach 9,9
Wochenpsalm: Ps 24
Eingangspsalm: Ps 24
Epistel: Röm 13,8-12 (13-14)
Evangelium: Mt 21,1-9
Predigttext: Offb 5,1-5 (6-14)
Wochenlied: 4 und 16
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = IV). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 21,1-9
II: Röm 13,8-12 (13-14)
III: Jer 23,5-8
IV: Offb 5,1-5 (6-14)
V: LK 1,67-79
VI: Hebr 10,(19-22) 23-25