Okuli (Das Lamm Gottes) – 2020

Okuli (Das Lamm Gottes) – 2020

Predigt: Oculi

Christusgemeinde Kirchdorf    8. März 2015

Lukas 9,51-62                                                                          I.i.

 51Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, dass [Jesus] hinweggenommen werden sollte, da wandte er sein Angesicht, stracks nach Jerusalem zu wandern.

52Und er sandte Boten vor sich her; die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, ihm Herberge zu bereiten. 

53Und sie nahmen ihn nicht auf, weil er sein Angesicht gewandt hatte, nach Jerusalem zu wandern. 

54Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre. 

55Jesus aber wandte sich um und wies sie zurecht. 

56Und sie gingen in ein andres Dorf.

57Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 

58Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

59Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 

60Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

61Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. 

62Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.


 Im Namen Jesu. Amen.

Sein Name ist in die Geschichte eingegangen – nicht wegen einer Heldentat oder Glanzleistung, sondern wegen Betrugs in schwindelerregenden Summen. Charles Ponzi war einer der größten Betrüger der Geschichte Amerikas. Nach ihm wurde das berüchtigte „Ponzi-scheme“ benannt. In den 1920ern versprach er Investoren einen Ertrag von 40% in nur 90 Tagen. Ponzi wollte die schwankenden Wechselkurse ausnutzen. Zuerst funktionierte alles ganz wunderbar. Er verzeichnete einen Profit von $1 Mio. in 3 Stunden. Aber irgendwann krachte das Kartenhaus zusammen; es stellte sich heraus, dass er in Wirklichkeit gerade mal $30 investiert hatte. Ein Schwindler! Ein Lügner! Ein Trickbetrüger!

Ich nenne das, weil im Laufe der Zeiten Millionen desillusionierter Christen den Finger auf Jesus gerichtet, oder auch auf den dreieinigen Gott, und ihn den allergrößten Trickbetrüger aller Zeiten bestimmt haben. Das geschieht manchmal mit Christen, die von großem Leid heimgesucht werden; treue, wohltätige, gutherzige Christen, die jahrelang leiden müssen. Liebreiche Christen, die Opfer der Gewalt werden und die Narben für immer davontragen, oder deren Familienmitglieder aus irgendeinem Grund aus der Kirche ausgestoßen oder ganz plötzlich pflegebedürftig für den Rest des Lebens werden. Treue Christen, die unschuldig ihre Arbeit verlieren und nicht mehr für ihre Familie sorgen können, oder deren Krankenpflege irgendwann so teuer wird, dass die Krankenkasse ihnen die Hilfe versagt. Solche Christen zeigen dann in ihrer Fassungslosigkeit auf die Gnadenverheißungen der Schrift, fassen sich nur noch an den Kopf und fragen: Wie reimt sich das? Wie habe ich das zu verstehen? Hat Gott nicht gesagt: Alle eure Sorge werfet auf Gott, denn er sorgt für euch.… Ihr sollt nicht sorgen und sagen: was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?… Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird Euch das alles zufallen (Mt 6,31.33). Gott weiß jedes Haar, das von meinem Kopf fällt! Und er hat mich lieb! Wie reimt sich das mit meinem Krebs? Oder mit meinem Bruder, der ge-hijacked wird? Oder mit Michael Patterson, der in einen Bach tauchte, um das Opfer eines Unfalls zu retten, wobei das Wasser aber nur 1m tief war und Michael Patterson seinen Nacken an drei Stellen brach, seinen Rückgrat verletzte und nun gelähmt und dabei nicht mal krankenversichert ist. So kann es scheinen, dass Jesus ein Betrüger ist, sich das Vertrauen der Leute anheimst und sie dann verlässt, wenn es hart auf hart geht.

Ist die Nachfolge Jesu ein Ponzi-Scheme? Jesus hat nie behauptet es sei leicht, ihm nachzufolgen, dass seine Nachfolger freigestellt sind vom Leid der Welt. Im Gegenteil, er sagt geradeaus: wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach (Lk 9,23). Und anderswo: Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen (Apg 14,22). Und das steht nicht nur irgendwo im Kleingedruckten versteckt, sondern es ist die fettgedruckte Überschrift über Dein Christentum: Nachfolge Jesu heißt Verzicht. So auch Psalm 34,20: Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der Herr. Da steht es doch! D.h. Nein, Jesus ist kein Betrüger. Kein Schwindler. Mehr noch: auf seine Verheißungen ist Verlass. Ja, er gibt sie Gottes leidendem Volk, sie gelten für seine eigenen mit seinem Blut erkauften Brüder und Schwestern gerade IN den Leidenszeiten, sie verheißen seinen Segen, seinen Trost, seine Liebe, seine fortwährende Gegenwart, sein alles-Leiden-hinwegwischen in der Ewigkeit und für diejenigen, die jetzt leiden, seine Hilfe, seine Hoffnung und sein Heil.

Jesus ist kein Betrüger. Die Lesungen heute zeigen auf, dass das Problem ganz woanders liegt. Schaut Euch mal Elia an. Elia ist am Ende. Er kann nicht mehr. Er hat das Werk des Herrn treu ausgerichtet, hat kräftig für Gott gesprochen und gehandelt, Gottes Treue und Macht bewiesen, große Erfolge für Gott verzeichnet; und nun sucht das Königshaus ihm das Leben zu nehmen, hat Meuchelmörder ausgesandt, um ihn zu suchen und zu töten. Elia ist gehetzt, gejagt, geplagt, verzagt; er hat aufgegeben. Er vertraut Gott nicht mehr. Elias Sünde ist sein Mangel an Zuversicht. Er sieht nur die Schwierigkeit, das Schwere, das Leiden. Er hält es nicht mehr für möglich, dass Gott noch handeln kann, ja, er erwartet gar nicht mehr, dass Gott es wird. Elias Sünde ist der völlige Mangel des Vertrauens. Ist das auch Deine Sünde? Du verzagst nicht nur an Dir selbst und Deiner Lage, sondern viel schlimmer noch, an der Gegenwart, der Liebe, und der Fähigkeit Deines Gottes. Gott gibt Elia Brot und Wasser, genau wie damals dem Volk Israel in der Wüste. Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor Dir. Das gilt auch für dich. Steh auf, Du gejagtes, geplagtes, verzagtes Kind Gottes, stehe auf und iss das Brot, das Jesus selbst ist. Dieser Weg, diese Reise, die Nachfolge Jesu ist Dir zu weit, und ohne dieses Brot muss Dein Glaube in der Wüste Deiner Sünde und Verzagens, bei der Hetzjagd deiner Feinde sterben. Ohne die richtige Nahrung schaffst Du diese Reise nicht! Die Schwierigkeiten werden Dich fertig machen. Darum kostet es jetzt Glauben, empfangen, Christus essen u trinken, damit Du das Ziel erreichst.

In unserer Evangelienlesung wendet Jesus sich seinem Ziel zu. [51] Seht den Unterschied zwischen Jesus und Elia! Die Feindschaft gegen Jesus ist noch viel größer. Gegen ihn ballt sich nicht nur die Faust einer Regierung, sondern die der ganzen Welt, des Teufels, der Sünde, sogar des Todes. Jesus geht ihr nicht aus dem Weg, sondern stellt sich ihr, schaut ihr fest entgegen und macht sich noch auf den Weg zu ihr. Er macht deutlich, wo der Leidensweg Gottes in dieser Welt hinführt. An das Kreuz. Aber er geht trotzdem dem Ziel entgegen, auch wenn es ihn alles kostet.

Und nun treten drei Menschen auf ihn zu, die meinen, selbst die Bedingungen für die Nachfolge bestimmen zu können. 57Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Hier mangelt es nicht an Zuversicht. Es geht um Vermessenheit. Die ist genauso verhängnisvoll! Jesus zertrümmert sie. Er sagt: Mein Freund du hast keine Ahnung, was dir bevorsteht. Denkst du, du kannst mir folgen, wohin ich gehe? Falsch gedacht. 59Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Der andere schaut Jesus ins Auge und sagt: ich werde jemanden anderen an erste Stelle stellen, nicht Dich. Jesus antwortet: Du kannst das nicht machen und mir nachfolgen. 61Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. 62Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Noch einmal: Du bist nicht derjenige, der die Bedingungen für die Nachfolge Jesu bestimmt. Die Nachfolge Jesu ist nicht ein Projekt, das Du bewältigst durch Strategie und Vision und Durchhaltevermögen. Jesus zieht hier einen Strich: Er weiß, wohin Deine Nachfolge führt, was Dir noch im Wege steht, und wie lange die Reise dauert. Du weißt das nicht. Da gilt es weder die Zuversicht fahren zu lassen noch in Vermessenheit die Zuversicht auf sich selbst zu lenken. Am Ende heißt dies ganz einfach: Du kannst Dein Christsein nicht berechnen, oder Gott vorschreiben wollen, wo der Glaubensweg langgeht. Gott lebet noch. Und er wird Gott bleiben.

Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor Dir. Was Jesus dir für den weiten Weg zu essen gibt ist – er selbst. Er kommt in dich und verbindet sich mit dir, um den Weg mit dir zu gehen, vorauszugehen, dir beizustehen. Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute. Er tut das in Taufe und Abendmahl, damit du an ihm hängen bleibst und mit ihm gehst.

Wir wissen, wohin es geht. An das Kreuz. Für ihn. Für dich. Dorthin, wo es aussieht, als wenn Feinde und Opposition am Ende doch gewinnen. Als wenn das Böse siegt. Als wenn kurz vor dem Ende der Reise der Zug entgleist und in den bodenlosen Abgrund stürzt. Das ist es doch, was wir in der Welt sehen. Dass die Gewalt siegt. Dass die Sünde, die Ungerechtigkeit, der Tod siegt. Dass einem am Ende alles genommen wird. Und wenn wir das erleben, zeigen wir leicht den Finger auf Jesus und sagen: Ponzi-Scheme! Zugegeben, Nachfolge Jesu führt zu Leiden und Tod. Dazu 2 Dinge: 1. Jesus sagt, es wird so sein, der Weg führt zu Leiden und Tod; 2., und das ist der entscheidende Punkt, da hört der Weg nicht auf. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir. Aber an der anderen Seite des Tales warten der gedeckte Tisch, Gutes und Barmherzigkeit. Jesus geht durch das finstere Tal ins Licht und erreicht das Ziel. Und er zieht Dich mit sich.

Über dem Eingang der Großen Kreuzkirche der SELK in Hermannsburg, DE prangen die Worte: „Kein Kreuz, keine Krone.“ Sie stammen von William Penn, der als junger Mann wegen seines Glaubens in England eingesperrt wurde. Im Gefängnis schrieb er das Werk, für das er bekannt wurde. Jesus sagt: wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach (Lk 9,23). Das ist es, was William Penn sagen wollte: „Keine Pein, keine Palme, keine Galle, keine Ehre, keine Dornen, keine Throne, kein Kreuz, keine Krone.“ Amen.

Ich hang’ und bleib’ auch hangen
An Christo als ein Glied;
Wo mein Haupt durch ist gangen,
Da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
Durch Welt, durch Sünd’ und Not,
Er reißet durch die Höll’,

Ich bin stets sein Gesell.
Er dringt zum Saal der Ehren,
Ich folg’ ihm immer nach
Und darf mich gar nicht kehren
An einzig Ungemach.
Es tobe, was da kann,
Mein Haupt nimmt sich mein an;
Mein Heiland ist mein Schild,
Der alles Toben stillt.


Soli Deo Gloria

Pastor Dr. Karl Böhmer


Okuli (Das Lamm Gottes)

Wochenspruch

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9, 62

Introitus – Nr. 23 (Psalm 25, 15; Psalm 34, 16 u 20)

Epistel

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.

Epheser 5, 1 – 8a

Hauptlied

Wenn meine Sünd mich kränken 162

Evangelium

Als Jesus und seine Jünger auf dem Wege nach Jerusalem waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9, 57 – 62


liturgische Farbe: violett. Festzeit: Fastenzeit.

Wochenspruch: Lk 9,62

Wochenpsalm: Ps 34b

Eingangspsalm: Ps 34

Epistel: Eph 5,1-8a

Evangelium: Lk 9,57-62

Predigttext: Mk 12,41-44

Wochenlied: 82 und 96


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).

I(Evangelium): Lk 9,57-62

II: Eph 5,1-8a

III: Mk 12,41-44

IV: 1. Petr 1,(13-17) 18-21

V: Jer 20,7-11a (11b-13)

VI: 1. Kön 19,1-8 (9-13a)