Predigt: Was lange währt, wird endlich gut: Die Erlösten bei Gott | Drittletzer Sonntag der Kirchenjahres 2025

Wenn ihr wissen wollt, was ein Pastor wirklich glaubt, was ihn umtreibt, was den Kern seiner Lehre und seiner Überzeugung und seines Bekenntnisses ausmacht, dann schaut, was er an einer Beerdigung macht, hört zu, was er an der Beerdigung sagt – oder eben nicht sagt. Viel, sehr viel über die Lehre eines Pastors, sein Verständnis des Glaubens oder auch über eine bestimmte Kirche oder Konfession wird an einer Beerdigung deutlich. Wieso? Weil es an einer Beerdigung um die letztgültigen Fragen geht – Fragen über Leben und Tod, Erlösung, über Heil, das ewige Schicksal; und Gott. Welche Hoffnung bezeugt er? Auf welcher Grundlage? Welche Zweifel räumt er aus dem Weg, welche Ängste nimmt er, welchen Trost spendet er? Welche Zusagen macht er? Was bedeutet das alles? Welche Freude in Christus bezeugt er inmitten der Trauer, des Todes eines geliebten Menschen? Lässt er die Hinterbliebenen im Ungewissen, oder tröstet er sie durch das Evangelium? Weist er sie auf das gute Leben, die guten Werke des Verstorbenen, seine guten Absichten, meint er, dass der Verstorbene doch eigentlich ein ganz guter Mensch war, der sein Bestes gegeben hat, und dass das gut genug war, oder weist er sie hin auf das wirklich gute Leben und das vollkommen gute Werk Jesu Christi? Auf diese Fragen gibt es verschiedene Antworten, je nach dem, was der Prediger im Herzen glaubt oder eine Kirche wirklich bekennt. Und das wird bei einer Beerdigung deutlich.

Es ist das unfassbar Schöne, das die Offenbarung uns vor Augen hält, das diese Fragen heute aufwirft. Hier lenkt der Heilige Geist unseren Blick von dem Leid der Kinder Gottes in dieser Welt hinauf zu dem Anblick der vollendeten Kirche um den hohen Thron des erhabenen Herrn in der Ewigkeit. Hier gibt der Herr Antworten auf die tiefgründigen, letztgültigen Fragen des Lebens und des Sterbens und der Ewigkeit. Die himmlische Vorschau vermittelt die lebendige Hoffnung und bleibende Freude. Denn der Apostel Johannes beschreibt hier den wunderbaren Anblick der einen großen Schar, der Kinder Gottes aller Zeiten, Menschen aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen, vor dem Thron und dem Lamm versammelt, gekleidet in weiße Gewänder und mit Siegespalmen in den Händen, und sie rufen: Heil! Heil! Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Heil. Darum geht es doch zuletzt! Wo ist Heil zu finden, und wem gehört es? Unmissverständlich rufen sie: Heil ist bei unserm Gott und dem Lamm. Genauer noch, hier handelt es sich um Heil im Sinne des bestimmten Artikels: DAS Heil. Hier spricht Johannes also nicht von Heil im Sinne des Heilseins oder Geheiltwerdens nach einer bestimmten Operation oder Krankheit, nicht vom Wieder-heil-werden nach einer Befreiung von irgendwelchen Traumata oder Problemen des Lebens, sondern von dem Heil, der vollständigen, letztgültigen und ultimativen Erlösung aus dem, was wir Menschen am meisten fürchten: dem Tod und der ewigen Verdammnis aufgrund unserer Sündhaftigkeit.

Hier sehen wir die vollkommene Erlösung aus der großen Trübsal. „In der Welt habt ihr Angst…“ spricht Christus. Es ist eine Feststellung. Das tiefe Bedürfnis des Menschen ist nicht „life, liberty, and the pursuit of happiness“, wie es vom amerikanischen Traum heißt, nicht irdisches Leben, Freiheit und die Sucht nach Glück, sondern tief im Wesensinnern eines jeden Menschen steht das Bewusstsein, dass er Rede und Antwort zu stehen hat, dass er Gott gegenüber verantwortlich ist. Das tiefe Bedürfnis des Menschen ist nach einem Freispruch von Gott, seiner Bestätigung, Zusicherung, einem gnädigen Gott. Unsere Sünden machen uns Angst. „In der Welt habt ihr Angst…“ spricht Christus. Es ist eine Feststellung. Er spricht mit uns Christen. In der Welt habt ihr Angst! …

Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen, heißt es Apg 14. Gerade wir Christen müssen doch immer wieder damit kämpfen, dass uns das Leid nicht erspart bleibt, obwohl der Herr uns liebhat. Dass ein christliches Kind Operationen braucht und Schmerzen hat, dass Kinder von Christen sterben, dass Christen selbst alt werden und dement und ihre Persönlichkeiten dahinschwinden; dass Christen finanzielle Nöte erleben… Ja, Christus „sitzt im Regimente und führet alles wohl“, und doch morden radikale Anhänger des Islam Christen in Scharen, verfolgen sie, schlachten sie in Nigeria ab, metzeln sie im Sudan nieder. In kommunistischen Ländern wie Nordkorea und China verenden Christen jämmerlich in Gefängnissen… Angst, Not, Bedrängnis. Kein anderer als der Herr Christus selbst warnt vor den furchtbaren Tagen vor dem Ende dieser Welt und sagt: „es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.“ (Mt 24) Wenn die Offenbarung hier von der großen Trübsal und Bedrängnis spricht, dann von der schlimmsten Not, von der alle Kinder Gottes zu allen Zeiten etwas erleben, einige mehr als andere.

Großen Trost finden wir hier in Offenbarung 7, ja, doppelten Trost und Grund zur großen Freude. Erstens: Inmitten all der Not und des Leidens der Kinder Gottes in dieser Welt, ja, angesichts auch der großen Bedrängnis, von der Christus spricht, zeigt uns die Schrift, dass der Herr seine Kinder alle zählt und versiegelt. Hier geht es um die 144.000 Knechte Gottes. Wer sind sie? Hier geht es nicht – wie schon viele gemeint haben! – buchstäblich um nur 144.000 Menschen, die selig werden. Darüber gleich mehr. Sondern es geht um die Zahl 12 x 12 x1.000. 1.000 ist im hebräischen Denken die Zahl der Vollständigkeit. Die Kirche Gottes des Alten und Neuen Testaments wird als Streitmacht Gottes dargestellt. Gottes Kinder kämpfen den guten Kampf des Glaubens, selbst im Glauben zu bleiben und um Seelen zu gewinnen, die noch nicht an Gott glauben. Wie die 12 Stämme Israels in der Wüstenwanderung als organisierte Streitmacht unterwegs zum gelobten Land waren, so wandert die streitende Kirche Gottes durch Welt und Zeit hin zur Ewigkeit. Auch wenn sie aus unserer Perspektive zerstritten, zerspalten, verfolgt und bedrängt ist, so ist die eine heilige christliche apostolische Kirche doch eine Realität unter der Führung ihres Herrn, die seine Mission trotz allem treibt. Und dazu ist die Kirche versiegelt worden. Mit dem Wort des Herrn, mit der Taufe, mit dem Zeichen des Kreuzes an Stirn und Brust, angetan mit der Waffenrüstung Gottes. Und er erhält seine Kirche in aller Not. Er sorgt dafür, dass es immer die gibt, die ihm im Glauben treu bleiben.

So, und danach lenkt der Herr unseren Blick nach oben. An einen Ort, an dem die, die uns im Leben und im Leiden und im Glauben und unter dem Siegel Gottes und in Christus vorangegangen sind, wir sehen ihre Seelen, die im Himmel versammelt sind und auf die Auferstehung warten, wir sehen an ihnen in die Zukunft, in die Ewigkeit, an einen Ort, an dem auch du und ich sein sollen, versammelt um den Thron des Gottes, an einen Ort, an dem es keine Hitze mehr gibt, keinen Hunger und keinen Durst, an dem es keine Tränen mehr geben wird, weil das Lamm ihr Hirte ist und sie zu Quellen lebendigen Wassers führen wird. Während der Not hier auf Erden stehen die Seelen der Heiligen Gottes schon vor dem Thron. Sie brennen in keinem Fegefeuer. Sie leiden keine Qual. Sie ruhen bei ihrem Erlöser in Erwartung und Freude. Und es ist eine unübersichtlich große Schar, so, dass niemand sie zählen konnte.

Wir haben oft Angst wegen der schwindenden Zahl der Christen hier auf dieser Welt. Es gibt Gemeinden, die klein werden und sich auflösen; wir machen uns Sorgen um Mitchristen, die vom Glauben abfallen, wir sorgen uns um die Zahl der Gemeindeglieder. Der Herr aber weitet unseren Blick. Die Kirche Gottes ist eine gewaltige, schier unzählbare Schar. Wenn wir eine Beerdigung halten, überweisen wir jedes Mal ein Mitglied von der streitenden Kirche in die triumphierende Kirche. Dort stehen sie und haben gesiegt in dem Lamm. Wo ist Heil zu finden? Wo der Helfer in der Not? Wo der Tröster in der Trübsal? Die unzählige Schar ruft mit lauter Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Das ist ein Teil der Antwort auf die ultimative Frage: Die Erlösung ist bei Gott. Das Heil ist nicht etwas, das wir erreichen oder bewirken – es gehört unserem Gott. Er spricht heilig und macht heilig. Bei ihm kann keiner zu dem Heil oder seinem Heil beitragen. Die Sünde und der Egoismus des Menschen treiben ihn immer dazu, sich selbst Heil zu suchen. Aber das geht nicht. Das Heil ist bei IHM. Dann wollen wir gerade bei Beerdigungen und Trauerfeiern von Lobreden auf den Verstorbenen absehen. Es geht um Gottes Werk in dem Leben und durch das Leben und sogar im Tod des Verstorben. Die Menge ruft laut: Das Heil gehört unserem Gott.

Er schenkt es seinen Kindern, den Heiligen: das Heil, die Erlösung in Jesus Christus, dadurch, dass er sie in jeder Beichte und Buße durch das Wort der Versöhnung und Vergebung im Blut des Lammes reinwäscht und rein macht. Was rettet uns aus der großen Trübsal? Antwort: Das Blut Jesu Christi. Sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie im Blut des Lammes weiß gemacht. So wunderbar verspricht der Herr es uns in Jes. 1: Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden, denn das Blut Christi macht uns rein von allen Sünden.

Diese herrliche Realität zeigt uns der Herr jetzt zum Trost und zur Ermutigung. Lasst den Mut nicht sinken! Der Hirte sammelt sich seine Schafe aus aller Welt. Er überbrückt alle Grenzen, die uns voneinander trennen, durch sein rettendes Evangelium. Alle will der Herr in diese Schar sammeln. Kein Mensch kann sie zählen, und doch kennt er einen jeden mit Namen. Höchstpersönlich tritt das Lamm zu jedem und wischt behutsam alle Tränen von den Augen. Hier bekommen wir Gottes klare Antwort auf die ultimativen Fragen nach der Letztgültigkeit und dem Sinn des Seins. Und so danken wir dem Herrn heute für das Leben all derjenigen, die uns in Christus im Tode vorausgegangen sind, für all das Gute, das er ihnen getan hat, und wir setzen alles daran, auch in dieser Schar erfunden zu werden. Und die Heiligen Gottes können nicht anders, sie stehen staunend, anbetend vor dem Thron und rufen mit großer Stimme, loben und beten an, an der himmlischen Orgel sind alle Register gezogen und mit Trompeten und Posaunen beten wir Gott an und sprechen: [12] Amen.


Wochenspruch
Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
2. Korinther 6, 2b

Epistel

Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.

Römer 14, 7 – 9

Hauptlied
Wir warten dein, o Gottes Sohn 518

Evangelium

Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. [Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird’s auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird’s auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.]